«Is this finally rock bottom for Mr Andrew Mountbatten-Windsor?», fragte die BBC Ende Oktober. Knapp vier Monate später zeigt sich: Der absolute Tiefpunkt war mit dem Verlust des Prinzentitels und der royalen Privilegien noch nicht erreicht. Der einstige Lieblingssohn von Queen Elizabeth II. wurde heute verhaftet – an seinem 66. Geburtstag.
«Randy Andy»: Der Partyprinz
Andrew wird am 19. Februar 1960 als drittes von vier Kindern geboren. In der Thronfolge reiht er sich hinter seinem älteren Bruder und heutigen König Charles ein. In den späten 1970ern verleiht ihm der britische Boulevard den Übernamen «Randy Andy» («geiler Andy») – der junge Prinz gilt als Playboy, dem zahlreiche Affären nachgesagt werden.
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Bild 1 von 4. Andrew galt lange Jahre als Lieblingssohn der Queen. Das Bild zeigt Andrew als Baby mit Elizabeth II. und seinem Vater Philip – ganz rechts ist sein älterer Bruder Charles zu sehen. Bildquelle: Getty IMages/NCJ Archive/Mirrorpix.
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Bild 2 von 4. 1982 dient Andrew (rechts) im Falklandkrieg zwischen dem Vereinigten Königreich und Argentinien. Zuhause wird er als Kriegsheld gefeiert. Bildquelle: Getty Images/PA Images.
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Bild 3 von 4. In den 1980er-Jahren datet Andrew die amerikanische Schauspielerin Koo Stark – sie spielte auch in Erotikfilmen mit. Das britische Königshaus ist «not amused» – die Revolverblätter umso mehr. Bildquelle: Getty Images/Dave Benett.
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Bild 4 von 4. Mit der Verlobung und Heirat im Sommer 1986 mit Sarah Ferguson fährt Andrew in ruhigere Gewässer ein. Bildquelle: Getty Images/Derek Hudson.
Andrew legt eine standesgemässe Karriere als Helikopterpilot in der Royal Navy hin, es folgt die umjubelte Heirat mit Sarah Ferguson im Juli 1986. Andrew gefällt sich in der Rolle des mondänen und charmanten Bonvivants der Königsfamilie. Das Bild bekam bald Risse.
«Air Miles Andy»: Der Handelsbeauftragte
1992 verkünden der Herzog und die Herzogin von York ihre Trennung. «Fergie» und Andrew bleiben eng verbunden. Sie lebt weiterhin in seiner Royal Lodge in Windsor. Andrews Beliebtheitswerte bleiben intakt – ganz im Gegensatz zu denjenigen von Prinz Charles, der Diana mit Camilla betrügt.
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Bild 1 von 3. Familienferien im Walliser Nobelskiort Verbier (Winter 2003): Andrew geniesst das privilegierte Leben eines britischen Royals. Bildquelle: Getty Images/UK Press.
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Bild 2 von 3. 2001 wird Andrew von der Queen zum «Special Representative for International Trade and Investment» erkoren. Ein ehemaliger Diplomat in Bahrain bezeichnet ihn 2005 als «His Buffoon Highness» – «Seine hanswurstige Hoheit.». Bildquelle: Getty Images/PA IMAGES/Stefan Rousseau.
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Bild 3 von 3. Als britischer Handelsbeauftragter unterhält Andrew mitunter fragwürdige Kontakte – so etwa zu einem Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, der 2011 gestürzt wurde. Bildquelle: Getty Images/Reza.
«Air Miles Andy» jettet in den Nullerjahren als Handelsbeauftragter um die Welt – und pflegt Beziehungen zu Herrscherfamilien im Mittleren Osten und Zentralasien. Das britische Aussenministerium betrachtet die «Schattendiplomatie» argwöhnisch.
Die verhängnisvolle Freundschaft
2011 muss Andrew sein Mandat niederlegen. Auch, weil Verbindungen zu Jeffrey Epstein öffentlich werden. Nach einer verbüssten Haftstrafe wegen Anstiftung zur Prostitution erhält der amerikanische Investmentbanker Besuch vom Prinzen. Nun wird auch das berüchtigte Foto publik, das Andrew mit dem Missbrauchsopfer Virginia Giuffre zeigt.
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Bild 1 von 2. Prince Andrew und Epstein flanieren 2010 durch den Central Park in New York. Andrew wird es später so darstellen, als habe er Epstein in dem Gespräch die Freundschaft aufgekündigt. Bildquelle: New York Post (Screenshot).
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Bild 2 von 2. Der damalige Prinz Andrew mit Virginia Giuffre. Andrew wird die Echtheit des Fotos später in Zweifel ziehen und behaupten, er könne sich nicht daran erinnern, Giuffre jemals begegnet zu sein. Bildquelle: Getty Images/Anadolu/Rasid Necati.
Im August 2019 wird Epstein tot in seiner Zelle gefunden: Ihm wird vorgeworfen, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht und einen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. In einem Interview mit der BBC sucht Andrew den Befreiungsschlag. Der Auftritt wird zur Kernschmelze.
Bizarre Ausreden, kaum Reue über seine Beziehung zu Epstein und die Behauptung, beim Bild mit Giuffre müsse es sich um einen Fake handeln: Der Fall Epstein wird endgültig zum Fall Andrew. Schliesslich zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück – auf Geheiss der Queen.
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Bild 1 von 4. Im Interview mit der BBC wird Andrew gefragt, ob ihm die vielen jungen Frauen in Epsteins Anwesen nie aufgefallen seien. Er wolle nicht abgehoben wirken, antwortet Andrew, «aber ich interagiere nicht mit Angestellten». Bildquelle: Imago/BBC.
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Bild 2 von 4. Im Sommer 2021 verklagt Giuffre den damaligen Prinzen wegen sexuellen Missbrauchs vor einem New Yorker Gericht. Im Januar entzieht Queen Elizabeth II. ihrem Sohn eine Reihe militärischer Ehrentitel. Bildquelle: Imago/Zuma .
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Bild 3 von 4. Kurz vor Prozessbeginn Anfang 2022 einigt sich der britische Royal aussergerichtlich mit dem Epstein-Opfer. Um das Geld aufzubringen, verkauft er laut Medienberichten sein Luxuschalet in Verbier. Bildquelle: Keystone/AP/Aaron Chown.
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Bild 4 von 4. Im September 2022 verstirbt die Queen. Am Staatsbegräbnis in London muss Andrew in Zivilkleidung teilnehmen. Bei der Krönung seines Bruders Charles im Mai 2023 wird er von Schaulustigen ausgebuht. Bildquelle: Keystone/EPA/Martin Meissner.
Für einige Jahre wird es ruhiger um den Fall Epstein und damit auch um Andrew. 2024 gibt ein Richter neue Akten frei, die auf ein internationales Missbrauchsnetzwerk hindeuten.
«Verstossen in Schande»: Andrew wird Normalbürger
Der Fall nimmt neue Fahrt auf. Auch, weil Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf verspricht, die Epstein Files lückenlos zu veröffentlichen. Das geschieht nur tröpfchenweise. In den Akten taucht auch Andrew auf – die Bilder sind so beschämend wie kompromittierend.
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Bild 1 von 4. Ein Bild zeigt den «Playboy-Prinzen» auf dem Schoss von Frauen, gemeinsam mit Epsteins verurteilter Komplizin Ghislaine Maxwell. Die Aufnahme entstand im Sandringham House, einem Landsitz der britischen Royals. Bildquelle: Imago/Capital Pictures.
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Bild 2 von 4. Auch diese Aufnahme aus den Epstein-Akten lässt an Andrews Darstellung zweifeln, dass er über Epstein nur Zugang zu einem «illustren Kreis von einflussreichen und klugen Menschen» finden wollte. Bildquelle: Imago.
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Bild 3 von 4. Virginia Giuffre schildert in ihren Memoiren, wie sie von Epstein als Sexklavin gehalten wurde. Und sie beschreibt – in Kenntnis von vielen Details – Sexualkontakte mit Prinz Andrew. Die Kronzeugin nahm sich ein halbes Jahr vor der Veröffentlichung des Buches das Leben. Bildquelle: Imago.
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Bild 4 von 4. Kurz nach Andrews Festnahme veröffentlicht König Charles ein Statement. Er nehme die Vorwürfe mit «grösster Besorgnis» zur Kenntnis: «Lassen Sie mich klarstellen: Das Gesetz muss seinen Lauf nehmen.». Bildquelle: Imago/I Images.
Ende Oktober erscheinen Giuffres Memoiren. Darin erneuert sie die Vorwürfe gegen Andrew. König Charles entzieht seinem Bruder alle royalen Titel und verbannt ihn aus der königlichen Lodge in Windsor. «Verstossen in Schande» titelt «The Sun» – der Buckingham Palast bricht endgültig mit dem Prinzen.
Am 19. Februar wird Andrew verhaftet. Der Vorwurf: Er soll dem Sexualstraftäter Epstein vertrauliche Regierungsdokumente zugeschanzt haben.