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Konsequenz aus Wahlen Pragmatisch bis zum Ende

Pragmatisch war Angela Merkel schon immer. Mit ihrem Pragmatismus hat sie in den letzten 18 Jahren so manche CDU-Prinzipien über den Haufen geworfen. So erstaunt es nicht, dass ihr Abgang auch auf Pragmatismus beruht.

Parteivorsitz und Kanzlerschaft gehören in eine Hand, das war stets Merkels Credo. Bis sie gestern Abend gespürt hat, dass der Druck in der CDU zu gross wird auf sie – nach den dramatischen Wählerverlusten in Hessen, dem Wählerschwund in Bayern und bei der Bundestagswahl vor einem Jahr. Deshalb bricht sie heute auch mit diesem Prinzip.

Weise Anpassung oder Machterhalt? Beides.

Pragmatismus kann man negativ als Opportunismus bewerten. Positiv hingegen als weise Anpassung. Wer Merkel böse will, kann ihr Machterhalt vorwerfen. Wer ihr gut gesinnt ist, hebt die Chancen hervor, welcher der vorzeitige Abgang bietet. Ihr selbst, dass sie nun ihr Ende selbst bestimmen kann, ohne dabei würdelos aus dem Amt getrieben zu werden. Der CDU, dass sie nun die Zeit nach der Ära Merkel geordnet und geplant regeln kann.

Letztlich steckt wie immer bei Merkel von beidem drin. Es ging ihr um Machterhalt genauso wie darum, ihr Ende doch noch selbst zu regeln. In ihren Worten heisst das «der CDU neuen Erfolg ermöglichen unter Wahrung der staatspolitischen Verantwortung».

Chance für Neuausrichtung der CDU

Diesen neuen Erfolg in der Partei sollen nun andere bringen. Auf dem Parteitag in Hamburg im Dezember wird sich die CDU personell und inhaltlich neu ausrichten.

Entweder wird sie mit Jens Spahn strammer konservativ werden wie unter Kohl. Oder mit Annegret Kramp- Karrenbauer den sozialliberalen Merkel-Kurs mit ein paar Anpassungen weiterführen.

Merkel bleibt handlungsfähig

Merkel hat heute gezeigt, dass sie auch unter Druck noch handlungsfähig ist. Das nimmt Druck weg von ihr und es nimmt Druck raus aus der Partei. Das ist seit langem wieder mal ein gutes Signal aus Berlin – in denkbar unruhigen Zeiten.

Mit Merkels Plan hat nun auch die CDU wieder einen Plan. Das, was der anderen Regierungspartei in der Krise, der SPD, auch heute wieder fehlt.

Adrian Arnold

Adrian Arnold

Deutschland-Korrespondent, SRF

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Adrian Arnold ist Deutschland-Korrespondent von SRF in Berlin. Bis 2014 war er Korrespondent im Bundeshaus, zuvor SRF-Korrespondent in Paris.

Legende: Video Angela Merkel gibt Parteivorsitz ab abspielen. Laufzeit 01:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 29.10.2018.

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49 Kommentare

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  • Kommentar von Ulrich Zimmermann (Crocc)
    Trotz aller Verdienste von Frau Merkel, hat sie 2 Probleme vernachlässigt: Wenn man viel Geld für Flüchtlinge aufwendet, muss man die eigenen armen Leute (Hartz-4, Grundlohn) ebenfalls mitunterstützen, sonst entsteht Verdruss und Ablehnung. Als starke Persönlichkeit hat sie die deutsche und europäische Politik weitgehend selbst gesteuert; Politiker in ihrem Team konnten sich nicht profilieren, was zu Ablehnung und Abspaltung führte. Ihre Nachfolge wird einige Turbulenzen zu durchlaufen haben.
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  • Kommentar von J. Schwyzer (jschwyzer)
    Es ist unglaublich wie heute in den Medien alles verdreht und verkehrt dargestellt wird. Schwarz ist weiss und weiss ist schwarz. Donald Trump steht auch nach seiner Wahl zum US-Präsidenten noch zu jedem Wort, das er im Wahlkampf versprochen hat. Er ist prinzipientreu. In den Medien wird er Populist und Rassist genannt. Frau Merkel wirft sämtliche Überzeugungen über Bord, hat ihre Ideale schon tausendfach verraten. Das nennt sich dann (gemäss SRF) Pragmatismus. Es ist der absolute Irrsinn.
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    1. Antwort von martin blättler (bruggegumper)
      Wir haben auch so eine Pragmatikerin im Bundesrat.Diese merkte aber, dass ihre Zeit abgelaufen ist,halleluja.
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  • Kommentar von Cornelia Marthaler (Cornelia Marthaler)
    Ich fürchte, der Rückblick wird zeigen, dass Merkel das Verschwinden der europäischen Kulturen angestossen hat zugunsten einer neuen, vermeintlich multikulturellen in Wahrheit aber völlig zersplitterten Gesellschaft, entwurzelt, ohne historisches Bewusstsein, ohne gemeinsame Sprache oder irgend einen gemeinsamen Nenner. Diese ist aber notwendige Voraussetzung für Demokratie und somit wird sich dereinst auch zeigen, dass sie deren Ende eingeläutet hat. Ausser das Ruder wird jetzt herum gerissen.
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    1. Antwort von Beatrice Fiechter (thea)
      frei nach @ C.Marthaler. Zu bemerken wäre: Frau Merkel ist nur deutsche Bundeskanzlerin u. hat nie versucht andere Kulturen zu ändern! Aber was die Länder vertraglich in der EU zusammen ausgearbeitet und zusammen eingegangen sind, auf dem hat sie beharrt! Wenn man zusammen ein solches Projekt EU startet, kann man nicht ständig den Kurs wechseln oder ständig ausscheren! Das schwächt den Zusammenhalt-was ja eigentlich das Ziel ist!
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