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«Club» zu Beziehungsformen Cathomas: «Brauche Partner, der meine Bisexualität mitträgt»

Der Schweizer Schauspieler Bruno Cathomas ist vielen als Tatort-Kommissar bekannt. Im «Club» erzählt er offen über seine Bisexualität, einer seit 30 Jahren offen gelebten Beziehung und darüber, wie radikal dieser Lebensentwurf mit seiner katholischen Erziehung im Bündner Oberland bricht.

Bruno Cathomas

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Bruno Cathomas ist ein Schweizer Theater- und Filmschauspieler. Er hat schon mehrfach in der Krimireihe Tatort mitgespielt. Cathomas lebt in Wien.

SRF: Sie leben in einer offenen Beziehung. Wie ist es dazu gekommen?

Bruno Cathomas: In meiner Generation hat das überhaupt erst angefangen, dass man die Möglichkeit gesehen hat, dass man zwei Partnerinnen gleichzeitig haben kann – ohne irgendwelche moralische Komplexe oder Verbote zu haben. Aber ich komme wirklich wie aus dem Mittelalter: Ich bin so konservativ erzogen worden, dass ich natürlich das Ideal hatte, dass ein Mann eine Frau kennenlernt und mit ihr zusammenkommt.

So sind Sie in einem katholischen Milieu aufgewachsen.

Genau, in Laax. Dort wurde das so vorgelebt. Obwohl viele immer fremdgegangen sind, vor allem die Männer.

Ich habe das ausprobiert und sehr schön gefunden.

Später habe ich in der Schauspielschule gelernt, dass ich auch auf Männer stehe. Und dann habe ich das ausprobiert und sehr schön gefunden. Ich hatte damals aber eine Freundin und hätte mich entscheiden müssen. Es ging hundertmal hin und her, bis ich irgendwann gesagt habe: Ich brauche einen Partner oder eine Partnerin, die meine Bisexualität mitträgt, sonst verleugne ich einen Teil von mir.

War das nicht auch etwas eine Rebellion, um den Bündner Oberländern zu zeigen, dass es auch eine andere Lebensform gibt?

Jetzt werde ich rot. Da sprechen Sie etwas Wichtiges an. Zentral war der Schambegriff, den ich überwinden musste. Als Mann aus den Bergen über Sexualität zu sprechen, war unvorstellbar. Das war meine Rebellion: zu sagen: «***** euch alle.» Zu sagen: «Ich stehe auf Männer.» Das durfte man früher überhaupt nicht.

Eine offene Beziehung heisst: Man liebt eine Person, lebt Sexualität aber frei. Wie funktioniert das über so viele Jahre?

Ich bin jetzt seit 30 Jahren mit dem gleichen Mann zusammen und das läuft nicht immer gut. Es ist schön, aber es ist sehr viel Arbeit, wenn man frei leben möchte.

Es geht nicht, jederzeit offen zu sein und jederzeit alles zu erzählen.

Eine Geschichte, absolut symptomatisch für unsere Beziehung: 1997, ich war am Tag vorher mit einem Mann ins Bett gegangen. Am nächsten Tag dann war ich proben in Wien und bin mit einer Frau ins Bett. Und mein Mann hat ein Kondom vom Vortag im Müll gefunden und wollte fragen, was los ist. Wir haben damals gesagt, dass wir ganz offen miteinander sind und offen über alles reden. Also habe ich das Telefon abgenommen und gesagt: «Ähm, du, ich habe gerade Sex. Willst du jetzt darüber reden?»

Und ich kann sagen, das ist nicht gut für eine Beziehung, auch für eine offene Beziehung nicht. Es geht nicht, jederzeit offen zu sein und jederzeit alles zu erzählen. Das musste ich lernen.

Was ist, wenn Sie Ihren Partner dringend brauchen – und er ist nicht verfügbar?

In einer Beziehung muss niemand für mich verfügbar sein. Ich muss erst einmal bei mir selbst sein, und dann kann ich in der Beziehung etwas von mir aus teilen. Wenn ich unsicher bin, kann das ein anderer Mensch nicht einfach aufhalten. Wenn er nicht da ist, muss ich ganz erwachsen sein und trotzdem weiterleben.

Das Gespräch führte Peter Düggeli.

Club, 14.4.2026, 22:25 Uhr ; 

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