- Papst Leo XIV. hat heute seine erste Enzyklika – also ein offizielles Lehrschreiben der römisch-katholischen Kirche – veröffentlicht.
- Thema ist der Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Nach Angaben des Vatikans steht dabei der Schutz der Menschenwürde im KI-Zeitalter im Mittelpunkt.
- Der Papst fordert strenge Richtlinien für den Umgang mit KI, sieht aber auch Chancen.
Die Enzyklika mit mehr als 100 Seiten trägt den Titel «Magnifica Humanitas» (Grossartige Menschheit). Darin warnt das Oberhaupt von weltweit 1.4 Milliarden Katholiken vor zahlreichen Gefahren, die KI für das menschliche Zusammenleben bedeute.
-
Bild 1 von 4. Bei der Vorstellung der Enzyklika war Papst Leo XIV. selbst anwesend. Das gab es nach Angaben der römisch-katholischen Kirche noch nie. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alessandra Tarantino.
-
Bild 2 von 4. Beim Termin hat auch der Mitgründer des KI-Konzerns Anthropic, Chris Olah, teilgenommen. Das Unternehmen mit Sitz in San Francisco liegt im Streit mit der US-Regierung unter Präsident Donald Trump, weil es seine KI-Modelle nicht in autonomen Waffensystemen und zur Überwachung der Zivilbevölkerung zur Verfügung stellen will. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alessandra Tarantino.
-
Bild 3 von 4. Die erste Enzyklika in der Amtszeit eines neuen Papstes gilt vielfach als eine Art Regierungserklärung für dessen Pontifikat. Bildquelle: Keystone/AP Photo/Alessandra Tarantino.
-
Bild 4 von 4. Nach gut einem Jahr im Amt hat Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika veröffentlicht. Bildquelle: Archiv/REUTERS/Guglielmo Mangiapane.
Das Schreiben trägt den Untertitel «Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz». Papst Leo betont darin, dass KI in verschiedenen Bereichen eine «wertvolle Hilfe» sein könne. Vor allem warnt er jedoch vor deren Risiken – beispielsweise, dass in erster Linie nur wenige Menschen mit jetzt schon viel Besitz profitieren. «Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen.»
Deshalb sei es «unerlässlich, dass der Einsatz von KI – insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht – von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird». Auch der Besitz der Nutzerdaten müsse reguliert werden.
Mehrfach betont der Papst, dass KI auf menschliche Werte und Moral ausgerichtet sein müsse. Allerdings nütze auch das nichts, «wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird». Vielfach wird das als Kritik an Tech-Milliardären in den USA verstanden.
Autonome Waffensysteme sollen nicht entscheiden dürfen
Besonders kritisch äusserte sich der Pontifex über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystemen seien Kriege «durchführbarer» gemacht worden, heisst es in dem Schreiben. Die KI müsse jedoch «entwaffnet» werden. Keinesfalls dürften Maschinen allein über Leben und Tod entscheiden. Wörtlich heisst es: «Daher ist es nicht zulässig, tödliche oder jedenfalls irreversible Entscheidungen künstlichen Systemen anzuvertrauen.»
In seinem Lehrschreiben warnt Leo auch davor, auf KI-Lügen und -Fälschungen hereinzufallen: «Bleiben wir der Wahrheit treu!» Durch die «unaufhörlichen Flüsse von Informationen, Meinungen und Bildern» mit immer raffinierteren Algorithmen könnten Entscheidungen und Vorlieben leicht beeinflusst werden.
Gleichnis vom Turmbau zu Babel
Mehrfach stellt der Papst in dem Text heraus, dass der Mensch, beziehungsweise das Menschliche, trotz aller technologischen Fortschritte an erster Stelle stehen müsse. «Kein noch so ausgeklügeltes Computersystem erschafft ein Herz, das sich hingibt, oder ein Gewissen, das das Gute erkennt.»
Solche Lehrschreiben von Päpsten gibt es seit dem 18. Jahrhundert. Benannt sind sie in der Regel nach ihren ersten zwei oder drei Wörtern.
Leos «Magnifica Humanitas» beginnt mit dem Satz: «Die grossartige Menschheit, geschaffen von Gott, steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder errichtet sie einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen.» Das biblische Gleichnis vom Turmbau zu Babel gilt als Sinnbild für menschlichen Hochmut und Grössenwahn.