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13 Jahre lang an der Macht Wie Angela Merkel ihr Land geprägt hat – und ihre Partei

Flüchtlingskrise, Mindestlohn, Homo-Ehe: Während ihrer Kanzlerschaft trieb Angela Merkel die CDU beharrlich nach links.

Legende: Video Merkels 13 Jahre als Kanzlerin abspielen. Laufzeit 03:28 Minuten.
Aus 10vor10 vom 29.10.2018.

Tränen? Stockende Stimme? Emotionale Gesten? Nicht bei Angela Merkel. Ihre Rücktrittsankündigung ist so trocken wie altes Brot. Nüchternheit und Bedeutung des Auftritts stehen in krassem Widerspruch: An diesem Tag enden 18 Jahre CDU-Vorsitz, das Ende einer bisher 13 Jahre dauernden Kanzlerschaft bricht an. Und möglicherweise endet auch der zuletzt links-liberale Kurs der CDU.

Legende: Video Merkel: «Ich habe mir immer gewünscht, meine Ämter in Würde zu verlassen» abspielen. Laufzeit 00:31 Minuten.
Aus News-Clip vom 29.10.2018.

Als Angela Merkel im Jahr 2000 zur Vorsitzenden der Partei gewählt wurde, war die CDU noch eine ganz andere: Konservativ, rechts, männlich – und in der Opposition. Das sollte sich mit der 46-jährigen, protestantischen Pfarrerstochter aus der DDR ändern.

Zielstrebig weg von rechts

Spätestens mit der Wahl zur Bundeskanzlerin 2005 und dem Einzug ins Kanzleramt hatte Merkel die Partei im Griff. Freundlich im Auftreten, oft farblos in der Wortwahl trieb sie die CDU in den folgenden Jahren beharrlich weg von rechts – in Richtung Mitte, liberal und sozial. Durchaus mit Erfolg.

Bis zum Jahr 2015, dem Jahr der Flüchtlingskrise, Merkels Schicksalsjahr. Aus humanitären Gründen lässt die Kanzlerin gegen eine Million Flüchtlinge ins Land.

Legende: Video Merkel (2015): «Wir haben so vieles geschafft. Wir schaffen das» abspielen. Laufzeit 00:09 Minuten.
Aus News-Clip vom 29.10.2018.

Die «Willkommenskultur» lässt Merkels Umfragewerte drastisch sinken. In der CDU beginnt es zu rumoren. Auch von der Schwesterpartei CSU kommt harsche Kritik. Merkels Flüchtlingspolitik ist der augenfälligste Ausdruck ihrer sozial-liberalen Haltung, aber längst nicht der einzige.

Abschaffung der Wehrpflicht und Atomausstieg

Unter Angela Merkel hat Deutschland 2011 gegen Proteste von rechts die obligatorische Wehrpflicht abgeschafft.

Ebenfalls 2011 – unter dem Eindruck der Nuklearkatastrophe von Fukushima – beschloss Deutschland als erste grosse Industrienation den Ausstieg aus der Atomenergie.

Der Druck von rechts ist gross

2014 boxte Merkel gegen den Widerstand der deutschen Wirtschaft den Mindestlohn durch. Und 2017 wurde auf ihren Anstoss hin die Homo-Ehe eingeführt – zum Entsetzen christlich-konservativer Kreise. Dass Merkel in der Abstimmung im Bundestag dagegen stimmte, war ein kurioser Nebenaspekt.

Dass der oder die neue CDU-Vorsitzende Merkels Politik weiterführt, ist wenig wahrscheinlich. Zu gross ist der Druck von rechts, zu sehr nagen die Erfolge der rechts-nationalen AfD an der einst mächtigen CDU.

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62 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Spreter (aspre)
    Nicht "Wir schaffen das!" hat sich bewahrheitet, sondern : die Flüchtlinge haben sie geschafft. Seit ihrer Flüchtlingspolitik ab 2015 sind ihre Zustimmungswerte kontinuierlich gesunken und die Zahl ihrer Kritiker kontinuierlich gestiegen.
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Merkel war, ist, eine Politikerin durch und durch. Eine gute Rethorikerin, man könnte ihr stundenlang zuhören.Irgendwann begann sich das Ganze zu wiederholen und viele sind Merkelmüde geworden. Machtgetrieben, keine politische Bühne war gross genug. Auf dem Weg nach oben hat sie jeden Gegner rücksichtslos an die Wand gespielt. Das verschaffte ihr Respekt. Leider blieb die Distanz zum Volk immer vorhanden. Eine EU-Politikerin, die die Probleme der eigenen Wählern nicht wahrgenommen hat. Fazit.
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  • Kommentar von Daniele Röthenmund (Daniele Röthenmund)
    Es wahr die Politik die viele sich innerlich wünschten @Ochsner, deshalb wahr sie so beliebt und wurde immer wiedergewählt. Die CDU hätte nie diese Wahlerfolg eingefahren ohne Merkel. Gerade das sie erst mal überlegte, zuhörte und dann erst Entschied fanden, auch ich , viele als was angenehmes. Sie wahr nicht Medien geil wie die meisten Politiker. Sie wahr auch Unbestechlich, ein Prädikat das ihr sogar die Gegner zugestanden. Ich werde ihre Politik nicht vermissen doch ihren Politischen Style.
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