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Avancen aus Fernost Chinas Heilsversprechen an den italienischen Patienten

Das Riesenreich baut an seiner neuen Seidenstrasse – und schielt nach Italien. Rom ist gespalten, Brüssel alarmiert.

Legende: Audio Neue Seidenstrasse: China will in Italien investieren abspielen. Laufzeit 02:50 Minuten.
02:50 min, aus Echo der Zeit vom 13.03.2019.

Die USA und auch europäische Länder tun sich schwer mit der neuen Rolle Chinas. Italien hingegen möchte enger mit den Chinesen zusammenarbeiten – und etwa Teil der neuen Seidenstrasse sein.

Nächste Woche wollen der chinesische Präsident Xi Jinping und der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte ein Dokument unterzeichnen, das Italien in das chinesische Mega-Projekt integriert.

Triest als Endpunkt

Die neue Seidenstrasse zur See führt von Chinas Häfen zuerst nach Süden, vorbei an Vietnam und Thailand, dann nach Indien und mündet schliesslich über den Suez-Kanal ins Mittelmeer. Dort ist auf allen chinesischen Karten zur neuen Seidenstrasse Triest als einer der Endpunkte verzeichnet.

Triest, der alte Hafen der Donaumonarchie, der schon für die Habsburger das Tor zur weiten Welt war, genau in diesen Hafen wollen nun also Chinesen einsteigen und gross investieren.

Auslieferung an Chinas Machtpolitik?

Teile Italiens und Europas hat das aufgeschreckt. Denn China hat auch sonst Interesse angemeldet, am Hafen von Genua zum Beispiel. Und Chinas Telekom-Gigant Huawei drängt ins italienische Kommunikationsnetz. Oder: grosse italienische Firmen, zum Beispiel der Reifenhersteller Pirelli, wurden bereits von chinesischen Investoren geschluckt.

Das weitere bilaterale Verhältnis, in dem selbstverständlich Peking den Ton angibt, will China nun in einem Dokument festschreiben. Dessen Inhalt kennt derzeit weder Italiens Parlament noch die Öffentlichkeit. Und auch US-Aussenminister Mike Pompeo bezeichnete es als undurchsichtig. Er warnte Italien vor dessen Unterzeichnung.

Zweifler gibt es aber auch in Italiens Regierung selbst. Vizepremier und Lega-Chef Matteo Salvini befürchtet den Verlust italienischer Souveränität. Salvini, der erklärte Verehrer Donald Trumps, hält sich lieber an den US-Präsidenten als an jenen Chinas.

Ganz anders Premier Giuseppe Conte und Fünf-Sterne-Chef Luigi Di Maio. Sie wollen den Pakt mit China und sie versprechen, das werde italienischen Firmen und ihren Waren den Weg ins Reich der Mitte ebnen. Die Unterschrift unter das Dokument zur Seidenstrasse sei einzig und allein ökonomisch und nicht politisch.

Di Maio, Conte und Salvini
Legende: Drei Männer, zwei Meinungen: Während di Maio und Conte (links und Bildmitte) wirtschaftlichen Aufschwung von der Zusammenarbeit mit China erwarten, warnt Salvini vor Souveränitätsverlust. Keystone

Naiv sei das, sagt Italiens Opposition. Wenn man nächste Woche unterzeichne, dann schwäche diese Unterschrift die Position der gesamten EU gegenüber Peking. Und es stärke China, dessen Wirtschaft, aber auch dessen politisches System, das bekanntlich alles andere als eine Demokratie ist.

Das schwächste Glied in der Kette

Chinas Machthaber haben sich mit Italien das derzeit schwächste der grossen westeuropäischen Länder herausgepickt. Jenes Land, dessen Wirtschaft seit Jahren schon weit weniger wächst als jene der Nachbarn und das erneut in einer Rezession steckt.

Das hat zumindest einen Teil der italienischen Regierung dazu gebracht, das Heil in China zu suchen. Während die EU oder europäische Investoren bisher wenig Interesse zeigten, Geld in die oft marode italienische Infrastruktur zu stecken.

Legende: Video Aus dem Archiv: Neue Seidenstrasse – Chinas Weg zur Welteroberung abspielen. Laufzeit 25:37 Minuten.
Aus ECO vom 27.08.2018.

Infografik: So sieht der Verlauf der neuen Seidenstrasse aus

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Stefan von Känel (Trottel der feinen Gesellschaft)
    Das Schreckgespenst China. Hören Sie doch auf...hier wird doch einfach wieder mal der gelbe Teufel an die Wand gemalen. Was soll nun das Problem sein? Dass China keine Demokratie wie z.B. unser lieber Partner Saudi-Arabien ist? Ich sehe ein Projekt zur Kooperation zwischen Europa und Asien, und gute Handelsbeziehungen haben sich stets als stabilisierend erwiesen. Davon hat die Welt definitiv einiges mehr nötig, als von der Ideologie (K)alter Krieger wie Pompeo oder Bolton.
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  • Kommentar von René Balli (René Balli)
    China wird aus lauter wirtschaftlichem Denken völlig überschätzt! Umweltprobleme und soziale Unruhen werden auch China bremsen, die Bäume wachsen auch in China nicht in den Himmel. China wird und hat schon jetzt Probleme genügend Nahrungsmittel herzustellen, die Vorstellung, dass China anderen Ländern helfen wird, ist reiner Wahnsinn. Dieser globale Wirtschaftswahn raubt uns völlig den Verstand und das Bewusstsein, was schlussendlich wichtig ist. Auch in China hängt der Frieden am Benzinpreis
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  • Kommentar von Peter Mueller (Elbrus)
    Die Seidenstrasse ist nur ein neuerer Handelsweg. Die einzigen die dort nicht beteiligt sind - werden die USA bleiben. Chinesischer Handel ist keine Einbahnstrasse. Die EU arbeitet an 6 Verträgen mit China. Daneben gibt es an der Seidenstrasse noch mindestens 300 Mio. Anderer Kunden von Russland, Pakistan, Iran, Kazakstan, Iraq, Saudi-Arabien um nur ein paar zu nennen. Die Schiffsroute wird stark verlieren. Im Hafen von Piraeus gibt es grosse Zuwachsraten seit die Chinesen vor Ort sind.
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