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Späte Elternschaft Wie sich der Trend zum späten Kinderglück auswirkt

Frauen werden immer später Mutter, Männer später Väter. Die Entwicklungspsychologin und Generationenforscherin Pasqualina Perrig-Chiello über die Ursachen – und was das für Kinder und Eltern bedeutet.

Die Aufregung war gross, als die deutsche Sängerin und Schauspielerin Jeanette Biedermann kürzlich bekanntgab: Sie ist zum ersten Mal schwanger – mit 46.

In der Schweiz waren 2024 laut offiziellen Zahlen über 100 Frauen so alt wie Biedermann, als sie ihr erstes Kind zur Welt brachten. (Zum Vergleich: Neo-Väter in diesem Alter gab es im selben Jahr knapp 850.)

Mit 46 ist frau sicher im oberen Bereich der Alterskurve, doch der Trend ist eindeutig: Frauen in Mitteleuropa bekommen ihr erstes Kind immer später. Noch 1980 waren die Schweizerinnen beim ersten Kind durchschnittlich gut 26 Jahre alt – heute über 31.

Die Entwicklungspsychologin und Generationenforscherin Pasqualina Perrig-Chiello sieht die gesellschaftliche Veränderung als Haupttreiber der Entwicklung: Frauen haben in ihre Ausbildung investiert, und so wollten viele zunächst beruflich Fuss fassen, sagt Perrig-Chiello: «Familie und Beruf zu vereinbaren, ist in der Schweiz nicht einfach.»

Auch die grössere Freiheit, das eigene Leben zu gestalten, spiele eine Rolle: Frauen könnten heute bewusster entscheiden, ob und wann sie ein Kind wollen.

Viele sehr spät geborene Erstkinder bleiben Einzelkinder. Dahinter stecke nicht selten eine Art «Lebensprojekt» der Eltern: Vieles sei erreicht – nun fehle noch ein Kind.

Viel Liebe – und Herausforderungen

Positiv sei, dass spät geborene Kinder meist sehr gewollt seien – die Zuwendung sei entsprechend gross. Untersuchungen zeigen, dass ältere Mütter oft gelassener sind, über mehr Lebenserfahrung verfügen und finanziell stabiler sind. Diese Faktoren fördern schulische Leistungen und können den Familienalltag entlasten.

Gleichzeitig bringe das Alter der Eltern Herausforderungen mit sich: Die körperliche Leistungsfähigkeit nehme ab, die berufliche und familiäre Belastung sei oft hoch. Und: Kinder mit älteren Eltern müssten früher damit rechnen, dass diese pflegebedürftig werden.

Ein Journalist berichtet über seine Erfahrung

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Der Journalist Eric Breitinger ist selbst als Kind alter Eltern aufgewachsen. In seinem Buch «Späte Kinder» (2015) beschreibt er seine eigenen und die Erfahrungen anderer.

«Ältere Eltern bringen oft mehr Ruhe, Stabilität und Lebens­erfahrung in die Erziehung ein», sagt auch er. Gleichzeitig könne für Kinder der Altersunterschied im Umfeld spürbar sein: «Wenn ich mit meiner Mutter im Tram Klassenkollegen getroffen habe, habe ich mich geschämt, weil sie halt wirklich eine ältere Frau war.»

Nachteile entstehen laut Breitinger zudem, wenn ältere Väter sich zurückziehen oder körperlich weniger belastbar sind. Später kann zudem eine Doppelbelastung entstehen, wenn erwachsene Kinder gleichzeitig eigene Kinder und gebrechliche Eltern betreuen müssen.

Biologischer Rahmen bleibt

Trotz gesellschaftlichem Wandel bleibe die Biologie eine Grenze: Die Menopause habe sich historisch nicht verschoben. «Man kann die Familiengründung nicht beliebig nach hinten verlegen», so Perrig-Chiello.

Weil das Durchschnittsalter der Eltern steigt, werde auch spätere Elternschaft zunehmend gesellschaftlich akzeptiert – allerdings häufiger bei Männern als bei Frauen. Ältere Väter seien kulturell vertrauter, meint Perrig-Chiello: «Bei Frauen ist man viel kritischer, was Alter und Möglichkeiten angeht.»

Podcast «News Plus»

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SRF 4 News, News Plus, 13.3.2026, 16:30 Uhr ; 

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