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Auswirkungen des Kriegs Kondome bis Computerchips: Was der Krieg alles teurer machen wird

Der Krieg im Nahen Osten und die Seeblockade in der Strasse von Hormus führen zu Lieferengpässen wichtiger Rohstoffe. Bei Benzin- und Dieselpreisen ist diese Entwicklung seit Beginn des Krieges sichtbar. Ein genauerer Blick zeigt jedoch: Auch alltägliche Produkte könnten bald merklich teurer werden.

Kondome

Der weltgrösste Kondomhersteller Karex plant, die Preise für Kondome um 20 bis 30 Prozent anzuheben. «Wir haben keine andere Wahl, als die Kosten an die Kunden weiterzugeben», sagte Firmenchef Goh Miah Kiat gegenüber Reuters.

Verschiedene bunte Kondome in Verpackungen.
Legende: Die Preise für Kondome könnten um bis zu 30 Prozent ansteigen. Getty Images/Peter Dazeley

Die Nachfrage nach Kondomen sei in diesem Jahr um rund 30 Prozent gestiegen, da viele Abnehmer nur noch geringe Lagerbestände hätten. Gründe für den Preisanstieg seien hauptsächlich gestörte Lieferketten, aber auch höhere Kosten für Rohstoffe wie synthetischen Kautschuk und Silikonöl.

Lebensmittelpreise unter Beobachtung

Laut einem Bericht der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO) sind vor allem die Preise für Pflanzenöl und Zucker seit Beginn des Krieges gestiegen. Als zentralen Faktor nennt die FAO höhere Energie- und Transportkosten, die sich entlang der gesamten Lebensmittelkette auswirken.

Aktuell sind noch keine Konsumgüterpreise aufgrund des Krieges gestiegen.
Autor: Prisca Huguenin-dit-Lenoir Leiterin Medienstelle Migros

Ob sich diese Steigerung der Preise auch in den Schweizer Supermärkten zeigen wird, ist unklar. Experten warnen, dass sich unter anderem die gestiegenen Düngerpreise mittelfristig auf die Kosten für Lebensmittel auswirken können. In Ländern mit hoher Kaufkraft seien die Auswirkungen aber begrenzt.

Die Leiterin der Medienstelle der Migros, Prisca Huguenin-dit-Lenoir, erklärt gegenüber SRF, dass der Detailhändler dank seinem starken Fokus auf Schweizer und europäische Produkte aktuell keine unmittelbare Gefahr für signifikante Preissteigerungen sieht. Bei einzelnen Produkten wie exotischen Früchten, Gewürzen oder Nüssen seien jedoch Preisveränderungen möglich, falls globale Lieferketten gestört würden. «Aktuell sind jedoch noch keine Konsumgüterpreise aufgrund des Krieges gestiegen», fügt sie an. Ähnlich klingt es auf Anfrage bei Coop.

Mascara, Lippenstift & Co.

Auch für Cremes und Kosmetika muss wohl bald tiefer in die Taschen gegriffen werden. Simone Dominici, Chef des italienischen Kosmetikkonzerns Kiko, erklärt, dass die steigenden Energiekosten zusammen mit Lieferverzögerungen die Preise in die Höhe drücken werden. Dazu kommen höhere Kosten für chemische Komponenten, welche oft aus dem Nahen Osten kommen.

Ausweichen auf teurere Alternativrouten

Box aufklappen Box zuklappen

Einige Kosmetikunternehmen suchen nach Wegen, die Störungen zu umgehen. «Kunden im Nahen Osten schätzen Qualität und sind bereit, für einen Mehrwert einen Aufpreis zu zahlen. Daher kann es negative Auswirkungen haben, wenn wir diese Märkte nicht erreichen können», sagt Fabio Franchina, Vorsitzender des Haarpflegeherstellers Framesi. Sein Vertriebspartner für die Region prüfe alternative Routen. «Sie ziehen alternative Transportwege in Betracht, etwa den Versand nach Dschidda und den Weitertransport der Waren auf der Strasse, anstatt sie über die Häfen am Persischen Golf zu leiten», sagte Franchina. Ein Teil der Waren werde zudem per Luft- statt Seefracht transportiert, was die Kosten weiter erhöhe.

Kleine Chips, grosses Problem

Der Iran-Krieg hat gravierende Auswirkungen auf die globale Chipindustrie und die Preise elektronischer Produkte. Ein Hauptgrund ist der Engpass bei Helium, einem essenziellen Edelgas für die Chipherstellung. Die Heliumproduktion in Katar, einem Hauptlieferanten, ist teilweise gedrosselt, und die Blockade der Strasse von Hormus erschwert den Transport.

Nahaufnahme einer Leiterplatte mit elektronischen Bauteilen.
Legende: Rund 90 Prozent der modernen Chips werden in Taiwan produziert. Getty Images/Angel Garcia

Hinzu kommt, dass die energieintensive Chipproduktion in Taiwan und Südkorea von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängt, was durch den Konflikt zu steigenden Betriebskosten führt. Dies könnte eine globale Chipkrise verursachen, die nicht nur Elektronik- und Automobilhersteller, sondern auch Smartphone-Produzenten trifft und letztendlich zu höheren Preisen aller mit Computerchips ausgestatteten Produkte führt.

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SRF 4 News, 23.4.2026, 9 Uhr;liea

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