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Apec-Gipfel Chinas Machtspiele im Südpazifik

In Papua Neuguinea, dem Gastgeberland des Asien-Pazifik-Gipfels, dominiert China – nicht mehr der Westen.

Legende: Audio Apec-Gipfel in Papua Neuguinea geplatzt abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.
05:29 min, aus Echo der Zeit vom 18.11.2018.

Port Moresby, die Hauptstadt von Papua Neuguinea, gilt als eine der gefährlichsten Städte der Welt. Doch just hier haben sich am Wochenende die Weltführer der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft, kurz Apec, getroffen. Ehrengast am Gipfel ist Chinas Staatschef Xi Jinping.

Bei seiner Ankunft rollt Xi in einer Limousine über den neuen Unabhängigkeitsboulevard, vorbei am frisch renovierten Konferenzzentrum – am Strassenrand wehen chinesische Fahnen. Später darf der chinesische Staatschef die kurze Strasse einweihen. Denn China hat sie bezahlt. Und auch die Renovation des Konferenz-Zentrums war nur dank chinesischem Geld möglich.

Menschenmenge und chinesische Fahnen
Legende: Einwohner von Port Moresby schwenken bei der Ankunft von Xi Jingping chinesische Fahnen. Keystone

Kredit aus China

Papua Neuguinea, oder PNG wie das Land auch genannt wird, ist das ärmste der 21 Apec-Mitgliedsländer. Dass dessen Premierminister Peter O'Neill unbedingt Gastgeber sein wollte, hatte Kritik ausgelöst. Eigentlich kann sich das arme Land diesen Gipfel nicht leisten. Es kämpft mit einer Tuberkulose-Epidemie und gegen Medikamentenknappheit.

China bot deshalb seine Hilfe beim Organisieren und Finanzieren des Gipfels an. Sofort sprachen auch Australien und die USA weit über 100 Millionen. Das geopolitische Kräfteverhältnis in Papua Neuguinea und der Region habe sich zu Gunsten Chinas verschoben, sagt Paul Barker. Er ist Direktor des Institute of National Affairs, einer Denkfabrik in Papua Neuguinea.

«China pumpt immer mehr Geld nach Papua Neuguinea. Das meiste sind jedoch Kredite, keine Geschenke», so Barker. Weil China dermassen aktiv sei, wollen auch die USA ihre Hilfsgelder erhöhen und ihre Botschaft ausbauen. Australien und Japan täten dasselbe: «Alle beobachten sich misstrauisch.»

Menschenmenge hinter schwarzer Limousine
Legende: Überall hängen Transparente mit dem Konterfei des chinesischen Staatsoberhaupts. Keystone

Der Westen wird nervös

China gibt jedoch den Ton an, das wird am Gipfel klar. Überall wehen chinesische Fahnen und hängen Poster des chinesischen Staatschefs. Papua Neuguinea ist dieses Jahr auch Teil der «Neuen Seidenstrasse» geworden, einem gigantischen Infrastruktur-Projekt. Mit diesem Projekt will China seine Stellung an der Weltspitze behaupten. Im Gegenzug erhält die Inselnation mehrere Milliarden Dollar Hilfsgelder und Kredite aus Peking.

Der zunehmende Einfluss Chinas machen Australien und die USA nervös. Es war deshalb auch niemand erstaunt, als US-Vizepräsident Mike Pence am Samstag am Gipfel ankündigte, die USA und Australien wollten zusammen einen neuen Militärstützpunkt in Papua Neuguinea errichten.

Kinder spielen auf Abfallhaufen
Legende: Die Bevölkerung von Papua Neuguinea sieht wenig vom chinesischen Geld. Keystone

Viel Geld verschwindet

In diesem Kampf um Macht und Einfluss könnte der kleine Staat die Grossmächte zu seinen Gunsten gegeneinander ausspielen. «Doch das geschieht in Papua Neuguinea nicht», kritisiert der Oppositionspolitiker Bryan Kramer. Die Regierung verkaufe das Land und die reichen Bodenschätze an China. «Wir schätzen, dass in Papua Neuguinea 30 Prozent der chinesischen Kredite in den Taschen von korrupten Politikern und Geschäftsmännern landen», so Kramer. «China kann hier tun und lassen was es will, die Bevölkerung geht leer aus.»

Für den Wirtschaftsgipfel kaufte die Regierung vierzig Maserati und drei Bentleys, um die Weltführer herumzukutschieren. Die Luxusautos kosteten weit über 200'000 US-Dollar pro Stück. In Papua Neuguinea, wo das Jahreseinkommen bei 4000 Dollar liegt, löste dieser Kauf einen eintägigen Streik aus. Zudem werden die Regenwälder der Inselnation im grossen Stil illegal abgeholzt. Das meiste Tropenholz geht nach China.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Maos Erbe - man kann es nicht anders sagen - trifft auf andere Softpowermächte. Wenigstens werden so die Schattenseiten dieser leider viel zu erfolgreichen Strategie aufgezeigt. Die Welt von morgen sollte aber nochmals ganz bei Null mit völlig neuen Ansätzen errungen werden. Nur wer Ökologie, Ökonomie, Demographie und ausgewogenes Währungssysteme zusammen bringt, bringt Ordnung ins Chaos. Gesamtplanung, Menschenrecht und neue ausgewogene Geldtheorien bringen uns voran.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      Klar gibt es gute Ideen, um die Menschheit voran zu bringen und die echte, nachhaltige Lösungen darstellen könnten. Aber diese Ideen stehen gewissen mächtigen Leuten quer zu ihren Interessen.
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    China ist ein seit Jahrzehnten von skrupellosen, Menschenrechte- und leben missachtenden Machthabern gebeuteltes Land! China sucht die Alleinherrschaft auf dieser Welt! Werauch immer mit dieser "Regierung" wirtschaftliche Geschäfte macht, macht sich mitschuldig!
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Die Macht Chinas ist der Schwäche, Dummheit und Verlogenheit des Westen geschuldet. Die Chinese handeln nicht ohne Hintergedanken. Aber was tut der Westen? Nichts für die Leute, im Gegenteil, investiert in Militärstützpunkte! Die US-Kriege seit 9/11 haben laut einer Studie der Brown-Universität 5'900 Mrd. gekostet. So gibt also der Wertewesten das Geld aus. China kann es nur besser machen, leider.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche: bei ihnen ist immer der böse Westen schuld:-(
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ A. Planta: Sehr oft (nicht immer!) entspricht dies den Tatsachen. Die USA+ ihre Verbündeten führen nach dem 2. WK die Angrifskriege weiter (Höllensturm über D, A-Bombe über J, Koreakrieg, Vietnamkrieg, Nahostkriege usw). Ist auch nur logisch: das 3. Reich war ein von den USA finanziertes Projekt zu deren geopolitischen Zwecken (Krieg gegen Russland, Zerstörung Deutschlands). Die USA sind seit mindestens der russischen Revolution bei weitem die Kriegs- und Terrornation Nr.1.
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