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Epsteins «Lolita-Express» Polizei untersucht Privatflüge über London-Stansted

Waren britische Flughäfen ein zentrales Drehkreuz für Jeffrey Epsteins Missbrauchsring? Ein früherer Premierminister wirft der Polizei schwere Versäumnisse vor – und fordert neue Ermittlungen.

Die britische Polizei prüft, ob der US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein den Flughafen London-Stansted als Drehkreuz für das Schleusen von Missbrauchsopfern nutzen liess. Hinweise in den jüngst vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten würden untersucht, teilte die Polizei der Grafschaft Essex mit.

Betroffen seien vor allem Privatflüge, die in Stansted gestartet oder gelandet seien. Laut Quellen des britischen Rundfunksenders BBC bedeutet der nun eingeleitete Schritt noch nicht den Beginn grossangelegter Ermittlungen.

Der frühere Premierminister Gordon Brown hatte kürzlich schwere Versäumnisse der britischen Polizei beim Aufarbeiten des Kriminalfalls Epstein angeprangert und eine detaillierte Untersuchung verlangt. In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung «New Statesman» schrieb Brown, in den Akten enthaltenen E-Mails sei klar zu entnehmen, dass Epstein junge Frauen und Mädchen («girls») aus Lettland, Litauen und Russland über Stansted einfliegen liess. Mindestens eines der Opfer habe demnach eine Verbindung zum damaligen Prinzen Andrew gehabt. Auch Britinnen seien an Bord der «Lolita-Express» genannten Maschinen gewesen.

Rund 90 Schleuserflüge

Über die Jahre seien Recherchen der BBC zufolge rund 90 solcher Schleuserflüge von britischen Flughäfen aus gestartet, schrieb Brown – allein 15 davon nach 2008. Zu diesem Zeitpunkt war Epstein bereits rechtskräftig wegen Missbrauchs verurteilt. «Wie es sein kann, dass es trotzdem weitere Flüge gab, hätte gründlich untersucht werden müssen», kritisierte der Labour-Politiker, der Grossbritanniens Regierung von 2007 bis 2010 führte.

«Die britischen Behörden hatten kaum einen oder gar keinen Schimmer, wer durch unser Land geschleust wurde, und für wen noch ausser für Epstein», so Brown. Er verlangt nun, dass die Ermittlungen auch Epsteins Helfer und mögliche einflussreiche Freunde in Grossbritannien prüfen. So soll untersucht werden, wer den Finanzier womöglich vor Ermittlungen im Vereinigten Königreich schützte.

Zwei Personen sitzen in einem privaten Flugzeug.
Legende: Nach der Lektüre der Epstein-Akten sei Gordon Brown «bis ins Mark erschüttert» – nicht nur wegen der menschlichen Abgründe, die sich darin auftäten, sondern auch angesichts «der bis jetzt nicht anerkannten Rolle Grossbritanniens». (im Bild: Jeffrey Epstein und Ghislaine Maxwell) Reuters / U.S. Justice Department

Brown äusserte sich auch explizit zur Verwicklung des Bruders von König Charles in die Causa Epstein. Ihm sei «privat mitgeteilt worden», dass bei den Ermittlungen zur Rolle Andrews wichtige Hinweise auf Flüge nicht ordnungsgemäss geprüft wurden. Deshalb habe er die Polizei gebeten, dies im Rahmen der neuen Ermittlungen nachzuholen.

Der auch innerhalb der britischen Königsfamilie in Ungnade gefallene Ex-Prinz hat bislang alle Anschuldigungen zurückgewiesen. Zu den jüngsten Vorwürfen äusserte er sich noch nicht.

Frage an Kronprinzessin: «Wenn das ihren Kindern passiert wäre?»

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Frau mit langen blonden Haaren blickt nachdenklich.
Legende: Die norwegische Kronprinzessin soll über Jahre privaten Kontakt zu dem Sexualstraftäter gehabt haben, nachdem er bereits zum ersten Mal verurteilt worden war und eine Haftstrafe abgesessen hatte. Für ihre Freundschaft zu Epstein hat sich die 52-Jährige bislang nur schriftlich entschuldigt. imago images / Gonzales Photo / Ketil Martinse (9.9.2025)

Ein mutmassliches Opfer von Jeffrey Epstein hat der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit wegen ihrer Freundschaft zu dem Sexualstraftäter schwere Vorwürfe gemacht. «Was wäre, wenn das hier Ihren Kindern passiert wäre? Wie würden Sie sich dann fühlen?» fragte Marina Lacerda in der Sendung «Debatten» im norwegischen Fernsehen. Dass die Kronprinzessin und andere Umgang mit Epstein hatten, finde sie «abscheulich».

Lacerda war laut dem Sender NRK 14 Jahre alt, als sie Epstein vorgestellt wurde. Sie wurde demnach über mehrere Jahre hinweg von ihm missbraucht.

In einer Stellungnahme reagierte Mette-Marit nun auf die Aussagen. Dem Sender NRK zufolge schrieb sie: «Ich bin zutiefst erschüttert über die Geschichten der vielen Epstein-Opfer, und sie haben meine volle Unterstützung. Es ist wichtig, dass ihre Stimmen gehört werden.» Epstein sei selbst für seine Taten verantwortlich. «Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen, dass ich Epsteins Hintergrund nicht besser überprüft habe und nicht schnell genug erkannt habe, was für ein Mensch er war.» Das Statement ähnelt einer vorherigen Entschuldigung der Kronprinzessin.

Stansted weist Verantwortung zurück

Der Flughafen Stansted wies nach den jüngsten Schlagzeilen jegliche Mitverantwortung zurück. Für die Kontrolle der Passagiere an Bord von Privatmaschinen sei der britische Grenzschutz zuständig, hiess es in einer Stellungnahme. Der Flughafen habe keine Einblicke in die Passagierlisten.

SRF 4 News, 15.2.2026, 6 Uhr ; 

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