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WM-Duell der «Netten» «O Canada!»: Gegen die Schweiz machst du keinen Stich

Heute Abend stehen sich an der Fussball-WM zwei Länder gegenüber, die einander nur das Beste wünschen: die Schweiz und Kanada. Sie vereinen nicht nur majestätische Naturlandschaften und der Streit ums Frühfranzösisch: Sie sind auch höflich, bis es weh tut.

Zwei Männer in Boxhandschuhen stehen sich vor einer Bergkulisse gegenüber.
Legende: Wer sonst würde sich entschuldigen, wenn er von einem Passanten angerempelt wird? Heute sollen aber keine Nettigkeiten ausgetauscht werden. Wir sind gespannt. KI-generiert, Microsoft Copilot

Bevor sich die Grossmächte der Bescheidenheit auf dem Rasen messen, geht es in den direkten Ländervergleich.

1. Die neutralste Nationalhymne: Vorteil Schweiz

SUI CAN 1:0
♫ ♫ ♫ Zu den Waffen, Bürger! Formt Eure Schlachtreihen, marschieren wir, marschieren wir! Bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt! ♫♫♫
Autor: Refrain der «Marseillaise»

Nein, weder Kanadier noch Schweizer würden so etwas jemals singen (wenn sie überhaupt singen). Mit dieser martialischen Hymne werden die französischen Fussballstars aufs Feld geschickt. Die Schweiz tritt wahlweise «im Morgenrot» oder «im Nebelflor» daher. Das elektrisiert Meteorologen – Kriege entzünden sich daran keine.

Kanada kontert mit «O Canada! Our home and native land!» – tönt auch freundlich. Ist aber (für manche) ein riesiger Skandal.

Gruppe von Menschen in roten Uniformen, die marschieren.
Legende: Am «native land», dem «angestammten Land», entzünden sich die Geister. Der Vorwurf von Indigenen und Aktivistinnen: Die kanadische Nationalhymne verharmlose die Kolonialgeschichte des Landes. Getty Images/Bloomberg/Kamara Morozuk

Rote Köpfe in Kanada, während sich bei uns höchstens «der Alpenfirn rötet»: Die Schweiz geht in Führung.

2. Der Celebrity-Faktor: Punkt für Kanada

SUI CAN 1:1

Kurt und Paola Felix, Tony Rominger und Francine Jordi, Eros Ramazzotti und Michelle Hunziker: Die «Schweizer Illustrierte» blickt auf goldene Jahre zurück.

Lächelnde Frau und Mann in dunklem Oberteil mit Ohrhörer.
Legende: Eine Italo-Schweizerin und ein Italiener? Haarspaltereien überlassen wir den anderen: Mit Michelle Hunziker und Eros Ramazzotti spielte die Schweiz in der Champions League der Promi-Paare. Lang ists her … Imago/teutopress

Im Social-Media-Zeitalter wird die Luft aber dünn. Klarer Vorteil: Kanada. Denn der ehemalige Premierminister Justin Trudeau datet eine der grössten Celebritys unserer Zeit: die Pop-Ikone Katy Perry. Zusammen kommen die beiden auf 200 Millionen Follower auf Instagram – vier Millionen davon entfallen auf Trudeau.

Ein Mann und eine Frau sitzen im Freien und essen.
Legende: Wie ganz normale Menschen: Justin Trudeau isst Instant-Nudeln am Coachella-Festival, Katy Perry hat einen Becher in der Hand. Instagram/Katy Perry

3. Die Schweiz ist (irgendwie) grösser als Kanada

SUI CAN 2:1

Auf den ersten Blick ist Kanada eine Schweiz auf Steroiden: Das zweitgrösste Land der Welt bietet Platz für 242 «Schweizen». Dazu leben 41.5 Millionen Menschen in Kanada. Bei uns sind es nur 9 Millionen …

Der nächste Punkt für Kanada? Von wegen! Wer richtig rechnet, merkt schnell: Der Punkt muss an die Schweiz gehen. Die harten Fakten: Hätte Kanada die gleiche Bevölkerungsdichte wie die Schweiz, würden dort über zwei Milliarden Menschen leben. Wäre die Schweiz Kanada, wäre sie also das grösste Land der Welt. Einfache Mathematik.

Strasse, die sich durch einen dichten Wald in den Bergen schlängelt.
Legende: Zeit für eine Volksinitiative gegen das «Zwei-Milliarden-Kanada»? Erstens hat es noch genug Platz. Und zweitens kennt Kanada keine Volksinitiativen. Imago/Pond5 Images

4. Hadern mit dem grossen Nachbarn: Ausgleich Kanada

SUI CAN 2:2

Tüchtig, fleissig, diszipliniert – und arrogant und vorlaut! Die Schweizer Klischees über «die Deutschen» halten sich hartnäckig. Wenn dann noch «Peitschen-Peer» Steinbrück mit der Kavallerie droht, lupfts uns endgültig den Hut.

Älterer Mann mit Brille in einem Anzug schaut aufmerksam.
Legende: 2009 eskalierte der Steuerstreit zwischen Berlin und Bern. Der damalige deutsche Finanzminister Peer Steinbrück erklärte noch 2025 im NZZ-Podcast «Machtspiel»: «Ich bereue nichts.» Keystone/DPA/Clemens Bilan

Doch die Schweizer Hassliebe zu den Deutschen ist bestenfalls Folklore (und wenn ihr irgendwann auch noch «gerne einen Gipfel hättet» statt ein «Croissant kriegt», ist endgültig alles im Butter …) Dagegen ist die Beziehung der Kanadier zu ihrem grossen Nachbarn geradezu toxisch. Der Grund: Donald Trump.

Zwei Männer im Anzug sprechen miteinander in einem dekorativen Raum.
Legende: Trump möchte Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen und bezeichnete Premierminister Carney auch schon als «Gouverneur». «Elbows up», sagen sich manche «Canucks» – und boykottieren US-Produkte. Keystone/AP/Evan Vucci

Gemäss einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center haben zwei Drittel der Kanadierinnen und Kanadier ein negatives Bild der USA – ein historischer Tiefstwert.

 5. «Wayne wer?» Die Schweiz hat den GOAT

SUI CAN 3:2

Auf die Frage, wer der «Greatest of All Time» ist, gibt es in Kanada nur eine Antwort: Wayne Gretzky. Die NHL-Legende pulverisierte in den 1980er- und 1990er-Jahren alle Rekorde, die sich Statistiker ausdenken konnten. Viele davon haben bis heute Bestand.

Mehrere Eishockeyspieler jubeln mit einem grossen Pokal in einer Arena.
Legende: «The Great One» gewann viermal die NHL-Trophäe, den Stanley Cup. Kleiner Wermutstropfen: Olympiasieger wurde Gretzky «nur» als Trainer des kanadischen Nationalteams. Keystone/AP/Larry Macdougal

Der Haken: Die Schweiz hat Roger Federer. Der mag zwar nicht (mehr) alle Tennisrekorde halten. Aber wenn selbst Wayne Gretzky den «Maestro» zu den grössten Sportlern aller Zeiten zählt (und nicht sich selbst), erübrigt sich jede Diskussion.

Mit seiner Bescheidenheit tütet Gretzky den Sieg für die Schweiz ein. Bleibt zu hoffen, dass sich die kanadischen Fussballer von ihrem Nationalhelden inspirieren lassen.

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SRF 2, 23.6.2026, 23:30 Uhr

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