- Nach dem Ausbruch des Hantavirus auf einem Kreuzfahrtschiff sind laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sechs Infektionen mit dem Virus laborbestätigt, darunter die drei verstorbenen Passagiere.
- Bei weiteren Personen gelte eine Infektion zudem als wahrscheinlich.
- Am Sonntag soll das betroffene Kreuzfahrtschiff «MV Hondius» in Teneriffa ankommen und die Passagiere sollen am Montag repatriiert werden.
In Spanien ist eine zweite Frau wegen des Verdachts einer Infektion mit dem Andes-Hantavirus identifiziert und sei in Quarantäne eingewiesen worden. Sie habe in der KLM-Maschine gesessen, mit der die später gestorbene Niederländerin nach dem Verlassen des Kreuzfahrtschiffs «MV Hondius» Ende April von Johannesburg nach Amsterdam fliegen wollte.
Zuvor war am Freitag bereits eine Frau in Alicante mit leichten Krankheitssymptomen zur Isolation in ein Krankenhaus gebracht worden, die in demselben KLM-Flugzeug gewesen sei. Das Ergebnis möglicher PCR-Tests bei beiden Frauen wurde zunächst nicht bekannt.
Mögliche Ansteckungen im Flugzeug
Die erkrankte Niederländerin hatte eine Kreuzfahrt mit der «Hondius» auf St. Helena abgebrochen, nachdem ihr Mann an Bord gestorben war. Am 24. April flog sie mit dem Leichnam nach Südafrika und versuchte am folgenden Tag vergeblich, in die Heimat zurückzukehren. Sie sass bereits mit anderen Passagieren im Flugzeug, wurde aber kurz vor dem Start wegen ihres schlechten Gesundheitszustands aus dem Flugzeug geholt und starb kurz darauf in einem Krankenhaus.
Eine Flugbegleiterin des KLM-Fluges von Johannesburg nach Amsterdam, die ebenfalls Kontakt zu der gestorbenen Niederländerin hatte, wurde inzwischen wieder aus einem Krankenhaus entlassen. Sie sei nicht infiziert, teilte das niederländische Gesundheitsministerium mit.
Repatriierung der Passagiere von Teneriffa
Die «MV Hondius» soll am Sonntagmorgen im Industriehafen Granadilla auf Teneriffa ankommen, wie der Veranstalter Oceanwide Expeditions mitteilte. Deutschland, Belgien, Frankreich, Irland und die Niederlande schicken Flugzeuge nach Teneriffa für eine Evakuierung der Passagiere, teilte Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska mit.
Die Evakuierung soll laut den örtlichen Behörden am Sonntagmittag beginnen und bis Montagmittag abgeschlossen sein. Die Passagiere sollen im Industriehafen Granadilla in versiegelte Fahrzeugen gebracht und durch einen komplett abgesperrten Korridor direkt zu ihren Flugzeugen gefahren werden. Spanische Staatsbürger dürfen das Schiff als Erste verlassen. Die übrigen Passagiere müssen an Bord warten, bis ihre Maschinen startbereit sind.
Während alle Reisenden und 17 Besatzungsmitglieder von Bord gehen, müssten 30 Crew-Mitglieder auf dem Schiff bleiben. Sie sollen die «MV Hondius» in die Niederlande überführen, erklärte die spanische Gesundheitsministerin Monica Garcia. Das Schiff soll nach der Ankunft vollständig desinfiziert werden.
WHO: Kein Beginn einer Pandemie
Beim Erreger handelt es sich um den sogenannten Andes-Typ. Bei diesem Stamm konnte eine Übertragung von Mensch zu Mensch bereits in der Vergangenheit in Einzelfällen dokumentiert werden. Symptome könnten laut WHO aufgrund der langen Inkubationszeit bis zu sechs Wochen nach einer Infektion auftreten. Der Hantavirus-Ausbruch sei zwar eine ernste Entwicklung, aber keinesfalls der Beginn einer Pandemie.