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Bekämpfung von Rassismus «Antisemitismus ist eine internationale Herausforderung»

In St. Gallen findet derzeit eine OSZE-Konferenz gegen Antisemitismus statt, ausgerichtet vom Vorsitzland Schweiz. Marianne Helfer, Leiterin der Fachstelle für Rassismusbekämpfung beim Bund, erklärt im Gespräch, warum der persönliche Austausch wichtig ist und was die Schweiz von anderen Ländern lernen kann.

Marianne Helfer

Leiterin der Fachstelle für Rassismusbekämpfung

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Marianne Helfer ist seit Oktober 2021 Leiterin der Fachstelle für Rassismusbekämpfung (FRB) beim Bund.

Zuvor arbeitete Marianne Helfer als Fachspezialistin in der Integrationsförderung im Staatssekretariat für Migration (SEM) und während rund zehn Jahren als Projektleiterin im Kompetenzzentrum Integration (KI) der Stadt Bern. Dort war sie unter anderem zuständig für die Konzeption und Umsetzung der Strategie der Stadt Bern gegen Rassismus. 

Marianne Helfer hat an der Universität Bern Sozialanthropologie, Spanische Literaturwissenschaften und Neueste Geschichte studiert und 2006 mit dem Lizentiat abgeschlossen.

SRF News: Was ist das Ziel dieser Konferenz?

Für mich ist die internationale Vernetzung zentral. Antisemitismus kennt keine Grenzen, er ist eine internationale Herausforderung. Es ist spannend, zu hören, was andere Länder tun, und persönliche Kontakte zu knüpfen. Das hilft später bei der Weiterentwicklung eigener Massnahmen.

Eine Gruppe von orthodox-jüdischen Männern von hinten fotografiert.
Legende: Der Kampf gegen Antisemitismus hat laut Marianne Helfer nicht am 7. Oktober begonnen und wird auch nicht mit dem Ende des Gaza-Kriegs aufhören. (Symbolbild) Reuters/Ronen Zvulun

Die Konferenz wird jedes Jahr vom Vorsitzland der OSZE organisiert. Letztes Jahr waren Sie in Helsinki bereits mit dabei. Was kann die Schweiz konkret von anderen Ländern lernen?

Zum Beispiel den Umgang mit unseren föderalistischen Strukturen. Wir haben uns mit Österreich und Deutschland ausgetauscht, wie sie ihre Bundesländer im Kampf gegen Antisemitismus einbinden. Das ist inspirierend, obschon auch sie noch nicht am Ziel sind. Eine konkrete Idee ist, dass es in jedem Bundesland eine feste Ansprechperson gibt. Inputs aus Gesprächen in Helsinki waren auch entscheidend bei der Erarbeitung unserer neuen nationalen Strategie gegen Rassismus und Antisemitismus. Zu erfahren, wie andere Länder ihre Strategien erarbeitet haben und wo mögliche Fallstricke lauern, ist sehr hilfreich.

Antisemitismus in der Schweiz ist nicht am 7. Oktober entstanden, er ist eine historische Konstante.

Der Antisemitismus hat seit dem Angriff der Hamas auf Israel und dem Krieg in Gaza stark zugenommen. Ist das auch in anderen Ländern so?

Ja, das ist ein internationales Phänomen. Verschiedene Länder berichten aber an der diesjährigen Konferenz, dass die Vorfälle im vergangenen Jahr wieder zurückgegangen sind. In der Schweiz ist dies nicht der Fall. Allerdings stehen wir vergleichsweise auf einem deutlich tieferen Niveau. Der 7. Oktober war sicher ein Auslöser. Was aber wichtig ist: Ein Auslöser kann nur wirken, wenn bereits etwas da ist. Antisemitismus in der Schweiz ist nicht am 7. Oktober entstanden, er ist eine historische Konstante.

Wie ist die Stimmung an der diesjährigen Konferenz im Vergleich zum Vorjahr?

Die Stimmung ist weniger alarmiert. Letztes Jahr in Helsinki stand alles noch stark unter dem Eindruck des 7. Oktober und des Kriegs in Gaza. Jetzt ist die Atmosphäre ruhiger, was vielleicht gut ist. Man kann sich wieder besser auf die eigentliche Arbeit konzentrieren. Der Kampf gegen Antisemitismus hat nicht am 7. Oktober begonnen und wird auch nicht mit dem Ende des Gaza-Kriegs aufhören. Wir müssen kontinuierlich daran arbeiten.

Seit diesem Jahr hat die Schweiz zum ersten Mal eine nationale Strategie gegen Rassismus und Antisemitismus. Was bringt das?

Es ist die erste Strategie, die der Bundesrat verabschiedet hat. Dass es gelungen ist, sich auf Handlungsfelder zu einigen, auf Ziele, die man in den nächsten Jahren erreichen will, erachte ich als einen Meilenstein.  

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Tagesgespräch, 10.2.2025, 13 Uhr ; 

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