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Afghanistan und Pakistan Hunderte Tote bei Angriff auf Klinik? Taliban schwören Vergeltung

Die radikalislamischen Taliban erheben schwere Vorwürfe gegen Pakistan. Der Konflikt droht weiter zu eskalieren.

Angespannt sind die Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan schon lange. Zuletzt gab es immer wieder Gefechte. Ende Februar drehte die pakistanische Regierung auch rhetorisch an der Eskalationsschraube: Man sei mit der Geduld am Ende, sagte Verteidigungsminister Kavala Mohamed Aziz. Es herrsche «offener Krieg».

Bagger in Trümmern mit Menschen und zerstörter Mauer.
Legende: Am 27. Februar hatte Pakistans Luftwaffe nach einer Offensive der afghanischen Taliban militärische Einrichtungen im Nachbarland angegriffen – es gab Dutzende Tote. Getty Images/Anadolu/Stringer

Nun hat das pakistanische Militär erneut Ziele in Afghanistan aus der Luft angegriffen – diesmal in der Hauptstadt Kabul. Die Talibanregierung wirft Pakistan vor, eine Entzugsklinik für Drogenabhängige bombardiert zu haben. Mehr als 400 Menschen seien dabei getötet, etwa 250 verletzt worden, schrieb ein Talibansprecher auf X:

Pakistan weist die Vorwürfe zurück. Das pakistanische Informationsministerium erklärte, es habe Angriffe auf militärische Einrichtungen, Infrastruktur zur Unterstützung von Terroristen sowie Ausrüstungs- und Munitionslager in Kabul sowie in der Provinz Nangarhar im Osten des Landes gegeben. Die Angriffe würden «präzise» durchgeführt, um Kollateralschäden zu vermeiden, hiess es.

Sollte sich bestätigen, dass Pakistan gezielt ein Spital bombardiert hat, wäre das der nächste Tabubruch in diesem Konflikt.
Autor: Maren Peters SRF-Korrespondentin in Südasien

Unmittelbar nach dem Angriff besichtigte ein Team der britischen BBC die Rehaklinik und zählte gut dreissig Leichen. Noch immer loderten Brände an dem zerstörten Gebäude.

Zwei Schuhe auf Trümmer in zerstörtem Gebiet.
Legende: Bilder zeigen die massiven Zerstörungen am Einschlagsort in Kabul. Gemäss den Taliban soll es Hunderte Opfer gegeben haben. Keystone/AP/SIDDIQULLAH ALIZAI

«Sollte sich bestätigen, dass Pakistan gezielt ein Spital bombardiert hat, wäre das der nächste Tabubruch in diesem Konflikt», schätzt Maren Peters, SRF-Korrespondentin für Südasien. Schon seit Monaten liefern sich Pakistan und Afghanistan Gefechte. Besonders in der Grenzregion kommt es regelmässig zu Schusswechseln, Bombenanschlägen und Luftangriffen.

«Gerade die Bevölkerung entlang der 2600 Kilometer langen Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan leidet unter den gegenseitigen Angriffen», berichtet Peters. Laut UNO-Angaben sind bereits 140'000 Menschen geflohen.

Bis vergangenen Freitag seien in dem Konflikt seit Ende Februar in Afghanistan mindestens 75 Zivilisten getötet und 193 verletzt worden, teilte die UNO-Hilfsmission in Afghanistan (Unama) mit.

Humanitäre Krise in Afghanistan

«Der Konflikt verschlimmert die humanitäre Krise in Afghanistan weiter, die ohnehin schon sehr gross ist», sagt Peters. «Viele Menschen hungern, die Wirtschaft leidet – und jetzt gibt es erneut Angriffe auf Kabul.»

Männer betrachten zerstörte Fahrzeuge auf einer Strasse.
Legende: Pakistan macht den Talibanableger (Tehrik-i-Taliban) für Terroranschläge im eigenen Land verantwortlich. Bild: Hier gab es einen Selbstmordanschlag im Nordwesten Pakistans, der 13 Opfer forderte (Frühling 2025). Getty Images/Hussain Ali

Die Kräfteverhältnisse sind sehr ungleich: Pakistan ist atomar bewaffnet und gilt als militärische Macht in der Region. Die afghanischen Streitkräfte sind zwar deutlich unterlegen. Gegen Terroranschläge und Guerillataktiken der pakistanischen Taliban lässt sich die militärische Überlegenheit aber nur bedingt ausspielen.

Die Tehrik-i-Taliban zieht sich nach Darstellung von Islamabad auf afghanischen Boden zurück, um ihre Anschläge vorzubereiten – unterstützt von den afghanischen Taliban. Die Islamisten, die in Kabul regieren, weisen die Vorwürfe zurück. Laut Korrespondentin Maren Peters sind die Talibangruppierungen zwar organisatorisch getrennt. «Ideologisch stehen sie sich natürlich nahe.»

Taliban kündigen Vergeltung an

Zuletzt hatte China versucht, in dem Konflikt zu vermitteln. Auch die Taliban hatten auf einen Dialog gedrängt. Mit den neuerlichen Luftangriffen auf Kabul könnte sich das ändern. 

Der Sprecher der Talibanregierung, Sabiullah Mudschahid, sagte dem Sender Tolonews, nun sei nicht die Zeit für Diplomatie. Afghanistan werde zurückschlagen.

SRF 4 News, 17.03.2026, 6:38 Uhr ; 

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