Zum Inhalt springen

Header

Navigation

Legende: Audio Spärliche Informationen über Atomunfall in Russland abspielen. Laufzeit 05:42 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 23.08.2019.
Inhalt

Atomunfall in Russland Das Schweigen des Kremls gibt zu reden

Fünf Tote, sechs Verletzte, viele offene Fragen: Der spärliche Informationsfluss bringt die Gerüchteküche zum Brodeln.

«Nicht vergleichbar mit ernsthaften Reaktor-Unfällen»: Mit diesen Worten durchbrachen die russischen Behörden die mehrtägige Stille nach dem Atomunfall am Weissen Meer. Doch noch immer ist unklar, was genau sich vor zwei Wochen bei einem Raketentest in Nordrussland zugetragen hat.

Karte des Gebiets
Legende: Zu der Explosion kam es offenbar beim Test eines neuartigen Triebwerks auf dem Übungsgelände in Sewerodwinsk. Präsident Putin erklärte, ein neues Waffensystem sei erprobt worden. SRF

«Die Informationen fliessen nur spärlich, und wenn sie fliessen, sagen sie einem kaum etwas», erklärt ARD-Korrespondentin Sabina Stöhr. Bekannt ist: Der Unfall hat sich beim Test eines Raketenantriebs auf einer Plattform im Meer zugetragen. Bei dessen Start kam es zu einer Explosion.

Eingeübtes Stillschweigen

Mehrere Tage später räumte die russische Wetterbehörde ein, dass es eine bis um das 16-fach erhöhte Radioaktivität in der Region gab. Der spärliche Informationsfluss lässt die Spekulationen ins Kraut schiessen. Unter den Menschen, die in der abgelegenen Region leben, herrsche Unruhe, berichtet Stöhr.

Auch wenn bekannt sei, dass auf dem Gelände Tests mit Radioaktivität durchgeführt würden. «Als die Leute von der Explosion erfahren haben, haben sie erstmal ihren Geigerzähler geschnappt, der zu jedem Haushalt gehört wie anderswo die Bohrmaschine.» Denn die Bewohner der Region wüssten: Offizielle Informationen sind mit Vorsicht zu geniessen.

Rosatom-Gebäude in Sarov
Legende: Laut Greenpeace war die Radioaktivität sogar um das Zwanzigfache erhöht. Die Strahlung soll nach wenigen Stunden wieder zurückgegangen sein. Im Bild: Menschen versammeln sich vor dem Rosatom-Sitz in Sarow zur Trauerfeier für die getöteten Ingenieure. Keystone

Inzwischen haben sich besorgte Ärzte an die Medien gewandt. Gegenüber BBC Russia berichteten zwei Mediziner anonym, dass über 90 Menschen in einem Spital in der Hafenstadt Arkhangelsk Kontakt mit den Opfern gehabt hätten. Ohne dass sie vom Militär über Kontaminationsrisiken aufgeklärt worden seien.

Stöhr hält die Berichte für glaubwürdig. Für die Nicht-Kommunikation macht sie eine «seit Jahrzehnten eingeübte stillschweigende Übereinkunft» verantwortlich: Die Behörden gingen bequem davon aus, dass die Ärzte schon wüssten, dass in der Region mit Radioaktivität hantiert werde – und entsprechend vorbereitet seien.

Der aktuelle Unfall hat sicher nicht die Grössenordnung von Tschernobyl.
Autor: Sabine StöhrARD-Korrespondentin in Moskau

Dass Ärzte nun die Öffentlichkeit suchten, sei neu: «Sie erklärten gegenüber Journalisten, dass sie unterschreiben mussten, nichts über den Vorfall zu sagen. Oder sie machten öffentlich, dass es ihnen an Wertschätzung fehlt.» Insofern sieht die Korrespondentin in Russlands Norden Kräfte am Werk, die im ganzen Land erwachen: «Die Menschen sind es leid, wie die Führung mit ihnen umgeht. Sie fordern Transparenz und wollen, dass Gesetze eingehalten werden.»

Gefühl, ausgeliefert zu sein

Ausserhalb von Russland werden Parallelen zur Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gezogen. Auch damals beschwichtigten die Behörden, bis sich das wahre Ausmass der Katastrophe nicht mehr verschleiern liess. «Tatsächlich fühlt man sich etwas daran erinnert, weil auch jetzt keine Transparenz geschaffen wird», sagt Stöhr.

Rosatom-Logo
Legende: Ein Faktor für das Schweigen der Behörden: Der immer mächtigere Staatskonzern Rosatom sei in die Raketentests eingebunden, was die Geheimniskrämerei zusätzlich befeuere, so Stöhr. Reuters

Vergleiche zum Supergau von damals zu ziehen, hält die Journalistin aber für abenteuerlich: «Der aktuelle Unfall hat sicher nicht die gleiche Grössenordnung.» Schliesslich ist die finnische Grenze nur wenige hundert Kilometer entfernt – ein Tschernobyl 2.0 liesse sich kaum unter den Teppich kehren.

Nichtsdestotrotz mache der Vorfall Angst: «Uns wird bewusst, wie ausgeliefert wir sind, weil wir keinerlei Informationen bekommen.» Dies sei auch nicht verwunderlich, weil es um einen fehlgeschlagenen Militärtest gehe: «Da ist die Geheimhaltung naturgemäss sehr gross.»

Legende: Video Atomunfall in Russland abspielen. Laufzeit 00:57 Minuten.
Aus Tagesschau vom 10.08.2019.
Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

31 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Es gibt keinesfalls zu reden - vor allem weil weder in Norwegen noch in Finnland etwas relevantes gemessen wird. Die Norweger haben gerade mal winzigste Spuren gemessen. Frau Stöhr ist als Übersetzerin möglicherweise nicht die beste Wahl um einen Nuklearantrieb in einem Russischen Testgelände kommunikationstechnisch an den Mann/Frau zu bringen. Kommt hinzu, dass Sie in der West Finanzieren Moskow Times grossmehrheitlich abgekupfert hat. Ein Blatt, das nahe am Konkurs steht. Die Drucken alles.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo, irgendwann weitere atomare Unfälle passieren. Wie leichtsinnig mit dieser Gefahr umgegangen wird, zeigen die Worte von D. Trump, der mit Vorliebe von Auslöschen ganzer Länder twittert, Nordkorea, Iran. Wie anders wäre das zu bewerkstelligen, als mit atomaren Raketen. Mit dieser Einstellung forciert er die übrige Welt mitzuziehen im unseligen Wettrüsten mit noch moderneren Waffensystemen. Und da er der Grösste sein will, werden Milliarden verbraten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Drago Stanic  (drago stanic)
      Einzie USA in ihre Militär Doktrin erwägt ein A Bombe Einsatz wie Preventi Schag an. Russen und Chinesen bleibt nichts anders übrig, als genug Kapazitätet zu haben, mit zweite Schlag genug stark zu sein um USA zwingen nicht in versuchung zu kommen etwas dummes zu versuchen. Ein Poseidon Torpedo wird noch dummere Presidänten in USA abhalten Rote Knopf zu drucken.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Berger  (Mila)
    @P.Imber: - Warum reden RU-Gegner immer gleich von Diktatur, wenn sie meinen, der Kreml informiere nicht genügend, wohl wissend, dass dies alle Regierungen bei heiklen Themen so handhaben, von China, RU bis US-Amerika etc. - Ich mag Menschen generell, egal, wo sie leben, lehne jedoch Regierungen von Ost bis West ab, welche Menschen manipulieren. Am wenigsten mag ich die scheinheiligen Regierungen, welche andere anprangern für das, was sie zu tun für sich selbst in Anspruch nehmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen