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Digitalisierung Was macht die digitale Transformation mit der Gesellschaft?

Welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf die Gesellschaft? Zum ersten Mal wurde diese Frage breit wissenschaftlich angeschaut mit einem nationalen Forschungsprogramm (NFP77). Der Präsident der Leitungsgruppe, Abraham Bernstein, erklärt, warum wir an einem Wendepunkt stehen und wie die Schweiz die Zukunft aktiv gestalten muss.

Abraham Bernstein

Informatikprofessor an der Universität Zürich

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Abraham Bernstein ist Informatikprofessor an der Universität Zürich und Präsident der Leitungsgruppe des NFP77, eines nationalen Forschungsprogramms zur digitalen Transformation der Gesellschaft.

SRF: Was genau ist die digitale Transformation?

Abraham Bernstein: Es ist ein Wechselspiel. Die Technologie verändert sich, wir Menschen wenden sie an und verändern dadurch die Gesellschaft. Wir alle tragen einen Supercomputer in der Tasche. Das verändert, wie wir kommunizieren, wie wir Medien konsumieren und wie wir zusammenleben. Es ist also kein rein technologischer, sondern ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel.

Sie sagen, wir stehen an einem Wendepunkt. Geht es jetzt erst richtig los?

Die Geschwindigkeit nimmt zu. Die Art, wie Politik funktioniert, wie Medienlandschaften sich verändern und wie wir arbeiten – all das wird umgekrempelt. Wir müssen uns entscheiden, in welche Richtung wir steuern wollen.

Wir müssen uns bewusst entscheiden, was für Medien wir in Zukunft wollen, wie unsere Schulen aussehen sollen und wie wir unsere Demokratie organisieren.

Ihr Forschungsprogramm fordert, wir müssten die Transformation mitgestalten. Was heisst das konkret?

Wir müssen das Steuerrad in die Hand nehmen. Wir müssen uns bewusst entscheiden, was für Medien wir in Zukunft wollen, wie unsere Schulen aussehen sollen und wie wir unsere Demokratie organisieren. Wir sollten uns nicht einfach treiben lassen.

Im Bereich Bildung fordern Sie, dass digitale Kompetenzen ein Leben lang gefördert werden. Wie soll das funktionieren?

Die Verantwortung liegt nicht mehr nur bei der Schule. Arbeitgeber und Arbeitnehmende müssen gemeinsam in Weiterbildung investieren. Die Technik, die man am ersten Arbeitstag vorfindet, ist am letzten nicht mehr dieselbe. Jeder muss ein spielerisches Gefühl dafür entwickeln, sich mit neuen Technologien auseinanderzusetzen.

Arbeitgeber müssen lernen, zwischenmenschliche Kompetenzen oder strategisches Denken gezielter zu nutzen.

Und wie verändert sich die Arbeitswelt?

Gewisse Tätigkeiten werden wegfallen, neue dazukommen. Fähigkeiten, die sich schwer automatisieren lassen – wie zwischenmenschliche Kompetenzen oder strategisches Denken – werden wichtiger. Arbeitgeber müssen lernen, diese menschlichen Fähigkeiten gezielter zu nutzen. Die Digitalisierung bietet auch Chancen, etwa bei der Stellensuche: Plattformen sollten künftig nicht mehr nur Jobtitel, sondern Fähigkeiten abgleichen. So findet man vielleicht einen passenden Job in einem ganz anderen Bereich.

Frau tippt auf Laptop an Schreibtisch mit Kaffee und Notizbuch von oben.
Legende: Dank Technik sind wir immer und überall erreichbar – doch das hat nicht nur Vorteile. KEYSTONE/DPA/SEBASTIAN KAHNERT

Eine grosse Sorge gilt der Demokratie. Wie kann die digitale Transformation helfen, sie zu stützen? In einem Projekt des NFP77 haben 1000 Personen in einer Berner Gemeinde vor Abstimmungen zusammen diskutiert – elektronisch unterstützt. So kamen sie mit Meinungen von ausserhalb ihrer Bubble in Kontakt. Digitale Mittel können Menschen für Politik begeistern, sie müssen aber fair und transparent sein. 

Einer Maschine muss ich nicht vertrauen. Ich muss wissen, wann sie verlässliche Resultate liefert.

Wann ist eine KI transparent? Wenn wir den Entscheidungsprozess nachvollziehen können. Und wenn wir das nicht können, müssen wir lernen, wann wir uns auf dieses Werkzeug verlassen können. Es geht nicht um Vertrauen, wie man es einem Menschen entgegenbringt. Einer Maschine muss ich nicht vertrauen. Ich muss wissen, wann sie verlässliche Resultate liefert und wann ich die Ergebnisse kritisch hinterfragen muss. Dafür müssen wir ein Gespür entwickeln.

Nach all der Forschung – blicken Sie optimistisch in die Zukunft? Ich bin ein gnadenloser Optimist. Ich glaube, es kommen sehr, sehr spannende Zeiten auf uns zu.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Tagesgespräch, 28.5.2026, 13 Uhr ; 

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