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USA schliessen Abzug aus Afghanistan ab
Aus Newsflash vom 31.08.2021.
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20 Jahre USA in Afghanistan Von der Invasion zum schnellen Abzug – Chronik eines Scheiterns

Der Abgang war chaotisch und durch Gewalt geprägt. Überblick über 20 Jahre US-Einsatz in Afghanistan.

11. September 2001: Ausgelöst wird die US-Invasion in Afghanistan durch die Anschläge auf das World Trade Center in New York und das Pentagon in Washington. Diese werden von der militanten Al-Qaida-Gruppe unter Osama bin Laden geplant und verübt. Bin Laden hält sich zu diesem Zeitpunkt in Afghanistan auf, unter dem Schutz der Taliban-Regierung.

7. Oktober 2001: US-Streitkräfte beginnen Luftangriffe mit gezielten Bombardierungen auf Taliban- und Al-Qaida-Kämpfer. Eine kleine Anzahl von US-Spezialeinheiten und CIA-Agenten schleicht sich in Afghanistan ein. Die Taliban werden gestürzt, ohne dass US-Bodentruppen zum Einsatz kommen.

Legende: 2001: Kämpfer der von den USA unterstützten Nordallianz ziehen zur Freude der Bewohner in Kabul ein (13. November 2001). Reuters

Dezember 2001: Die US-geführte Koalition bombardiert den Höhlenkomplex Tora Bora im Osten Afghanistans, in dem sich Bin Laden angeblich versteckt hält. Es gelingt ihm jedoch, über die Grenze nach Pakistan zu fliehen.

2. Mai 2003: Die US-Regierung erklärt das Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan. Unter Präsident George W. Bush konzentrieren sich die USA nun auf die Invasion des Irak.

2006 bis 2008: Da das US-Militär nun hauptsächlich im Irak engagiert ist, bleibt lediglich ein kleines Kontingent in Afghanistan stationiert. Die Taliban sind dabei, weite Teile des Landes zurückzuerobern. Als Reaktion darauf bringt eine erweiterte Nato-Mission Tausende von Soldaten ins Land.

17. Februar 2009: Der neue US-Präsident Barack Obama beschliesst in seiner ersten grossen militärischen Entscheidung als Oberbefehlshaber, 17'000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan einzufliegen. Rund 38'000 US-Kräfte und 32'000 Soldaten von etwa 40 Nato-Verbündeten sind bereits vor Ort.

Legende: US-Soldaten im Stützpunkt Bagram im Jahr 2009 (3. Juni 2009). Reuters

1. Mai 2011: Bei einer von Obama angeordneten Militäraktion von Elite-Spezialeinheiten der Navy Seals wird Bin Laden in Pakistan getötet.

27. Mai 2014: Die US-Regierung zieht den Grossteil der Truppen zurück. Der Schwerpunkt verlagert sich auf die Ausbildung und Unterstützung des afghanischen Militärs.

28. Dezember 2014: Der US-Kampfauftrag wird nach dem Abzug der meisten Einsatzkräfte offiziell beendet.

21. August 2017: Der neue US-Präsident Donald Trump kündigt seine Afghanistan-Strategie an: Diese sieht nun einen kleinen, unbefristeten Einsatz von US-Truppen zur Unterstützung der afghanischen Regierung vor, um die Taliban zu Friedensverhandlungen mit Kabul zu zwingen.

29. Februar 2020: Die Trump-Regierung unterzeichnet ein Abkommen mit den Taliban. Washington verspricht den Abzug aller US-Truppen. Die Taliban verpflichten sich im Gegenzug, keine Angriffe auf die US-Streitkräfte mehr zu verüben und Verhandlungen mit der afghanischen Regierung zu führen.

14. April 2021: Präsident Joe Biden kündigt den bedingungslosen Abzug der US-Truppen bis zum 11. September an und setzt damit die von seinem Vorgänger Trump mit den Taliban getroffene Vereinbarung um.

Die Toten des Afghanistan-Krieges

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Legende: Reuters

In Afghanistan getötete US-Soldaten: 2461

US-Auftragnehmer (bis April): 3846

Afghanische Soldaten und Polizisten (bis April): 66'000

Verbündete Militärangehörige, inkl. NATO-Mitgliedstaaten (bis April) : 1144

Afghanische Zivilisten (bis April): 47'245

Taliban und andere Oppositionskämpfer (bis April): 51'191

Mitarbeiter von Hilfsorganisationen (bis April): 444

Journalisten (bis April): 72

Quelle: Agentur AP

2. Juli 2021: Die US-Truppen ziehen sich abrupt von ihrem Hauptstützpunkt auf dem Flugplatz Bagram zurück.

15. August 2021: Nach einem Vormarsch, bei dem die Taliban in wenigen Wochen eine Stadt nach der anderen erobern, wird die Hauptstadt Kabul kampflos aufgegeben. Die USA und ihre westlichen Verbündeten starten eine Luftbrücke vom Flughafen Kabul aus.

26. August 2021: ISIS-K, ein lokaler Ableger des sogenannten Islamischen Staates, verübt einen Selbstmordattentat auf die überfüllten Tore des Flughafens von Kabul. Dutzende von Zivilisten und 13 US-Soldaten kommen ums Leben.

30. August 2021: Der letzte Flieger mit US-Soldaten verlässt Kabul.

Legende: Der letzte US-Soldat verlässt Afghanistan am 30. August 2021. Reuters

SRF 4 News,30.08.2021, 24:00 Uhr;

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Flavio Bezzola  (FlaBez)
    Afghanen kann man wohl mieten aber nicht Kaufen!
  • Kommentar von Daniel Häberlin  (Svensk)
    Eigentlich müsste diese Chronik 1979 mit dem sowjetischen Überfall auf Afghanistan beginnen. Hätten die USA in den 80er-Jahren nicht so viele Waffen nach Afghanistan geliefert, wäre der sowjetisch-afghanische Krieg wohl viel schneller vorbei gewesen. Nach 10 Jahren Krieg war das Land dermassen destabilisiert, dass es schon fast zu einem Bürgerkrieg kommen musste, den letzten Endes die Taliban gewannen. Traurig, wenn man bedenkt, wie viel Elend man vor 40 Jahren hätte verhindern können.
  • Kommentar von Drago Stanic  (Azra)
    Überall wo US Soldaten und ihre Lakaien gekommen sind ist Chaos geblieben. Irak, Libyen Afghanistan und zum Glück haben sich Russen in Syrien eingemischt, sonst wäre auch dort jetzt ein Kalifat entstanden.
    1. Antwort von Ben Schult  (BenSchu)
      Die Liste liesse sich noch beliebig erweitern, wenn man zurück in die Vergangenheit schaut. Wobei auch die Russen keine Engel sind...
    2. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Drago Stanic: Und wie ist es denn in Korea, Bosnien, Kosovo herausgekommen? Südkorea ist einer der erfolgreichsten Staaten Asiens und produziert heute die besten Smartphones und Autos der Welt, während Nordkorea hungert. Bosnien und Kosovo konnten sich dank des amerikanischen Einsatzes vom Krieg wieder aufrappeln und machen, wenn auch langsame, Fortschritte. Irak wurde immerhin von einem brutalen Diktator befreit. In Libyen sind keine Amerikaner gekommen. Es ist nicht alles schwarz und weiss.
    3. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Ben Schult: Hätten also die Amerikaner auch im ersten und zweiten Weltkrieg nicht in Europa intervenieren sollen, sondern Europa dem Schicksal überlassen sollen? Die Russen hätten ohne die Amerikaner ja nichts hingekriegt.
    4. Antwort von Erich Deiss  (Erich Deiss)
      @Leu: Die Hauptlast des Kampfes gegen die Nazis trugen mit Abstand die Russen (Russland 24'000'000 Tote, USA 418'500 Tote).
    5. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Erich Deiss: Und totzdem hätten sie ohne die Amerikaner Deutschland nicht besiegen können.
    6. Antwort von Pascal Jakob  (fizjak)
      Was du nicht vergessen darfst, was wir sind und wie wir leben ist nur dank der ameriakner und ihrer politik möglich. Auch wenn es uns nicht passt ist es doch fakt, das unser wohlstand hier in europa direkt an die usa gekoppelt ist. Also sei lieber froh das sie sich die finger für uns schmutzig machen. Denn ohne ihre geopolitischen militär einsätze wäre unser "livestyle" bedroht
    7. Antwort von Hanspeter Schwarb  (Ganymed)
      Herr Leu das stimmt nicht ganz. Die deutsche Wehrmacht war mit dem besten Material und der Elite im Osten gegen die Rote Armee im Einsatz. Gegen die USA war lediglich die zweite Garde im Einsatz. Die Leistungen der Westalliierten waren verdankenswert aber die Hauptlast trugen die Sowjets
    8. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Herr Leu, ihre Bewunderung für die USA in allen Ehren, aber Tatsache ist nun einmal, dass die Sowjetunion es ohne fremde Hilfe geschafft hat, Moskau, St. Petersburg und Wolgograd (die Hauptangriffsziele der Deutschen!) zu verteidigen und die Wehrmacht aus dem russischen Kernland bis in die Ukraine und nach Weissrussland zurückzudrängen (von wegen "nichts hingekriegt"). Und Ende Juli 1944 stand die Rote Armee bereits tief in Polen, während die Alliierten noch nicht einmal Paris erreicht hatten.
    9. Antwort von Daniel Häberlin  (Svensk)
      Zu den amerikanischen Militäreinsätzen nach 1945: Dabei ging es den USA meistens nicht um humanitäre Werte, sondern vielmehr um den Sturz einer ihnen feindlich gesinnten Regierung. Man muss Hussein und Gaddafi nicht nachtrauern, aber bevor sie gestürzt wurden, waren ihre Länder halbwegs stabil. Nach den US-Interventionen im Irak und in Libyen hingegen herrschte dort das pure Chaos, ebenso in Syrien. Fazit: Solche Militäreinsatze bringen der lokalen Bevölkerung mehr Schaden als Nutzen.