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Legende: Video Mohammed Mursi ist tot abspielen. Laufzeit 03:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.06.2019.
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Tod im Gericht «Muslimbrüder werden den Staat als Täter darstellen»

Der frühere ägyptische Präsident Mohammed Mursi ist tot. Der ehemalige Staatschef ist während eines Prozesses gegen ihn ohnmächtig geworden und später im Spital gestorben. Islamwissenschaftler Reinhard Schulze erklärt, welche Konsequenzen nun möglich sind.

Prof. Dr. Reinhard Schulze

Prof. Dr. Reinhard Schulze

Islamwissenschafter

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Der Islamwissenschafter Reinhard Schulze ist an der Universität Bern tätig. Seit 2018 ist er Direktor am «Forum Islam und Naher Osten» der Universität.

SRF News: Mohammed Mursi ist unter ungewöhnlichen Umständen gestorben. Könnte das zu Unruhen führen in Ägypten?

Reinhard Schulze: Es wird sicherlich erst mal zu Verschwörungstheorien führen. Auch die Muslimbrüder lieben Verschwörungstheorien – und es wird bei ihnen zunächst sicherlich darum gehen, Mursi so als Opfer darzustellen, dass der Staat als Täter angesehen wird.

Und je nachdem wie die Informationen und auch die Verschwörungstheorien verbreitet werden, etwa durch den Sender Al-Jazeera in Katar, desto eher besteht die Möglichkeit, dass dann auch eine Mobilisation auf der Strasse stattfinden wird.

Wie gross ist dieses Mobilisierungspotential? Die Muslimbruderschaft ist ja verboten in Ägypten. Sie arbeitet im Untergrund.

Da sind sich die Analysten nicht einig. Die einen behaupten, dass immer noch hierarchische Strukturen bestehen, die geeignet sind, grössere Massen auf der Strasse zu mobilisieren. Andere meinen – weil inzwischen schon Zehntausende verhaftet und ins Gefängnis gesteckt worden sind –, dass es überhaupt keine entsprechenden Strukturen mehr gibt, so dass eigentlich keine Gefahr mehr bestünde, dass es zu einer grossen Mobilisation kommt.

Könnte der Tod von Mursi über Ägypten hinaus Auswirkungen haben?

Es könnte durchaus sein, dass gerade Exilpolitiker der Muslimbrüder versuchen werden, in der Öffentlichkeit, etwa in den westlichen Ländern, aber auch in der arabischen Welt, Stimmung zu machen gegen Ägypten, um dort dann auch zu einer Mobilisation auf der Strasse beizutragen.

Das Gespräch führte Franz Fischlin.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Adrian Flükiger  (Ädu)
    Ist nahe liegend, dass sich der Staat in diesem Fall nicht eben vorbildlich verhalten hat. Also, wer Wind sät erntet eben Sturm.
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  • Kommentar von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
    Der Ägyptische Staat hat doch tausende von Muslimbrüdern aus politischen Gründen umgebracht, mit Massakern und Todesstrafen, vor wenigen Jahren. Gerade hat der Westen den 800 Toten rund um Tiananmen vor 30 Jahren gedacht, als ginge es dem Westen um die Menschenleben. Warum sind die Menschenleben in Ägypten nicht wert betrauert zu werden? Da gab es doch auch nie eine Aufarbeitung.
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    1. Antwort von Markus Baumann  (pierrotlunaire)
      @Buchmann „Der Westen“ hat nicht der Toten von Tiananmen gedacht. In der Presse wurde daran erinnert. Das ist ein Unterschied. „Wir“ haben nicht die Pflicht, inneraegyptische Politikverfehlungen „zu betrauern“ oder „aufzuarbeiten“. Das ist, wenn schon, dem aegyptischen Volk zu überlassen. Diese Dauermoraleinmischung zu jedem Ereignis in fernen Ländern halte ich für reinen Moralkolonialismus der überheblichen Art. Seine wir ehrlich: Wir wissen nichts und hätten bei uns genug zu tun.
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  • Kommentar von Matthias Stäubli  (M. Stäubli)
    Was hat das mit Verschwörungstheorie zu tun? In einem normaln Rechtsstaat würde die Todesursache durch unabhängige Ermittler untersucht. Aber in einer Militärdiktatur wie Ägypten ist ein rechtsstaatliches Verfahren von vornherein nicht zu erwarten oder ohnehin eine Farce. Also wird es bei Spekulationen und Hypothesen bleiben. Das hat mit Verschwörungstheorien nichts zu tun. Natürlich steht Sisis Regime im Verdacht, für diesen Tod verantwortlich zu sein.
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    1. Antwort von u. Felber  (Keule)
      Tja, entweder Militärdiktatur oder ein weiterer Gottesstaat. Cholera oder Pest...
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