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Legende: Video Mohammed Mursi ist tot abspielen. Laufzeit 03:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.06.2019.
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Ägypten in Aufruhr Schwere Vorwürfe nach Mursis Tod

Die Muslimbrüder sprechen von Mord. Doch auch Menschenrechtsorganisationen üben harsche Kritik an den Haftbedingungen.

Angespannte Lage: Der Islamist Mursi war seit seiner Absetzung durch das Militär inhaftiert. Gestern starb er in einem Gerichtssaal, laut dem ägyptischen Staatsfernsehen an Herzversagen. Aus Angst vor Protesten erhöhte das Innenministerium die Alarmbereitschaft der Sicherheitskräfte. Eine durchaus berechtigte Massnahme, meint Islamwissenschaftler Reinhard Schulze. «Die Muslimbrüder lieben Verschwörungstheorien und es wird ihnen zunächst darum gehen, Mursi so als Opfer darzustellen, dass der Staat als Täter angesehen wird.»

Anti-Mubarak.Demo in Kairo.
Legende: 2011 brachten Massendemonstrationen das Regime von Hosni Mubarak zu Fall. Dass die Muslimbrüder die Massen nun gegen Staatschef Abdel Fattah al-Sisi mobilisieren können, scheint fraglich. Reuters

Die Mordthese: Mursis Tod ist für die Muslimbrüder ein «ausgewachsener Mord». Sie riefen die Menschen dazu auf, in Massen zu Mursis Beisetzung zu kommen. Amnesty International fordert eine unabhängige Untersuchung. Human Rights Watch schreibt, Mursi habe keine angemessene medizinische Versorgung erhalten. So seien ihm unter anderem über Jahre Besuche seiner Familie und seiner Ärzte untersagt worden. Auch eine Delegation von britischen Parlamentariern bezeichnete die Haftbedingungen nach einem Besuch im Gefängnis als Folter.

Mursi 2015 bei einer Gerichtsverhandlung in Kairo
Legende: Die Vorwürfe wiegen schwer: Isolationshaft, schlechte Ernährung und fehlende Medikamente hätten zum Tod des Ex-Präsidenten geführt. Reuters

Zermürbung hinter Gittern: Die Journalistin Astrid Frefel überrascht Mursis Tod nicht. «Er hat eine lange Geschichte von gesundheitlichen Problemen und ist bereits bei früheren Gerichtsverhandlungen in Ohnmacht gefallen.» Schon länger stehe der Vorwurf im Raum, dass sich die Justiz durch prekäre Haftbedingungen und endlose Verhandlungen der Führung der Muslimbrüder entledigen wolle. «Die Angeklagten werden älter und kränker. Der staatliche Informationsdienst tut die Vorwürfe aber als politisch motivierte Lügen ab.»

Pro-Mursi-Demo 2013.
Legende: Mursi wurde im Beisein seiner Familie in der Hauptstadt Kairo bestattet, wie sein Anwalt sagte. Im Bild: 2013 demonstrieren seine Unterstützer für den soeben gestürzten Islamisten. Reuters

Geschwächte Islamisten: Mursis Tod könnte zwar Anlass für einen Aufschrei gegen das Justizsystem geben, sagt die Journalistin: «Aber die Zustände sind bekannt und die Menschen scheinen sie zu dulden.» Denn Staatschef al-Sisi habe es geschafft, die Muslimbrüder zu diskreditieren: «Zudem stehen die arabischen und westlichen Länder mit wenigen Ausnahmen hinter dem Regime und seinem Versprechen, im Land und der Region für Stabilität zu sorgen.» Von radikalen Splittergruppen der Islamisten gehe aber eine erhöhte Anschlagsgefahr aus.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Kein guter Ort, den Tod eines solchen Mannes zugeben zu müssen . Das zeigt die Schwächen jeder Diktatur in tragischer Weise auf .
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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Sehr interessante Aussage am Schluss des Berichts: ".... im Land und in der Region für Stabilität zu sorgen". In der ehemaligen UDSSR herrschte, und in China, in Nordkorea und Saudi-Arabien herrscht auch Stabilität. Bin nicht sicher, ob dies der richtige Weg ist??
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  • Kommentar von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
    Wie viele seiner Gegner hat Mursi getötet/töten lassen/unter unmenschlichen Bedingungen in Haft gehalten? Wissen wir es? Nein. Kennen wir die Umstände seiner Haft? Seines Todes? Nein. Niemand war Augenzeuge. Alles, was jetzt als Gewissheit verkauft werden sollte, beruht auf „Hörensagen“, alles bewegt sich im Rahmen von geschätzten Wahrscheinlichkeiten und parteiischen Unterstellungen. Wenn wir ehrlich sind: Wir wissen gar nichts, ausser, dass Mursi tot ist.
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    1. Antwort von Urs Stotz  (Urs Stotz)
      Herr Baumann, mit Ihrer Frage "Wie viele seiner Gegner hat Mursi getötet/töten lassen..?", implizieren Sie, Mursi hat zumindest töten lassen oder sogar getötet. Diese Frage kann man bei jedem Menschen stellen, und rückt ihn damit in die Nähe ein Mörder zu sein oder Morde zu veranlassen. Ist mir bei Mursi nichts näher bekannt.
      Wo Sie recht haben, wir wissen fast nichts. Mursi ist tot. Er, demokratisch durch das Volk gewählt, wurde durch das Millitär weggeputscht.
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    2. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Stotz Seit 30 Jahren bin ich mit einem Nordafrikaner befreundet. Er hat mir viele „Geschichten“ erzählt, nach welchen Regeln im politischen Leben dort gespielt wird. Eine Grundregel: Wer es an die Spitze schafft (ob gewählt oder geputscht), hat mit 99,9%iger Sicherheit Gegner „ausgeschaltet“. Ob verschwinden lassen, ermordet, ins Gefängnis gesteckt, ob von eigener Hand oder im Auftrag durch andere ausgeführt - nur der „starke Mann“ kann politisch überleben.Auch Mursi wird keine Ausnahme sein.
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