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Iran: Das Atomabkommen könnte bald tot sein
Aus HeuteMorgen vom 02.07.2019.
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Atomabkommen gebrochen? Irans Geduld ist am Ende

Beim Atomabkommen waren bisher die USA die Bösen, die Iraner hingegen die Guten. Doch nun sagt die UNO-Atombehörde IAEA erstmals, auch der Iran verletze die historische Vereinbarung von 2015.

Teheran hat es angekündigt: Es drohte, Schritt für Schritt gegen das Atomabkommen zu verstossen. Der erste Schritt ist nun getan, indem die Vorräte an niedrig angereichertem Uran die vereinbarte Limite von 300 Kilogramm überschreiten.

Der nächste Schritt könnte schon am Wochenende folgen, falls der Iran die Urananreicherung auf höhere Werte wieder aufnimmt, auf solche, wie sie zum Atombombenbau nötig sind. Teheran bestreitet zwar, das Abkommen zu verletzen, doch das entspricht einer äusserst eigenwilligen Lesart des Vertragstextes, der sich sonst niemand anschliesst.

Dass sich der Iran nun ins Unrecht versetzt, hat damit zu tun, dass die USA wieder massive Sanktionen verhängten und die übrigen Vertragsstaaten zu wenig tun können, um deren Wirkungen auf den Iran zu lindern.

Frust allenthalben

Die Reaktionen auf den iranischen Vertragsbruch fallen nun deutlich aus: Frustriert und schwer besorgt ist man in Berlin, Paris, London, am UNO-Sitz in New York, am EU-Sitz in Brüssel und ein bisschen sogar in Moskau. Teheran wird aufgefordert, seinen jüngsten Schritt rückgängig zu machen.

Trump: «Iran spielt mit dem Feuer»

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US-Präsident Donald Trump hat den Iran nach der Überschreitung der zulässigen Menge gering angereicherten Urans gewarnt.

«Sie wissen, was sie tun. Sie wissen, womit sie spielen, und ich denke, sie spielen mit dem Feuer», sagte Trump in Washington.

Aussenminister Mike Pompeo teilte mit, die USA wollten ein neues, umfassendes Abkommen mit dem Iran aushandeln, «um seine Bedrohungen für internationalen Frieden und Sicherheit zu beseitigen», so Pompeo. «Solange der Iran Diplomatie weiterhin ablehnt und sein Atomprogramm ausbaut, werden wirtschaftlicher Druck und diplomatische Isolation stärker werden.»

Tut das Regime das nicht sehr rasch, dürfte die Bereitschaft, dem Iran beim Umgehen der Sanktionen zu helfen, gegen Null sinken. Damit wäre das bereits schwer angeschlagene Atomabkommen bald ganz tot.

Fredy Gsteiger

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent, SRF

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Der diplomatische Korrespondent ist stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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72 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Baumann  (Christian Baumann)
    Dass der Iran sich so verhält, wie er sich eben verhält ist einzig u. allein die Schuld von Donald Trump. Trump führt sich auf, wie Kennedy in den 60ern ohne jedoch überhaupt einen Grund zu haben. Trump ist ein egozentrischer Kriegstreiber, der zu keinem Kompromiss fähig ist.
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    1. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      Ja, das sehe ich auch so, Ch. Baumann. Der Iran wird laufend provoziert, v.a. durch den US-"Sicherheitsberater" Bolton. Leider ist zu befürchten, dass dereinst irgendein Vorkommnis als Kriegsgrund herhalten muss - und dann US-amerikanische Bomben nach Teheran fliegen. Dasselbe ist passiert im Golf von Tonkin (Vietnamkrieg), die Falschmeldung der Massenvernichtungswaffen (Irakkrieg 2003) und weitere...
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  • Kommentar von Thomas Steiner  (Tom Stone)
    Tja, Nordkorea hats vorgemacht: In Waffen investieren und Sanktionen erdulden. Aber mit der Waffe hat man eine andere Stärke beim Verhandeln. Zum Unwohl des Volkes, aber auch ein Trump kuscht dann plötzlich und ist bereit zu historischen Schritten. Grossmacht klein gemacht.
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  • Kommentar von Fredy Mader  (Fredy Mader)
    Schon erstaunlich wie viele die Regierung im Iran der USA bevorzugen
    Habe zwar noch nie gehoert, dass viele vom Westen in den Iran fluechten, darum sind die meisten Voten nicht ehrlich. Natuerlich hat die USA viele Fehler gemacht, doch welche Weltmacht waere besser?
    Die Mullahs im Iran mochten sehr wohl Israel vernichten und zwar aus Religiösen Hass und Macht gruenden
    und viele im Westen hoffen insgeheim das selbe, denn der Antisemitismus ist nicht gestorben sondern wächst Weltweit.
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    1. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      Klar, flüchtet niemand aus den USA - die US-amerikanischen Kriege finden ja immer ausserhalb ihres Territoriums statt. Und noch ein Wort zu "Antisemitismus", F. Mader: Wer Israels Politik kritisiert (Bombenanschläge in Syrien, Siedlungspolitik, Besatzung der Golanhöhen u.v.m.) ist noch lange kein Antisemit, sondern ein Mensch mit offenen Augen. Schönen Abend.
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    2. Antwort von Urs Stotz  (Urs Stotz)
      Dankeschön M. Mitulla, auf den Punkt gebracht!
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