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Verlag nimmt «Winnetou»-Bücher vom Markt
Aus 10 vor 10 vom 23.08.2022.
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Ravensburg stoppt Buchverkauf «Winnetou» und die Debatte um kulturelle Aneignung

Die Auslieferung von Winnetou-Büchern wird gestoppt, weisse Reggae-Musiker mit Dreadlocks sollen nicht mehr auftreten. Immer wieder ist in Debatten von kultureller Aneignung die Rede. Aber was ist das eigentlich?

Das Buch «Der junge Häuptling Winnetou» sorgt dieser Tage für ordentlich Aufsehen und erhitzte Gemüter – vor allem in den Sozialen Medien. Der Grund: Die Firma Ravensburger hatte entschieden, mehrere Kinderbücher wegen Rassismus-Vorwürfen aus dem Verkauf zu nehmen.

Ravensburg: Gefühle anderer verletzt

Hunderte Instagram-Nutzer äusserten daraufhin ihr Unverständnis und bezichtigten die Firma der Zensur oder des Einknickens. Daneben gab es auch Unterstützung für die Entscheidung.

Die vor allem für ihre Spiele und Puzzle bekannte Firma aus Ravensburg hatte Mitte August angekündigt, die Auslieferung von zwei Winnetou-Titeln zu stoppen und aus dem Programm zu nehmen.

In einem Instagram-Post begründete die Firma dies mit dem Feedback von Nutzerinnen und Nutzer. Es zeige, «dass wir mit den Winnetou-Titeln die Gefühle anderer verletzt haben».

«Romantisierendes Bild» der Unterdrückung von Indigenen

Ein Sprecher von Ravensburger teilte mit, man habe die Entscheidung sorgfältig abgewogen. Bei den genannten Winnetou-Titeln sei man nach Abwägung verschiedener Argumente zu der Überzeugung gelangt, dass angesichts der geschichtlichen Wirklichkeit, der Unterdrückung der indigenen Bevölkerung, hier ein «romantisierendes Bild mit vielen Klischees» gezeichnet werde.

Immer wieder ist in der aktuellen Debatten auch von kultureller Aneignung die Rede. Auch Ravensburger selbst spricht davon. Aber was ist das eigentlich?

Was ist kulturelle Aneignung?

Mit kultureller Aneignung ist gemeint, dass Menschen sich einer Kultur bedienen, die nicht ihre eigene ist, zum Beispiel durch Musik oder Bekleidung. Kritisiert wird vor allem, wenn Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sich einzelner Elemente der Kultur einer Minderheit bemächtigen, sie kommerzialisieren und aus dem Zusammenhang reissen.

Jüngstes Beispiel: In Bern wurde ein Konzert der Band Lauwarm abgebrochen, weil sich einige Besucher daran störten, dass sie jamaikanische Musik spielte und die weissen Mitglieder der Band teils afrikanische Kleidung und Dreadlocks trugen.

Während die Debatte im deutschsprachigen Raum noch relativ neu ist, tobt sie in den USA schon seit Jahren. In Mexiko gibt es sogar ein Gesetz, das kulturelle Aneignung verbietet.

Die Skandalisierung der kulturellen Aneignungen weist eine Reihe von Absurditäten auf.
Autor: Susanne Schröter Deutsche Ethnologin

Die deutsche Ethnologin Susanne Schröter findet die Diskussion um kulturelle Aneignung, wie sie derzeit geführt wird, problematisch. «Die Skandalisierung der kulturellen Aneignungen weist eine Reihe von Absurditäten auf. Eine betrifft die Folgen, die sich ergeben, wenn man die geforderten Nutzungsbeschränkungen zu Ende denkt. Dann müssten bei jedem Gegenstand, jedem Stil, jeder Form kulturellen Ausdrucks die Urheber ausfindig gemacht und ihr Gebrauch auf diese Urheber beschränkt werden», sagt die Professorin der Frankfurter Johann Wolfgang Goethe-Universität.

Audio
Plädoyer für eine Ethik der Aneignung
aus Kultur kompakt vom 20.08.2022.
abspielen. Laufzeit 10 Minuten 52 Sekunden.

Kulturelle Aneignung ist für die Wissenschaftlerin grundsätzlich eher etwas Positives. «Menschen haben stets Dinge von anderen übernommen, wenn sie diese für sinnvoll erachtet haben. Um es auf den Punkt zu bringen, ist die gesamte Menschheitsgeschichte eine Geschichte kultureller Aneignungen, ohne die es keine Entwicklung gegeben hätte», sagt Schröter.

10vor10, 23.08.2022, 21:50 Uhr;

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