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Warum stockt die Impfaktion?
Aus Info 3 vom 26.01.2021.
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Angebliche Lieferengpässe EU macht im Clinch mit Impfstoffherstellern Druck

Die EU hat mit sechs Pharmafirmen Verträge abgeschlossen. Zum Teil liefern sie aber nicht die vereinbarten Mengen.

Das wurde vereinbart: 2.7 Milliarden Euro hat die EU an sechs Pharmafirmen überwiesen, damit diese schon vor der EU-Zulassung für ihre Corona-Impfstoffe die Produktion in Europa hochfahren können. Zwei Hersteller, Pfizer/Biontech und Astra-Zeneca, informierten nun, dass sie die vereinbarten Mengen nicht liefern könnten. Vor allem der Fall Astra-Zeneca sorgt für rote Köpfe in Brüssel. Für Freitag erwarten alle die Zulassung des Impfstoffes.

Auch Schweiz betroffen – Kantone reagieren

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Weil es beim Impfstoff von Pfizer/Biontech auch in der Schweiz zu Lieferverzögerungen kommt, haben verschiedene Kantone reagiert. So bekommen im Kanton Zug 450 Personen ihre erste Impfdosis eine Woche später, um sicherzustellen, dass alle Zweitimpfungen termingerecht verabreicht werden können. Zu den Massnahmen der Kantone sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Matthias Heim: «Den Kantonen bleibt in der jetzigen Situation nichts viel anderes übrig, als auf Sicht zu fahren. Denn die besten und ausgeklügeltesten Pläne nützen nichts, wenn der Impfstoff nicht vorhanden ist.»

Da es im Abstand von drei Wochen eine zweite Spritze braucht, müssten die Kantone sicherstellen, dass sie zu dem Zeitpunkt auch über genügend Impfstoff verfügen. «Und wenn eben nicht ganz klar ist, wann sie wie viele neue Impfdosen erhalten, müssen sie eben etwas auf die Bremse stehen, um die bereits Geimpften dann noch ein zweites Mal impfen zu können.»

So viel wird geliefert: Astra-Zeneca schrieb zuletzt, man könne nur die Hälfte der bestellten Dosen liefern. EU-Vertreter sagten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge allerdings, dass die Staatengemeinschaft eine Woche früher als bislang geplant mit dem Impfstoff beliefert werde. Die Lieferungen sollten am 7. Februar beginnen, nicht erst am 15. Februar. In Brüssel wurde der Verdacht geäussert, dass das britisch-schwedische Unternehmen in der EU hergestellte Impfstoffe in Drittstaaten exportiert, weil diese mehr bezahlen.

So wird es begründet: Offenbar haben die Manager von Astra-Zeneca am Montag in zwei Krisensitzungen nicht plausibel nachweisen können, dass tatsächlich Produktionsschwierigkeiten im belgischen Werk die Ursache für die geringere Liefermenge sind. Darum droht die EU nun mit strikten Exportkontrollen für alle in der EU hergestellten Medikamente. Das soll klären, welche Hersteller welche Impfstoffe wohin liefern und in welchen Mengen.

Jens Spahn
Legende: Abmachungen mit der EU gelte es einzuhalten. Das sagte der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn heute Morgen im ZDF im Namen aller seiner europäischen Ministerkolleginnen und -kollegen: «Hier geht es nicht um EU first. Hier geht es um Europe's fair share, also den fairen Anteil.» Keystone

Deshalb ärgern sich EU-Länder: Auch Pfizer/Biontech hat wegen eines angeblichen Umbaus der Produktion im Werk in Belgien Lieferengpässe angekündigt. Zudem will Pfizer weniger Ampullen liefern, weil je sechs Impfdosen daraus entnommen werden können, nicht nur fünf. Die vereinbarten Liefermengen beziehen sich auf die Anzahl Impfdosen. Pfizer fühlt sich also im Recht. Einige EU-Mitgliedsstaaten fühlen sich aber geprellt.

Das fordert das EU-Parlament: Seit Wochen steigt der Unmut über die Lieferverträge, welche die EU-Kommission im Namen der Mitgliedsstaaten mit sechs Pharmafirmen ausgehandelt hat. Das EU-Parlament verlangte deshalb die Offenlegung aller Vertragsdetails. Bis jetzt hat aber erst ein Hersteller, Curevac in Deutschland, eingewilligt, den Liefervertrag zu veröffentlichen. Allerdings bleiben auch dort weite Teile des Vertrags geheim – insbesondere Informationen zum Preis des Impfstoffes.

Rendez-vous, 26.01.2021, 12:30 Uhr;

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Leu  (tleu)
    An die gnadenlosen Kritiker des Schweizer BAG: Nicht einmal die mächtige EU hat es offenbar geschafft, dass die Impfstoffproduzenten rascher liefern können. Da sollten wir als Schweiz froh sein, dass wir nicht schlechter dran sind als die EU, sondern eher besser. Wir haben sogar einen eigenen Produktionsstandort im Wallis. Von den Entwicklungsländern reden wir schon gar nicht. Die müssen hinten anstehen und können froh sein, wenn sie irgendwann bei den Russen billig Sputnik V einkaufen können.
    1. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Die EU als Massstab nehmen? Nennen Sie eine Krise in letzten 20 Jahren, deren Lösung erst vorwärts kam, als EU-Staaten selber Heft in die Hand nahmen.
    2. Antwort von Norbert Zeiner  (ZeN)
      Sorry, entschidenden "nicht" oben vergessen.
    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Das ist ja das Tragische, dass wir nicht von den Entwicklungsländern reden.
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Im Herbst 2020 begannen EU-Staaten einzeln mit Beschaffungsaktionen für Impfstoffe, weil EU-Brussels seit Anbeginn der Corona Krise auch gar nichts dagegen zustande brachte (Funkstille seit März 2020), und Länder Heft in eigene Hände nahmen. Dann im Herbst preschte EU-Brussels vor, sie werden Impfstoffbeschaffung für ganz EU machen, worauf Länder ihre Vorarbeiten an EU-Brussels übergaben. Und wieder einmal zeigt nun EU-Bürokratie in Brussels ihr eigenes Unvermögen, wenn's um was Konkretes geht.
    1. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Wie kommen Sie darauf, dass es die EU in Brüssel gewesen wäre, die Impfstoffe besorgen sollte? Wie viele Menschen gibt es innerhalb der EU Aussengrenzen die nicht mindestens Einwohner (wenn nicht Bürger) eines bestimmten einzelnen EU-Landes wären?
  • Kommentar von Luc Miller  (Lucky Luc)
    Andere Länder brauchen dem Impfstoff viel dringender. Wo bleibt da die Solidarität? Es gibt so viel Impfstoff wie noch nie. Warum Aufregung?
    1. Antwort von Daniel Bucher  (DE)
      Was wollen sie uns sagen? Welche Länder brauchen den Impfstoff dringender als wir oder die EU? Und weshalb?
      In der Schweiz hat es jedenfalls nicht genügend Impfstoffe. Man kann sich momentan nicht einmal anmelden für eine Impfung, da kein Impfstoff vorhanden ist. Manchmal ist es besser keinen Kommentar abzugeben.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      @Daniel Bucher: Gemäss klaren Informationen im SRF ist bekannt, dass es in der CH aktuell erstaunlicherweise keinen Mangel an Impfstoffen gibt. Praktisch alle Kantone haben noch tausende Dosen an Lager. Andere Länder brauchen ihn teilweise dringender weil sie mehr Menschen haben die geimpft werden müssen und weil sie z.T noch überhaupt nicht beliefert wurden. In dieser Situation ist das Verhalten unserer Kantone an Zynismus kaum zu überbieten.