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Enzyklika veröffentlicht Papst präsentiert Lehrschreiben zu Künstlicher Intelligenz

  • Papst Leo XIV. hat heute seine erste Enzyklika – also ein offizielles Lehrschreiben der römisch-katholischen Kirche – veröffentlicht.
  • Thema ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Nach Angaben des Vatikans steht dabei der Schutz der Menschenwürde im KI-Zeitalter im Mittelpunkt.
  • Der Papst fordert strenge Richtlinien für den Umgang mit KI, sieht aber auch Chancen.

Die Enzyklika mit mehr als 100 Seiten trägt den Titel «Magnifica Humanitas» (Grossartige Menschheit). Darin warnt das Oberhaupt von weltweit 1.4 Milliarden Katholiken vor zahlreichen Gefahren, die KI für das menschliche Zusammenleben bedeute.

Das Schreiben trägt den Untertitel «Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz». Papst Leo betont darin, dass KI in verschiedenen Bereichen eine «wertvolle Hilfe» sein könne. Vor allem warnt er jedoch vor deren Risiken – beispielsweise, dass in erster Linie nur wenige Menschen mit jetzt schon viel Besitz profitieren. «Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen.» 

Deshalb sei es «unerlässlich, dass der Einsatz von KI – insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht – von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird». Auch der Besitz der Nutzerdaten müsse reguliert werden.

Papst nimmt Bezug auf Vorgänger Leo XIII.

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Die Enzyklika trägt das Datum 15. Mai. An diesem Tag war es genau 135 Jahre her, dass Leos Namensvetter Leo XIII. seine Enzyklika «Rerum novarum» («Über die neuen Dinge») veröffentlichte. Damit legte der «Arbeiterpapst» die Grundlagen für die katholische Soziallehre infolge der industriellen Revolution. Manche Experten bezeichnen das neue Schreiben jetzt schon als «KI-Sozialenzyklika».

Leo XIII. veröffentlichte in seiner Amtszeit mehr als 90 Enzykliken. Auf ihn beruft sich der Pontifex aus den USA immer wieder. Viele erwarten deshalb, dass er ebenfalls viele solche Lehrschreiben verfassen wird – auch, weil erwartet wird, dass Leo lange im Amt sein wird. Papst Franziskus, sein unmittelbarer Vorgänger, brachte in zwölf Amtsjahren vier Enzykliken heraus.

Mehrfach betont der Papst, dass KI auf menschliche Werte und Moral ausgerichtet sein müsse. Allerdings nütze auch das nichts, «wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird». Vielfach wird das als Kritik an Tech-Milliardären in den USA verstanden.

Autonome Waffensysteme sollen nicht entscheiden dürfen

Besonders kritisch äusserte sich der Pontifex über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystemen seien Kriege «durchführbarer» gemacht worden, heisst es in dem Schreiben. Die KI müsse jedoch «entwaffnet» werden. Keinesfalls dürften Maschinen allein über Leben und Tod entscheiden. Wörtlich heisst es: «Daher ist es nicht zulässig, tödliche oder jedenfalls irreversible Entscheidungen künstlichen Systemen anzuvertrauen.»

In seinem Lehrschreiben warnt Leo auch davor, auf KI-Lügen und -Fälschungen hereinzufallen: «Bleiben wir der Wahrheit treu!» Durch die «unaufhörlichen Flüsse von Informationen, Meinungen und Bildern» mit immer raffinierteren Algorithmen könnten Entscheidungen und Vorlieben leicht beeinflusst werden.

Gleichnis vom Turmbau zu Babel

Mehrfach stellt der Papst in dem Text heraus, dass der Mensch, beziehungsweise das Menschliche, trotz aller technologischen Fortschritte an erster Stelle stehen müsse. «Kein noch so ausgeklügeltes Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt.»

Solche Lehrschreiben von Päpsten gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Benannt sind sie in der Regel nach ihren ersten zwei oder drei Wörtern.

Leos «Magnifica Humanitas» beginnt mit dem Satz: «Die grossartige Menschheit, geschaffen von Gott, steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder errichtet sie einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen.» Das biblische Gleichnis vom Turmbau zu Babel gilt als Sinnbild für menschlichen Hochmut und Grössenwahn.

Link zur Enzyklika:

SRF 4 News, 25.06.2026, 11:30 Uhr ; 

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