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Legende: Video Proteste in Algerien abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 09.03.2019.
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Aufruhr in Algerien Massenproteste erhöhen Druck auf Präsident Bouteflika

Zehntausende Menschen gehen wegen der erneute Kandidatur des Präsidenten auf die Strasse – trotz eines starken Polizeiaufgebotes.

Massenproteste in Algerien: Der Druck auf den altersschwachen Präsidenten Algeriens, Abdelaziz Bouteflika, und seine Führung steigt. Erneut gingen Zehntausende auf die Strasse. Das Stadtzentrum war am Freitagnachmittag völlig überfüllt. Es waren die bislang grössten Demonstrationen.

Viele Verletzte in Algier

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  • Bei Zusammenstössen am Rande des Massenprotests gegen Algeriens Präsidenten Abdelaziz Bouteflika sind nach Klinikangaben auch mehr als 100 Zivilisten verletzt worden.
  • Andere seien von Steinen oder Gummigeschossen getroffen worden. Die algerischen Sicherheitsbehörden hatten zuvor auch von mehr als 100 verletzten Polizisten berichtet.
  • Offizielle Angaben sprachen von «Chaoten», die im Nationalmuseum für Altertümer und Islamische Kunst randaliert und geplündert hätten. Bilder zeigten ausgebrannte Räume und zerstörte Vitrinen.
  • 195 Menschen wurden festgenommen.

Forderung auf Amts-Verzicht: In der Hauptstadt Algier verlangten Demonstranten, dass der 82 Jahre alte Staatschef auf seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl am 18. April verzichtet. Mehrere Abgeordnete der Regierungspartei FLN traten laut einem Fernsehbericht zurück und schlossen sich den Protesten an.

Machtdemonstration der Sicherheitskräfte: Am Morgen fuhren dutzende Mannschaftswagen der Polizei in der Hauptstadt auf. Mit Menschenketten versuchten die Sicherheitskräfte, Strassen abzusperren. Am Himmel kreisten Helikopter. U-Bahnen und Nahverkehrszüge wurden stillgelegt. Am Nachmittag zogen sich die Polizeieinheiten dann teilweise zurück.

Angst vor politischem Umsturz: Die Demonstranten riefen zum «Sturz des Regimes» auf. Getragen werden die Proteste vor allem von Studenten. Auch die Opposition fordert den Rückzug Bouteflikas. Der Unmut gilt auch der schwierigen Wirtschaftslage.

Warnung ans Ausland: Bouteflika selbst hat in einer schriftlichen Botschaft vor Versuchen aus dem Ausland gewarnt, die friedlichen Märsche zu unterwandern. Das könnte zu Aufruhr in Algerien führen. Konkret wurde der Präsident nicht, aber die Botschaft war als Anspielung auf Bürgerkriegsländer wie Libyen und Syrien zu verstehen, wo zahlreiche ausländischen Kräfte mitmischen.

Legende: Video Aus dem Archiv: Algerier demonstrieren gegen Präsident Bouteflika abspielen. Laufzeit 01:24 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.03.2019.

Gesundheitlich angeschlagener Präsident: Die Proteste begannen Ende Februar. Sie richten sich gegen die fünfte Kandidatur des Staatschefs Bouteflika, der seit 20 Jahren im Amt ist. Gegner sehen ihn nicht mehr in der Lage, das Land zu regieren. Nach einem Schlaganfall 2013 sitzt Bouteflika im Rollstuhl und hat grosse Probleme beim Sprechen.

Medizinische Untersuchung in Genf: Bouteflika befindet sich seit knapp zwei Wochen in medizinischer Behandlung im Universitätsspital in Genf. Die Demonstranten forderten, ihm die Rückkehr nach Algerien zu verbieten. Trotzdem reichte der Präsident seine Kandidatur vom Spitalbett aus ein. Er versprach, keine volle Amtszeit mehr zu regieren und Reformen voranzutreiben.

Oppositioneller in Genf verhaftet: Vor dem Spital in Genf ist der algerische Oppositionelle Rachid Nekkaz festgenommen worden. Er wollte zu Bouteflika vordringen. Er habe schauen wollen, ob der Präsident noch amtsfähig sei. Nekkaz wollte bei den Präsidentenwahlen antreten, war aber disqualifiziert worden. Zuvor hatten vor der Klinik etwa 30 Personen eine nicht genehmigte Demonstration durchgeführt.

Bouteflika nur noch «Marionnette»? Algeriens Präsident gilt nur noch als sichtbarer Vertreter eines engen Netzwerks von Politikern, Militärs und Geschäftsleuten, die das Land regieren und sich an die Macht klammern. Eine zentrale Rolle spielt die Armee. Sie installierte 1999 Bouteflika, um das Land nach dem Bürgerkrieg mit radikalen Islamisten zu stabilisieren. Auch der «arabische Frühling», der ab 2011 in den Nachbarländern die herrschende Klasse hinwegfegte, überstand Präsident Bouteflika unbeschadet.

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