Heute Abend stehen sich an der Fussball-WM zwei Länder gegenüber, die einander nur das Beste wünschen: die Schweiz und Kanada. Sie vereinen nicht nur majestätische Naturlandschaften und der Streit ums Frühfranzösisch: Sie sind auch höflich, bis es weh tut.
Bevor sich die Grossmächte der Bescheidenheit auf dem Rasen messen, geht es in den direkten Ländervergleich.
1. Die neutralste Nationalhymne: Vorteil Schweiz
♫ ♫ ♫ Zu den Waffen, Bürger! Formt Eure Schlachtreihen, marschieren wir, marschieren wir! Bis unreines Blut unserer Äcker Furchen tränkt! ♫♫♫
Nein, weder Kanadier noch Schweizer würden so etwas jemals singen (wenn sie überhaupt singen). Mit dieser martialischen Hymne werden die französischen Fussballstars aufs Feld geschickt. Die Schweiz tritt wahlweise «im Morgenrot» oder «im Nebelflor» daher. Das elektrisiert Meteorologen – Kriege entzünden sich daran keine.
Kanada kontert mit «O Canada! Our home and native land!» – tönt auch freundlich. Ist aber (für manche) ein riesiger Skandal.
Rote Köpfe in Kanada, während sich bei uns höchstens «der Alpenfirn rötet»: Die Schweiz geht in Führung.
2. Der Celebrity-Faktor: Punkt für Kanada
Kurt und Paola Felix, Tony Rominger und Francine Jordi, Eros Ramazzotti und Michelle Hunziker: Die «Schweizer Illustrierte» blickt auf goldene Jahre zurück.
Im Social-Media-Zeitalter wird die Luft aber dünn. Klarer Vorteil: Kanada. Denn der ehemalige Premierminister Justin Trudeau datet eine der grössten Celebritys unserer Zeit: die Pop-Ikone Katy Perry. Zusammen kommen die beiden auf 200 Millionen Follower auf Instagram – vier Millionen davon entfallen auf Trudeau.
3. Die Schweiz ist (irgendwie) grösser als Kanada
Auf den ersten Blick ist Kanada eine Schweiz auf Steroiden: Das zweitgrösste Land der Welt bietet Platz für 242 «Schweizen». Dazu leben 41.5 Millionen Menschen in Kanada. Bei uns sind es nur 9 Millionen …
Der nächste Punkt für Kanada? Von wegen! Wer richtig rechnet, merkt schnell: Der Punkt muss an die Schweiz gehen. Die harten Fakten: Hätte Kanada die gleiche Bevölkerungsdichte wie die Schweiz, würden dort über zwei Milliarden Menschen leben. Wäre die Schweiz Kanada, wäre sie also das grösste Land der Welt. Einfache Mathematik.
4. Hadern mit dem grossen Nachbarn: Ausgleich Kanada
Tüchtig, fleissig, diszipliniert – und arrogant und vorlaut! Die Schweizer Klischees über «die Deutschen» halten sich hartnäckig. Wenn dann noch «Peitschen-Peer» Steinbrück mit der Kavallerie droht, lupfts uns endgültig den Hut.
Doch die Schweizer Hassliebe zu den Deutschen ist bestenfalls Folklore (und wenn ihr irgendwann auch noch «gerne einen Gipfel hättet» statt ein «Croissant kriegt», ist endgültig alles im Butter …) Dagegen ist die Beziehung der Kanadier zu ihrem grossen Nachbarn geradezu toxisch. Der Grund: Donald Trump.
Gemäss einer aktuellen Umfrage des Pew Research Center haben zwei Drittel der Kanadierinnen und Kanadier ein negatives Bild der USA – ein historischer Tiefstwert.
5. «Wayne wer?» Die Schweiz hat den GOAT
Auf die Frage, wer der «Greatest of All Time» ist, gibt es in Kanada nur eine Antwort: Wayne Gretzky. Die NHL-Legende pulverisierte in den 1980er- und 1990er-Jahren alle Rekorde, die sich Statistiker ausdenken konnten. Viele davon haben bis heute Bestand.
Der Haken: Die Schweiz hat Roger Federer. Der mag zwar nicht (mehr) alle Tennisrekorde halten. Aber wenn selbst Wayne Gretzky den «Maestro» zu den grössten Sportlern aller Zeiten zählt (und nicht sich selbst), erübrigt sich jede Diskussion.
Mit seiner Bescheidenheit tütet Gretzky den Sieg für die Schweiz ein. Bleibt zu hoffen, dass sich die kanadischen Fussballer von ihrem Nationalhelden inspirieren lassen.