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Legende: Audio Aufgeschoben ist nicht aufgehoben abspielen. Laufzeit 04:20 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 25.02.2019.
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Handelsstreit mit den USA «Der Westen hat China unterschätzt»

Ob wegen Zöllen oder Huawei: Das Verhältnis des Westens zu China ist angespannt. Ein Gespräch mit dem chinesischen Botschafter in der Schweiz.

Geng Wenbing, Chinas Botschafter in der Schweiz, sitzt im offiziellen Repräsentationsraum der Residenz in Muri bei Bern, in einem von zwei weissen Ledersesseln. Neben ihm ein Salontisch aus Holz, etwas versetzt der Dolmetscher. An der Wand hängen grosse, schwarz-weisse Landschaftsbilder.

Geng Wenbing beginnt das Gespräch mit einem Blick zurück. Lange sei China rückständig gewesen, vor allem im Bereich Wissenschaft und Technik.

Geng Wenbing

Geng Wenbing

Chinesischer Botschafter in der Schweiz

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Geng Wenbing ist seit Februar 2016 Botschafter der Volksrepublik China in der Schweiz. Zuvor war der Diplomat im afrikanischen Benin, auch auf den Seychellen und in Syrien war er als Botschafter tätig. Im diplomatischen Dienst steht er seit 1981. Er absolvierte ein Studium in Französischer Literatur an der Pekinger Fremdsprachen-Universität.

Marktzugang im Tausch gegen Know-how

Deshalb betrachte China die westlichen Länder als Vorbilder und wolle von ihnen lernen. Das geschehe in drei Phasen: Zuerst habe China westliche Güter nur importiert. Dann habe die Industrie begonnen, die Waren zu kopieren und selber zu produzieren. Und jetzt wolle man selber innovativ sein.

Während des Gesprächs wird mehrfach deutlich, dass Fortschritt und Entwicklung nichts Zufälliges sind. Dahinter steckt eine klare Absicht: China will an die Weltspitze, überall. Westliche Technik sei gezielt ins Land geholt worden, erklärt der Botschafter: «Manche im Westen sagen, das sei ein Zwangstransfer von Technologie. Wir nennen es ‹Markt gegen Technologie›.»

Als Beispiel nennt Geng den deutschen Autobauer Volkswagen: VW hat Zugang zum chinesischen Markt erhalten. Im Gegenzug muss VW Fahrzeugteile in China produzieren. «Markt gegen Technologie» – davon profitierten letztlich beide Seiten, ergänzt Geng: Westliche Unternehmen verdienten in China gutes Geld, China wiederum könne von solchen Transfers lernen. Wo das hinführe, zeige sich jetzt beim Mobilfunkkonzern Huawei.

Kritik an Huawei – Kritik an China?

Lange habe Huawei nur kopiert. Inzwischen aber sei das Unternehmen so gut, dass es an der Weltspitze stehe, sagt der Botschafter. Das sei aber nicht gern gesehen. Deshalb werde das Unternehmen jetzt kritisiert. Das spitzbübische Lachen in Gengs Stimme, während er das sagt, ist schwer zu interpretieren.

Aber dass der Westen so reagiert, wenn nun plötzlich ein chinesisches Unternehmen an der Weltspitze ist, scheint ihn offensichtlich zu irritieren.

Aber er liefert auch gleich eine Erklärung dafür. Es fehle im Westen schlicht das Wissen über China. Deshalb habe man sein Land unterschätzt. Die Kritik am Aushängeschild Huawei ist für ihn Ausdruck eines verbreiteten, grundlegenden Misstrauens gegenüber China. Geng lehnt sich zurück und zündet sich eine Zigarette an. Das sei auch der Grund für den Handelsstreit: Die USA als Weltnummer 1 hätten Angst vor Chinas Aufstieg.

Immer noch grosser Abstand zum Westen

Doch diese Angst sei unbegründet, schliesslich sei der Abstand zwischen den beiden Ländern immer noch gross. Allerdings: Nur eine globale Weltmacht sei gefährlich. Es brauche eine zweite Kraft in einer ähnlichen Situation.

Wir wollen nicht zerstören, sondern mitgestalten.
Autor: Geng WenbingChinesischer Botschafter in der Schweiz

«Wir wollen nicht zerstören, sondern mitgestalten», schliesslich sei man eine Schicksalsgemeinschaft, so der diplomatische Vertreter in Bern weiter.

Was den Handelsstreit mit den USA angeht, ist er optimistisch, dass eine Lösung gefunden wird. Denn auch das wird am Ende des Gesprächs mit Botschafter Geng deutlich: China denkt nicht in kurzen Zeitabschnitten. Und auch wenn sich das Land konziliant gibt: Es verfolgt seinen Weg, seinen Aufstieg unbeirrt, und gestaltet ihn nach seinen Regeln.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    Alles gut und recht, wenn China wenigstens demokratische Ansätze wie Indien hätte. Aber seit ich den SRF-Artikel "Der Traum vom Totalitären Staat" gelesen habe, graut mir vor den 30 Mio Mitgliedern der KPC. Ich gebe dem Botschafter recht, im Moment hat die Welt vor China nichts zu befürchten. Was ist aber in 20 oder 30 Jahren. Und was ist mit den arbeitenden Menschen, die vielfach zu wenig zum Leben und dennoch zuviel zum Sterben haben. Was ist mit den Tibetern, Uiguren, der Druck auf Taiwan.???
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