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Deutschland arbeitet Kolonialverbrechen in Namibia auf
Aus Rendez-vous vom 28.05.2021.
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Anerkennung des Völkermords Deutsches Abkommen mit Namibia: gut gemeint, falsch angepackt

Vertreter der Herero und der Nama, derjenigen Volksgruppen, die die Grausamkeiten der deutschen Kolonialarmee ertragen mussten, sind mit der Übereinkunft mit Deutschland unzufrieden.

Das Abkommen, das die Regierungen Deutschlands und Namibias zusammen ausgehandelt haben, steht unter keinem guten Stern. Schon während der Verhandlungen in den letzten fünf Jahren hatten verschiedene Vertreter der Herero und der Nama immer wieder kritisiert, dass sie nicht direkt beteiligt gewesen seien, sich ausgeschlossen und durch die Verhandlungsführer nicht angemessen vertreten fühlten.

Unzufriedene Häuptlinge

Entsprechend harsch ist nun ihre Reaktion, entsprechend dezidiert ihre Ablehnung. Von einer Beleidigung ihrer Vorfahren und ihrer Intelligenz sprach zum Beispiel Vekuii Rukoro gegenüber der Zeitung «The Namibian». Rukoro gehört zu den hochrangigen traditionellen Herero-Führern, den sogenannten «Paramount-Chiefs».

Und Johannes Isaack, Vorsitzender des Nama-Häuptlingsverbands NTLA, erklärte, man werde weiterkämpfen. Die beiden sind nicht die Einzigen. Die Namibische Zeitung «New Era» berichtet, dass mittlerweile auch traditionelle Führer, welche die Verhandlungen bislang unterstützt hätten, sich davon distanzierten. Das sind schlechte Voraussetzungen für echte und nachhaltige Versöhnung.

Das Grab von Samuel Maherero, die die Herero im Kampf gegen die deutsche Kolonialarmee anführte.
Legende: Das Grab von Samuel Maherero, die die Herero im Kampf gegen die deutsche Kolonialarmee anführte. Reuters

Es geht unter anderem um die 1.1 Milliarden Euro, die Deutschland Namibia im Abkommen zusichert. 1.1 Milliarden Euro, verteilt über 30 Jahre. Das sei nichts weiter als die Fortführung der bisherigen deutschen Entwicklungshilfe. Und mit der Absicht, sich für den Völkermord zu entschuldigen, gehe es Deutschland darum, Wiedergutmachungszahlungen zu verhindern.

Tatsächlich war der Begriff «Reparationen» ein heikler Punkt in den Verhandlungen. Die namibische Seite hätte diesen Begriff schwarz auf weiss im Abkommen stehen sehen wollen. Deutschland hingegen hat sich erfolgreich dagegen gewehrt.

Der namibische Präsident Hage Geingob selbst hat sich noch nicht öffentlich zur Einigung mit Deutschland geäussert. Gestern wurde bekannt, dass er und seine Frau sich mit dem Coronavirus infiziert haben.

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Deutschland will Völkermord in Namibia anerkennen
Aus Tagesschau vom 28.05.2021.
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Rendez-vous vom 28.05.2021, 12.30 Uhr

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Janus Patrick  (Hello_world)
    Typische Einstellung einiger hier.
    Der, der seine Fehler zugibt und aufarbeitet wird stark kritisiert, obwohl diese Aufarbeitung ein sehr gutes Zeichen ist.
    Die anderen Kolonialländer in Europa, die weitaus grössere Gebiete besetzten und dieselben Dinge getan haben, aber nichts tun (also Verantwortung zurückweisen), werden nicht thematisiert/kritisiert.
    Beispiel Frontenbewegung... Nachbarstaaten hätten wohl eingegriffen, wäre es nicht auch bei ihnen "normal" gewesen.
  • Kommentar von Hanspeter Flueckiger  (Hpf)
    Zeitgeistgeplänkel. Ist doch egal, ob das etwas nützt. Hauptsache man zeigt sich hipp.
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Hätten sich die deutschen Diplomaten mal vorher besser informiert, ob sich die Nama und Herero überhaupt von ihrer Regierung anständig vertreten fühlen. Nun droht ein Fiasko. Aber immerhin wird das Thema angepackt und mit Geld unterlegt. Auf andere Europäer könnte noch einiges zurollen. Spanien/Portugal vs Lateinamerika; Frankreich vs Afrika; Niederlande vs Indonesien; Großbritannien vs Rest der Welt. Auch mancher Schweizer Patrizier verdiente am Sklavenhandel. Reparationen? Entschuldigungen?