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Im Strudel der Epstein-Affäre Der tiefe Fall des Andrew Mountbatten-Windsor

Der frühere Prinz Andrew wurde im Zusammenhang mit der Epstein-Affäre verhaftet. Die Chronologie eines Untergangs.

«Is this finally rock bottom for Mr Andrew Mountbatten-Windsor?», fragte die BBC Ende Oktober. Knapp vier Monate später zeigt sich: Der absolute Tiefpunkt war mit dem Verlust des Prinzentitels und der royalen Privilegien noch nicht erreicht. Der einstige Lieblingssohn von Queen Elizabeth II. wurde heute verhaftet – an seinem 66. Geburtstag.

«Randy Andy»: Der Partyprinz

Andrew wird am 19. Februar 1960 als drittes von vier Kindern geboren. In der Thronfolge reiht er sich hinter seinem älteren Bruder und heutigen König Charles ein. In den späten 1970ern verleiht ihm der britische Boulevard den Übernamen «Randy Andy» («geiler Andy») – der junge Prinz gilt als Playboy, dem zahlreiche Affären nachgesagt werden.

Andrew legt eine standesgemässe Karriere als Helikopterpilot in der Royal Navy hin, es folgt die umjubelte Heirat mit Sarah Ferguson im Juli 1986. Andrew gefällt sich in der Rolle des mondänen und charmanten Bonvivants der Königsfamilie. Das Bild bekam bald Risse.

«Air Miles Andy»: Der Handelsbeauftragte

1992 verkünden der Herzog und die Herzogin von York ihre Trennung. «Fergie» und Andrew bleiben eng verbunden. Sie lebt weiterhin in seiner Royal Lodge in Windsor. Andrews Beliebtheitswerte bleiben intakt – ganz im Gegensatz zu denjenigen von Prinz Charles, der Diana mit Camilla betrügt.

«Air Miles Andy» jettet in den Nullerjahren als Handelsbeauftragter um die Welt – und pflegt Beziehungen zu Herrscherfamilien im Mittleren Osten und Zentralasien. Das britische Aussenministerium betrachtet die «Schattendiplomatie» argwöhnisch.

Die verhängnisvolle Freundschaft

2011 muss Andrew sein Mandat niederlegen. Auch, weil Verbindungen zu Jeffrey Epstein öffentlich werden. Nach einer verbüssten Haftstrafe wegen Anstiftung zur Prostitution erhält der amerikanische Investmentbanker Besuch vom Prinzen. Nun wird auch das berüchtigte Foto publik, das Andrew mit dem Missbrauchsopfer Virginia Giuffre zeigt.

Im August 2019 wird Epstein tot in seiner Zelle gefunden: Ihm wird vorgeworfen, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht und einen Sexhandelsring aufgebaut zu haben. In einem Interview mit der BBC sucht Andrew den Befreiungsschlag. Der Auftritt wird zur Kernschmelze.

Bizarre Ausreden, kaum Reue über seine Beziehung zu Epstein und die Behauptung, beim Bild mit Giuffre müsse es sich um einen Fake handeln: Der Fall Epstein wird endgültig zum Fall Andrew. Schliesslich zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück – auf Geheiss der Queen.

Für einige Jahre wird es ruhiger um den Fall Epstein und damit auch um Andrew. 2024 gibt ein Richter neue Akten frei, die auf ein internationales Missbrauchsnetzwerk hindeuten.

«Verstossen in Schande»: Andrew wird Normalbürger

Der Fall nimmt neue Fahrt auf. Auch, weil Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf verspricht, die Epstein Files lückenlos zu veröffentlichen. Das geschieht nur tröpfchenweise. In den Akten taucht auch Andrew auf – die Bilder sind so beschämend wie kompromittierend.

Ende Oktober erscheinen Giuffres Memoiren. Darin erneuert sie die Vorwürfe gegen Andrew. König Charles entzieht seinem Bruder alle royalen Titel und verbannt ihn aus der königlichen Lodge in Windsor. «Verstossen in Schande» titelt «The Sun» – der Buckingham Palast bricht endgültig mit dem Prinzen.

Am 19. Februar wird Andrew verhaftet. Der Vorwurf: Er soll dem Sexualstraftäter Epstein vertrauliche Regierungsdokumente zugeschanzt haben.

Rendez-vous, 19.02.2026, 12:30 Uhr;liea

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