- Zehntausende Menschen haben in Prag gegen die Regierung des Rechtspopulisten und Milliardärs Andrej Babis demonstriert.
- Sie folgten einem Aufruf des Bündnisses «Eine Million Augenblicke für Demokratie».
- Deren Gründer Mikulas Minar warf dem Kabinett autoritäre Tendenzen vor und das Land nach Osten wenden zu wollen.
«Der Frost kommt aus dem Kreml und läuft uns den Rücken hinunter, aber uns ist dennoch warm, weil wir viele sind», sagte der 33-jährige Minar. Dass die Regierung die jüngste Parlamentswahl gewonnen habe, gebe ihr nicht das Recht, ihre Macht zu missbrauchen.
-
Bild 1 von 4. Die Veranstalter, die in der Regel die Protestteilnehmenden etwas höher schätzen, gehen von 250'000 Demonstrierenden aus. Bildquelle: EPA / MARTIN DIVISEK.
-
Bild 2 von 4. Die Kundgebung fand unter dem Motto «Wir lassen uns unsere Zukunft nicht stehlen» statt. Bildquelle: EPA / MARTIN DIVISEK.
-
Bild 3 von 4. Die Demonstration fand in einem grossen Park auf der Letna-Ebene statt. Bildquelle: EPA / MARTIN DIVISEK.
-
Bild 4 von 4. Mikulas Minar, der Gründer der Organisation, die zur Demo aufgerufen hatte, ergriff vor der versammelten Menschenmenge das Wort. Bildquelle: EPA / MARTIN DIVISEK.
Weitere Kritikpunkte waren die jüngsten Kürzungen bei den Verteidigungsausgaben sowie geplante Änderungen bei der Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Medien. «Es regt mich auf, dass die derzeitige Regierung versucht, die freien und unabhängigen Medien zu manipulieren», sagte etwa der 22-jährige Tomas Chaloupka.
Die Veranstalter sprachen von bis zu 250'000 Teilnehmern, die sich in einem grossen Park auf der Letna-Ebene hoch über der Moldau versammelten. Die Demonstranten hielten zahlreiche tschechische und ukrainische Fahnen sowie die Europaflagge hoch. Auf einem gemalten Bild waren US-Präsident Donald Trump und der russische Präsident Wladimir Putin stilisiert dargestellt, wie sie sich küssen. Polizei und Rettungsdienst waren mit einer grösseren Zahl von Kräften vor Ort. Es kam zu Verkehrsbehinderungen.
Babis kooperiert mit Orban
Babis regiert seit Mitte Dezember in einer Koalition mit zwei Parteien am rechten Rand des politischen Spektrums, der Autofahrerpartei Motoristen für sich und der ultrarechten Freiheit und direkte Demokratie (SPD). Erst vor wenigen Wochen lehnte es das Parlament mit der Regierungsmehrheit ab, seine Immunität als Abgeordneter aufzuheben. Dem 71-Jährigen drohte ein Gerichtsprozess wegen mutmasslichen Subventionsbetrugs.
Seine ANO-Partei arbeitet im EU-Parlament in der Fraktion «Patrioten für Europa» unter anderem mit der Partei Fidesz des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban zusammen.