Zum Inhalt springen

Header

Audio
Clan-Kriminalität in Schweden
Aus SRF 4 News aktuell vom 04.06.2021.
abspielen. Laufzeit 05:57 Minuten.
Inhalt

Bandenkriminalität Bandenkriege machen Schweden zu EU-Spitzenreiter bei Waffengewalt

Kein EU-Land hat mehr Schusswaffenmorde zu verzeichnen als Schweden, wie ein Bericht der schwedischen Regierung zeigt.

Was ist in Schweden los? Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der schwedischen Regierung zeigt, dass Schweden europäischer Spitzenreiter ist, was die tödliche Schusswaffengewalt angeht. Allein in den Tagen um das letzte Wochenende gab es drei Schiessereien mit je einem Todesopfer. Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann spricht von einer explosiven Mischung: «Das sind kriminelle Banden mit starken Clan-Verbindungen im Nahen Osten, die sich in diesen Beton-Vororten schwedischer Grossstädte bis aufs Blut bekämpfen.

Weshalb haben die kriminellen Banden Erfolg und Zuwachs? Drei Entwicklungen sind laut Bruno Kaufmann massgebend. Da sei die Siedlungspolitik aus den 60er- und 70er-Jahren, als man moderne Vorstädte auf die grüne Wiese setzte, weit weg von den Stadtzentren. Zum Zweiten führe Schweden fast die repressivste Drogenpolitik Europas. Daher hätten kriminelle Banden dort Zulauf. Zum Dritten gebe es in diesen Vororten eine einseitige Ansiedlung von Flüchtlingen aus Nahost und Nordafrika – sozial und wirtschaftlich Benachteiligte. Für einige seien die Banden die einzige Aufstiegschance.

Warum kriegt Schweden das Problem nicht in den Griff? «Hier hat sicher die Politik versagt», sagt der Skandinavien-Korrespondent. Bei der sehr repressiven Drogenpolitik gebe es eigentlich keine Öffnung für eine abgefederte, mehrstufige, auch präventive Politik. Da seien sich die politischen Parteien einig. Auf der anderen Seite habe Schweden doch eine relativ liberale Kriminalpolitik geführt. «Wenn man Waffen besitzt oder Anschläge verübt, ist man relativ schnell wieder aus dem Gefängnis herausgekommen.» Und diese Mischung habe dazu beigetragen, dass es auch zu diesem starken Anstieg von Schusswaffengewalt gekommen ist.

Sind Lösungen in Sicht? Die Politik ist sich laut Kaufmann sehr uneinig bei diesem Thema, gerade mit Blick auf die Wahlen im nächsten Jahr. Es stünden sich die rot-grüne Regierung und die rechtsbürgerliche Opposition gegenüber. Beide würden sich sehr starke Schuldzuweisungen für das jetzige Versagen machen. Nach einer Lösungsfindung sehe es nicht aus.

Gibt es regionale Unterschiede? Es soll in Schweden ca. 22 solche Stadtteile geben, vor allem bei den Grossstädten Stockholm, Göteborg und in Malmö. Die Zentrumsnähe mache jedoch einen Unterschied, sagt der Journalist. So habe man in den letzten Jahren in Malmö – im Gegensatz zu Stockholm und Göteborg – grosse Anstrengungen unternommen, um die kriminellen Banden zurückzubinden.

Inwiefern ist die breite Bevölkerung involviert? Die meisten Schweden würden davon im Alltag nichts spüren, weil es nicht wirklich sichtbar sei, so Bruno Kaufmann. Vor etwa sieben, acht Jahren habe Schweden eine Chance verpasst: «Damals kam es zu Jugendunruhen. Viele Jugendliche haben protestiert. Die Politik hatte versprochen, Milliarden in die Gebiete zu investieren.» Das sei nicht passiert. Nun habe man die Quittung bekommen: Schweden ist der Spitzenreiter bei der tödlichen Gewalt mit Schusswaffen. «Das ist für ein wohlhabendes, friedliches Land wirklich nicht akzeptabel.»

SRF4 News, 04.06.2021, 06:50 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

49 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Mirjam Hoss  (Snipsnapper)
    Ursache und Wirkungen werden immer wieder verwechselt: Wer die europäische Kultur verachtet und sich nicht eingliedern WILL, der KANN nicht eingegliedert werden. Egal wie viel Unterstützung ihm dafür angeboten wird seitens einer Regierung.
  • Kommentar von Erwin Jenni  (ej)
    Das hat alles sicher nichts zu tun mit der illegalen Einwanderungswelle von 2015?!? Ich habe schon damals davon gewarnt, dass diese kriminelle Energie miteingewandert ist nach Europa. Auch die Vergewaltigungen haben seitem sprunghaft zugenommen. Aber eben, wenn man dieses Thema anschneidet, ist man entweder "rechtsextrem" oder fremdenfeindlich. Gute Nacht Europa!
  • Kommentar von Salzmann Benjamin  (Benjamin Salzmann)
    Ich erinnere noch 2014/2015, als das schwedische Model von weltfremden Politikern als vorbildlich etc. angesehen wurde und konservative Haltungen abgelehnt wurden. Nun erhält man in Schweden die Quittung. Grenzen auf ohne Plan und zur Bestellen grosser Summen zur Integration endet es genauso. Parallellgsellschaften entsthenen. Grüsse nach Schweden dann. Viel spass mit den noch jahrzehnten andauernden Spannungen