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Legende: Video Brennstäbe aus Abklingbecken in Fukushima werden geborgen (unkomm.) abspielen. Laufzeit 00:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 15.04.2019.
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Atomkatastrophe in Fukushima Meilenstein oder Werbeaktion der japanischen Regierung?

Die Bergung von Brennstäben aus dem zerstörten Atomkraftwerk hat begonnen. Was das mit den Olympischen Spielen 2020 in Japan zu tun hat und was man darüber wissen muss.

Was geschieht momentan in Fukushima? Gut acht Jahre nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima hat der Betreiber erstmals mit der Bergung von Brennstäben aus einem der zerstörten Unglücksreaktoren begonnen.

Grösste Atomkatastrophe seit Tschernobyl

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Die Reaktoren 1 bis 3 des Atomkraftwerks Fukushima Daichii I sind am 11. März 2011 in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zerstört worden, es kam zu Kernschmelzen. Wegen der radioaktiven Strahlung mussten damals rund 160'000 Anwohner fliehen. Noch immer können rund 30'000 nicht zurück. Es war die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986.

Wie gehen die Bergungsarbeiten vor sich? Die Kühlboxen befinden sich über dem Reaktorbehälter im obersten Stockwerk des Reaktorgebäudes, wie der in Tokio lebende Journalist Martin Fritz gegenüber SRF erklärt. Dort können sich Menschen aber wegen der starken radioaktiven Strahlung nicht aufhalten. Deshalb musste man in den vergangenen anderthalb Jahren eine riesige Kuppel über diesen Reaktor bauen, und in dieser Kuppel bewegt sich ein Kran, der die Brennstäbe einen nach dem anderen rausholt. Das muss ferngesteuert geschehen, aus einem 500 Meter entfernten Kontrollzentrum.

Wie sieht der Zeitplan aus? Von heute an bis Juni will man sieben Brennstäbe rausholen. Bis März 2021 dann die übrigen 566 Brennstäbe. In den Kühlboxen der Reaktoren 1 und 2 liegen weitere 1000 Brennstäbe. Insgesamt könnte diese Bergung bis 2023 oder 2024 dauern, wie Fritz weiter erklärt.

Experten reden von einem Meilenstein, stimmt das? Eigentlich sollte diese heutige Bergung bereits 2014 beginnen, insofern sei sie als Meilenstein zu verstehen, sagt Fritz. Andererseits sei dies nur eine kleine Wegmarke auf dem Weg zum endgültigen Rückbau, der mindestens 38 Jahre dauern soll.

Warum wird der Rückbau so lange brauchen? Man muss den geschmolzenen Brennstoff aus den Reaktoren holen, erklärt Fritz. Dafür gebe es noch keine technische Lösung.

Premierminister Shinzo Abe besuchte die Stelle am Wochenende ganz ohne Schutzkleidung, Propaganda? In Alltagskleidung kann man bis auf etwa 40 Meter Luftlinie an die Reaktoren herankommen, erklärt Fritz. Das sei inzwischen auf 96 Prozent des Geländes möglich.

Welche Rolle spielen die Olympischen Sommerspiele 2020, die in Japan stattfinden? Abe hat bei der Vergabe der Spiele versprochen, dass das AKW unter Kontrolle sei – was viele Leute bezweifelt haben. Sie hätten sich sogar ein bisschen über den Premier lustig gemacht, so Fritz. Seitdem versuche dieser zu beweisen, dass es tatsächlich Fortschritte im AKW und in der Präfektur Fukushima gibt. Am Sonntag hat Abe neben dem AKW auch ein Sportzentrum besucht, das etwa 20 Kilometer südlich des AKWs liegt. Von dort soll der olympische Fackellauf beginnen. Laut Fritz ist das ein Signal an die Weltöffentlichkeit: Wir haben hier in Fukushima alles unter Kontrolle und hier können die Sportler sich unbesorgt bewegen.

Wie nimmt die japanische Bevölkerung diese Meldungen auf? Das Thema Fukushima kocht nur noch selten hoch. Und wenn, dann geht es um solche symbolischen Aktionen wie den Besuch des Premiers. Ansonsten geht laut Fritz alles seinen geregelten Gang: «Am liebsten möchte man mit diesem ganzen Thema Strahlung und Radioaktivität nichts mehr zu tun haben.»

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27 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Kirchhoff (Charly)
    Von den ganzen Atomstrom-Fans, wird der Müll bzw. dessen Entsorgungskosten brav ausgeklammert. Die gehört in die Stromkosten eingerechnet und schon ist es die teuerste von allen Energien! Unglücksfälle wie Tschernobyl oder Fokushima kommen noch obendrauf. Im übrigen gibt es auch alternative Möglichkeiten Solarenergie zu nutzen, nicht nur Photovoltaikanlagen, die ständig von Gegnern der Alternativen Energien kritisiert werden!
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Solarthermie (Anlange Ivanpah, CA) ist mittlerweile nicht mehr so leistungsfähig und massiv teurer wie moderne PV-Anlagen.
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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    @Schmid: Stromversorgung Los Angeles: Installierte Leistung des stillgelegten KKW San Onofré: 2 Reaktoren à 1150MW auf 0.7 km2. Installierte Leistung des Alta Wind Energy Center 600 WKA auf 13km2: 1550MW. Installierte Leistung Ivanpah Solar Power Facility 173'500 Kollektoren auf 14km2: 700MW. Output p.a.: KKW San Onofre: 16TWh, Alta Wind: 3TWh, Ivanpah Solar: 0.9TWh. San Onofre lieferte bei gleicher Leistung, aber 40Mal geringerem Platzbedarf, 4mal soviel Strom wie Alta und Ivanpah zusammen.
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    1. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Herr Ducrey. Los Angeles hat eine Fläche von 1302 km^2. Wenn auf nur 10% dieser Fläche PV-Module mit 20% Wirkungsgrad auf bestehende Dächer gelegt werden, dann ergibt das bereits eine Solarleistung von 26 GW. In Los Angeles wird damit dank dem sonnigen Wetter über 40 TWh produziert. Abgesehen davon, dass neue AKW leider viel zu teuer sind und auf Uranimporte (grossflächige Uranminen) angewiesen sind, können sie auch nicht auf bestehende Dächer platziert werden (AKW brauchen somit mehr Fläche).
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    2. Antwort von N. Schmid (Schmid)
      Die Schweizer Dachfläche beträgt 400 km^2. Südkalifornien hat vermutlich mehr Dachfläche aber rechnen wir mal mit der Schweizer Dachfläche. Bei 20% Photovoltaikmodulwirkungsgrad entspricht das 80 GW. In Kalifornien wird damit dank dem sonnigen Wetter über 120 TWh produziert. AKW sind nicht nur zu teuer und auf grossflächige Uranminen angewiesen - sie können im Gegensatz zur Photovoltaik auch nicht auf bestehenden Dächern installiert werden.
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    3. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Schmid: Sicher, es ist einiges machbar. Aber bitte mit richtigen Zahlen hantieren: 2018 produzierte man in Kalifornien 23TWh an PV-Strom (Quelle: dcph.ca.gov) und nich 120TWh. Diese 23TWh reichen etwa um 250'000 Klimaanlagen ein Jahr lang während 8h/Tag laufen zu lassen. Doch allein Orange County (Los Angeles) hat rund 1 Mio. Haushalte.... PV Anlagen bringen sicher etwas, aber im Bezug aufs Ganze aber niemals das, was man der Gesellschaft weiszumachen versucht.
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  • Kommentar von P Gafner (pasgaf)
    Die Rechtskonservative Regierung Abes ist eng mit der Atomlobby verbunden. Entgegen dem Wunsch der Bevölkerung setzt Japan weiter auf Kernenergie und hofft darauf ihre Reaktoren in die Welt zu exportieren. Reaktoren sind jedoch nicht mehr gefragt, siehe Konkurs von Toshibas Westinghouse Nuclear. Zudem wird in Japan an allen Enden auf erneuerbare Energie gesetzt. Da bringt auch Abes Werbetrip nach Fukushima nichts mehr. Die Atomzeit ist auch in Japan langsam vorbei.
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