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Anschlag in Tadschikistan «Diese Situation stellt alles in Frage»

Bei der Attacke in Tadschikistan sind vier Touristen ums Leben gekommen, darunter auch ein Schweizer. Sie waren mit dem Bike auf der beliebten Pamir-Route unterwegs. Wie solche Reisen einzuschätzen sind, weiss die Reiseleiterin Beatrice Fischli. Sie hat sich in letzter Zeit vermehrt mit der Pamir-Route auseinandergesetzt.

Beatrice Fischli

Beatrice Fischli

Reiseleiterin

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Beatrice Fischli ist seit 20 Jahren Reiseleiterin. Sie ist für Bike Adventure Tours, einen der grössten Bike-Anbieter in der Schweiz, in verschiedenen Ländern unterwegs. Auf Pionierreisen kundschaftet sie auch immer wieder neue Gebiete aus, die für Bike-Touristen interessant sein könnten. Letztes Jahr war dies für die Pamir-Route der Fall. Ab 2019 wäre diese Bike-Tour in den Katalog aufgenommen worden.

SRF-News: Am Montag wurden zwei Schweizer Biker in Tadschikistan Opfer einer Attacke, womöglich mit terroristischem Hintergrund. Waren die Velofahrer leichtsinnig?

Beatrice Fischli: Ich denke nicht, denn ich gehe davon aus, dass sie sich seriös auf die Reise vorbereitet haben. Wenn man die Sicherheitslage der letzten Jahre beobachtet hat und die verschiedenen Hinweis-Seiten konsultiert hat, gab es keine Indizien, den Pamir-Highway zu vermeiden. Ein Restrisiko bleibt natürlich immer.

Welche Risiken nimmt man in Kauf, wenn man in dieses Land reist?

Das EDA gab zwar Reisehinweise, doch es wurde nicht von einer Reise abgeraten. Ich persönlich habe mich dort gleich sicher gefühlt wie in der Schweiz. Der Präsident von Tadschikistan hat dieses Jahr zum Jahr des Tourismus ausgerufen. Das hätte er sicher nicht gemacht, wenn die Lage instabil wäre.

Es gibt Strassenkontrollen, die eigentlich der Sicherheit der Touristen dienen, aber teilweise korrupt sind.
Autor: Beatrice FischliReiseveranstalterin

Es gibt einzig Strassenkontrollen, die eigentlich der Sicherheit der Touristen dienen, aber teilweise korrupt sind. Nur in Grenznähe zu Afghanistan gibt es fundamentalistische Bewegungen, die unzufrieden sind mit der Situation im Land. Die haben aber nichts mit Touristen zu tun.

Weshalb ist das Land für Biker interessant?

Es gibt den berühmten Hippie-Trail, auf dem die 1968er-Bewegung mit dem Hippie-Bus über die Türkei, Iran und Pakistan nach Indien reiste. Dieser Route sind Radfahrer lange gefolgt. Wegen der politischen Unsicherheiten in Pakistan hat sie sich nach Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan verlagert. Jetzt führt der Weg über den Pamir-Highway durch eine wunderschöne Gebirgsregion.

Unterwegs kommt man in Berührung mit persischer und buddhistischer Geschichte.
Autor: Beatrice FischliReiseveranstalterin

Die selten befahrene Strasse ist mit den 5000er-Pässen die zweithöchste Fernstrasse der Welt. Unterwegs kommt man in Berührung mit persischer und buddhistischer Geschichte und man befindet sich auch auf einem alten Handelsweg, auf dem bereits Marco Polo unterwegs war.

Velofahrer sind auf der Pamirroute unterwegs.
Legende: Der eindrückliche Pamir-Highway in Tadschikistan. Beatrice Fischli

Wie viele Touristen fahren da jährlich durch?

Das sind schätzungsweise 500 bis 1000 Velofahrer.

Was bedeutet eine Verschärfung der Sicherheitslage für den Tourismus und das Land?

Der Anschlag ist für die Leute vor Ort sehr konsternierend, denn sie wollten zeigen wie gastfreundlich sie sind. Das Land hat gerade in den letzten Jahren sehr viel in den Tourismus investiert. Es hat Hotels gebaut, verschiedene Trecking-Möglichkeiten ausgekundschaftet, Reise-Guides ausgebildet, und sie in Englisch unterrichtet. Es entwickelte sich etwas, wenn auch im kleinen Stil.

Werden Sie jetzt keine Reisen mehr dorthin anbieten?

Wie es weiter geht, kann ich noch nicht sagen, das kommt sehr auf das EDA an. Ein Reisebüro muss Sicherheit mit einem EDA-Bericht garantieren können. Wir müssen jetzt abwarten. Wenn das wirklich auf einer terroristischen Attacke basiert, werden wir dort kein kommerzielles Programm anbieten können. Diese Situation stellt alles in Frage.

Legende: Ein Schweizer und drei weitere Personen sind südlich von Duschanbe attackiert worden. srf
Legende: Video FOKUS: Was steckt hinter der Attacke in Tadschikistan? abspielen. Laufzeit 05:14 Minuten.
Aus 10vor10 vom 31.07.2018.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Daniel Moser (billy99)
    Wer glaubt, dass man die 150 km LUFTLINIE zwischen Kunduz und Danghara schnell in 1-2h mit dem Auto zurücklegen kann, der hat wirklich ein einfaches Weltbild. In der Region gibt es keine Autobahnen, die Gegend ist verwinkelt, die Strassen sind schlecht, es gibt Checkpoints und gesicherte Grenzübergänge. Solche Personen sollten sich überlegen, ob es angebracht ist, Personen, welche sich seriös auf eine Radreise durch Tadschikistan vorbereitet haben, pauschal zu verurteilen.
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  • Kommentar von Daniel Bucher (DE)
    Das EDA hat nicht nur Reisehinweise sondern auch Warnungen publiziert. Mir käme nicht im Trsum in dennSinn dorthin mit dem Fahrrad zu reisen.
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  • Kommentar von Hans Klein (HansKlein)
    Keine Indizien die Gegend zu meiden? 100 km bis zur afghanischen Grenze, wo seit 1979 (US-finanzierte) Islamisten und Warlords Krieg führen und sich selbst schwer bewaffnete NATO-Truppen nur selten aus ihren Camps trauen? Tadschikistan ist spätestens seit 1991 Rückzugsgebiet diverser Kriegsparteien in Afghanistan. Der Drogenhandel Richtung Europa läuft dort durch, mit dem sich die Krieger finanzieren, gerade auch die Islamisten… Seriöse Vorbereitung? Nein: Dort zu urlauben ist einfach Wahnsinn!!
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    1. Antwort von Daniel Moser (billy99)
      Ich bin letztes Jahr selbst den Pamir Highway abgefahren, davon ca. 2 Wochen der afghanischen Grenze entlang (ca. 500 km). Ich habe keine einzige Situation erlebt, wo ich mich von Drogenbanden oder Terroristen bedroht gefühlt hätte. Die Kampfhandlungen, von welchen Sie sprechen, finden in einem ganz anderen Teil von Afghanistan statt. Anstatt seriösen Reisenden Wahnsinn zu unterstellen empfehle ich Ihnen, sich vor dem Schreiben solcher Kommentare selbst seriös zu informieren...
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Herr Moser, und vor ca. 10 Jahren gab es noch gar keine IS. Was ich damit sagen will: jede Bedrohungslage kann sich im Nu ändern. Es reicht eine Attentat dazu. Hiermit ist es passiert. Zudem: Dass die IS isoliert agieren würde, zu denken, ist ziemlich naiv. Und insbesondere in Anrainerstaaten werden sie es schnell versuchen, ihre Verluste einzuholen. Zudem finde ich persönlich, da Bekannte in Tadjikistan, dass wenn man hinfährt, dann sollte man nicht grenzenloses Sicherheitsgefühl hegen.
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    3. Antwort von Hans Klein (HansKlein)
      Herr Moser, Kunduz ist die nächste grössere NATO-Basis, dort sitzt die deutsche Bundeswehr(macht). Warum trauen die sich wohl nur massiv bewaffnet und in gepanzerten Fahrzeugen „vor die Tür“? Warum tragen deutsche (Kriegs-) Minister bei (nie angekündigten!) Besuchen dort Stahlhelm und Schutzweste? Weil die Gegend, nur ca. 150 km = 1-2 Autostunden vom Anschlagsort entfernt, „sicher“ ist?
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