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Ein Jahr Papst Leo XIV. Mein Freund, der Papst

Seit einem Jahr ist Papst Leo XIV. im Amt. Ein Freund aus seiner Heimat Chicago erzählt, was den Pontifex geprägt hat.

«Es ist einer von uns, es ist Pater Prevost», rief Ordensbruder Thomas McCarthy vor einem Jahr, als sich der neue Papst der Welt präsentierte. Er erklärte vor Fünftklässlern die Papstwahl, als Leo XIV. auf einen Balkon des Petersdoms trat. Nicht nur ist er der erste Papst aus den USA, er ist auch der erste Augustiner auf dem Heiligen Stuhl.

Person in schwarzer Robe vor einer Wand mit Schulwappen und Plaketten.
Legende: Ordensbruder Thomas McCarthy posiert vor der «Hall of Fame» der Schule. SRF/Andrea Christen

Ein Mädchen habe seine Hand schütteln wollen, weil er jene des Papstes geschüttelt hatte, erzählt McCarthy lachend. Er sitzt in der «Saint Rita of Cascia High School» in Süd-Chicago. Früher war er der Präsident der Schule, die von Augustinern geführt wird.

Ich verbrachte eine ganze Stunde mit ihm. Er war ganz sich selbst, nur anders angezogen.
Autor: Thomas McCarthy Ordensbruder der Augustiner-Gemeinschaft

Robert Prevost hatte ihn eingesetzt, als er noch die hiesige Ordensprovinz leitete. McCarthy musste sich daran gewöhnen, dass sein Freund, Pater Bob, nun Papst ist. «Aus Respekt nenne ich ihn immer Holy Father, Heiligen Vater. In E-Mails schreibe ich ‹Lieber HF Leo›. Er signiert schlicht mit ‹Leo›.»

Geprägt in Chicago und Peru

Ordensbruder McCarthy ist zehn Jahre jünger als der 70-jährige Papst, aber beide wurden von katholischen Gemeinden in Chicagos South Side geprägt. Hier herrsche ein starkes Gemeinschaftsgefühl, was gut zu den Lehren der Augustiner passe. Wie viele hier wuchs der Papst in bescheidenen Verhältnissen auf.

Zwei Männer in klösterlichen Gewändern halten ein Buch.
Legende: Ordensbruder Thomas McCarthy besuchte seinen Freund den Papst und findet: «Er war ganz sich selbst.» zVg Thomas McCarthy

Der Ordensbruder besuchte ihn im letzten Herbst in Rom. Das Amt habe ihn nicht verändert. Vielmehr werde er das Amt verändern. «Ich verbrachte eine ganze Stunde mit ihm. Er war ganz sich selbst, nur anders angezogen», erzählt McCarthy. Jemand habe ihm Fannie-May-Süssigkeiten, die aus Chicago stammen, für den Papst mitgegeben. «Er sagte: Die liebe ich!»

Der Papst mache sich nichts aus dem Prunk, liebe es aber, unter Menschen zu sein. Er sei tief geprägt von den Lehren des Augustinerordens und von seiner Zeit in Peru, wo er über zwanzig Jahre lang wirkte, als Missionar und als Bischof – und wo er die extreme Armut mit eigenen Augen sah.

Ich verstehe nicht, weshalb die US-Regierung Streit mit dem Papst sucht. Das macht keinen Sinn, auch politisch nicht.
Autor: Thomas McCarthy Ordensbruder der Augustiner-Gemeinschaft

Kein Papst sei derart viel gereist, noch vor seinem Amtsantritt. «Als er noch den Augustinerorden leitete, besuchte er Augustiner-Gemeinschaften in über 50 Ländern.» Als früherer Bischof von Chiclayo in Peru verstehe der Papst, welche Herausforderungen Bischöfe weltweit hätten.

Die Kollision mit Trump

Papst Leo verurteilte den Iran-Krieg. Präsident Donald Trumps Drohung, die iranische Zivilisation auszulöschen, sei inakzeptabel. Trump und Vizepräsident JD Vance reagierten mit teils wütenden Angriffen auf den Papst. «Der Papst gibt doch nur wieder, was Jesus gesagt hat», so Thomas McCarthy

Es war erwartbar, dass eine moralische Instanz wie der Papst mit Trump kollidieren würde. Man dürfe vom Papst aus den USA nicht erwarten, dass er zu einer Art Gegengewicht zu Trump werde. Aber wenn etwas gegen das Evangelium verstiesse, äussere er sich. Er verstehe nicht, weshalb die Regierung Streit mit dem Papst suche, so McCarthy. «Das macht keinen Sinn, auch politisch nicht.»

Der «Leo-Effekt»

Es ist unklug, vor den Kongresswahlen die katholischen Wählerinnen und Wähler zu verärgern. Vermutlich auch, um die Wogen zu glätten, trifft sich Aussenminister Marco Rubio diese Woche mit dem Papst.

Ordensbruder Thomas McCarthy stellt zudem einen «Leo-Effekt» fest: Das Interesse am Augustinerorden sei gewachsen. Allein in der ersten Woche nach der Papstwahl habe man auf der Internetseite der Midwest Augustinians 34'000 Zugriffe verzeichnet. Bald übernimmt er die Leitung der Ordensprovinz – und damit das Amt, das einst sein Freund Bob innehatte, den er nun Heiligen Vater nennt.

Rendez-vous, 7.5.2026, 12.30 Uhr;bitd;liea

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