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Russlands Wirtschaft taumelt
Aus Tagesschau vom 23.03.2020.
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Bereits vor Corona-Krise Russlands Wirtschaft am Boden

Die schwere Krise ereilte die russische Wirtschaft, noch bevor das Coronavirus das Gesundheitswesen an die Grenzen seiner Kapazität brachte. Innerhalb weniger Wochen verlor die russische Währung fast ein Drittel ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar. Damit hat der Rubel eine Talfahrt hingelegt wie seit Jahren nicht mehr.

Bedrohung für ganze Branchen

Die Probleme nahmen ursprünglich ihren Lauf nach einem Streit mit Saudi-Arabien um den Öl-Preis Anfang März. Mit der weltweit wachsenden Corona-Krise schlitterte die russische Wirtschaft in eine desaströse Abwärtsspirale. Finanzminister Anton Siluanow bezifferte den Einnahmeverlust im Öl- und Gasgeschäft auf satte 3000 Milliarden Rubel. Dies entspricht umgerechnet rund 36 Milliarden Schweizer Franken. Noch am selben Tag sicherte der Finanzminister vergangene Woche der Wirtschaft finanzielle Unterstützung zu, um das Ende ganzer Branchen zu verhindern.

Diese Massnahmen kommen jedoch nur einem kleinen Kreis von Firmen zugute, sagt der Ökonom und Unternehmer Dmitri Potapenko: «Kleine und mittelständige Unternehmen werden in den kommenden zwei bis drei Monaten einfach aussterben. Viele hatten bereits jetzt zu kämpfen. Alle diese sogenannten Massnahmen werden nicht helfen. Man müsste alle Steuern bis und mit Juli einfach erlassen für klein- und mittelständige Unternehmen.»

Das Schweigen des Präsidenten

Präsident Wladimir Putin hat sich bisher nicht mit einer Rede an die Bevölkerung gewandt. Dies hat er laut seinem Sprecher, Dmitri Peskow, auch demnächst nicht vor zu tun. Zur Verbreitung des Coronavirus im Land sagte Putin vergangene Woche: «Angesichts des grossen Risikos haben wir die Situation insgesamt unter Kontrolle. Dazu sind unser Gesundheitssystem, die Grenzkontrolle und weitere Dienste im Einsatz.» Während Präsident Putin sich in Schweigen hüllt, nimmt der wirtschaftliche Abschwung dramatische Ausmasse an. Das ist für die Menschen in Russland im Alltag unmittelbar spürbar.

Gastronomie kämpft ums Überleben

Restaurants müssen aufgrund fehlender Kundschaft reihenweise schliessen, Preise für Taxifahrten sind im Keller und kleine Cafés versuchen, mit Spendenaktionen den eigenen Konkurs noch abzuwenden. Mit staatlicher Unterstützung können die kleinen und mittelgrossen Betriebe nicht rechnen. In den Lokalen, die noch geöffnet haben, kann man dem Personal dabei zusehen, wie sie mit Schutzhandschuhen die Menükarten mit Desinfektionsmittel putzen. Trotz diesen Anstrengungen kommen kaum Gäste vorbei, schildert Restaurantmanager Alexander Ledeschkow gegenüber SRF: «Unsere Mitarbeiter tragen bis jetzt zwar noch keine Schutzmasken. Wir versuchen aber, alle anderen möglichen Massnahmen umzusetzen. Das geht hin bis zu ultraviolettem Licht in der Küche.»

Leere Taschen selbst in Moskau

Dabei schätzt sich glücklich, wer im Moment noch zur Arbeit kann. «Ich wurde gefragt, ob ich heute nicht zu Hause bleiben könne. Ich sagte ja. Denn ich will ja nicht fürs Nichtstun Gehalt bekommen, ich will auch wirklich arbeiten», schildert Ullubij Tschopalajew, der in der Gastronomie arbeitet. Die finanziellen Sorgen spüren auch Musiker, die vom Verbot von Massenveranstaltungen nicht betroffen sind: «Die Menschen sind arm geworden. Selbst hier auf der Strasse geben sie dir selten Geld, wenn du spielst», sagt ein Strassenmusiker gegenüber SRF. Er plant jetzt in seine Heimat nach Sibirien zu fahren. Für weite Teile der russischen Wirtschaft scheint es bereits jetzt zu spät, einen Ausweg aus der Krise zu finden.

Luzia Tschirky

Luzia Tschirky

Russland-Korrespondentin

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Luzia Tschirky ist SRF-Korrespondentin für die Region Russland und die ehemalige UdSSR.

Tagesschau, 23.03.20, 19.30 Uhr

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45 Kommentare

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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Amerika hat Europa seit 70 Jahren verknechtet. Das schriftliche Versprechen die Nato nicht zu vergroessern auf die ehemaligen Staaten des Warschauerpaktes wurde nicht eingehalten. Vielleicht ist das heutige Russland bereit mit Europa zu arbeiten, was den USA aber gar nicht gefaellt. Nach dem Sturz des Dollars werden wir auch keine Milliarden bezahlen müssen wenn etwas dem Onkel Sam nicht gefaellt.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Die ehemaligen Ostblockstaaten, die als souveräne Länder aufgrund eigenem Entschluss der NATO beigetreten sind, haben zu keinem Zeitpunkt ein Versprechen dergestalt abgegeben, nicht der NATO beizutreten. Alles andere wäre eine Bevormundung dieser Länder und Kokolores, insbesondere vor dem historischen Hintergrund, wo diese Länder etliche Jahrzehnte schlimme Erfahrungen mit Sowjetrussland machen mussten.
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    2. Antwort von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
      Herr Chauvet, Sie glauben doch nicht ersthaft, dass die Länder in Europa die Osterweiterung der Nato freiwillig gemacht haben. Im Hintergrund steht doch der Finanz/Industrie Block der Amis der die Nato seit eh und je führt.
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Haben denn nun wirklich alle vergessen dass Russland zu Europa gehoert. De Gaules hatte es richtig ausgedrückt, vom Atlantik zum Ural. Europa gehoert nicht zu Amerika. Wir werden das alle noch lernen.
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    1. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      Geografisch vielleicht, politisch dennoch ist man so weit entfernt wie, Jahrzehnte nicht mehr.
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    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Der Kreml hatte nie eine eurpoafreundliche Politik betrieben. Im Gegenteil: 40 Jahre lang wurde halb Europa unterjocht.
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    3. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      Hinzu kommt das Merkel immer wieder versucht hat, Putin die Hand zu reichen. Ihre unermüdlichen Versuche bewundere ich, aber so langsam glaube ich, daß auch sie resigniert.
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    4. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Schon richtig, Herr Henchler. Allerdings ist Putin anfangs auch auf den Westen zugegangen, bis er leider feststellen musste, dass den Versprechungen nicht zu trauen ist. Stichworte: Nato-Ost-Erweiterung, Stationierung von Raketen.
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    5. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      Herr Kleffel. Ich habe lange hinsichtlich NATO Osterweiterung recherchiert und bin zu der Erkenntnis gekommen, daß es nie einen standhaften und belegbaren bzw. verbindlichen Vertrag, der für diese Größenordnung angemessen wäre, gegeben hat. Aus diesem Grund ist die Annahme, daß es jemals eine verbindliche Zusage, westlicher Politiker gegeben hat, einfach nicht korrekt. Wenn Ihnen andere belegbare Erkenntnisse vorliegen, können Sie es mich ja gerne wissen lassen.
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    6. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      @Kleffel: Umgekehrt darf Putin direkt an Europas Grenzen ganze Armeen stationieren und fast schon mitten in Europa an der Ostsee Nuklearwaffen stationieren? Kein Wunder, dass in Anbetracht dieser gigantischen militärischen Bedrohung Russlands und der bösen Ukraine-Historie, insbesondere bei den angrenzenden kleinen Länder Angst und Schrecken grassieren und diese als souveräne Staaten frei einem Militärbündnis wie der NATO beitreten. Letztere haben RUS nicht versprochen, dies nicht zu tun.
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  • Kommentar von Roger Gründler  (Roger G.)
    Gemäss Experten (NY Times, Bloomberg etc.) wird Russland diese Krise (Öl +Corona) besser überstehen, als viel andere westliche Industriestaaten. Ich hoffe, wir in der CH überstehen das auch so gut. Bleiben Sie alle gesund!
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    1. Antwort von Frank Henchler  (Die Wahrheit ist oft unbequem)
      Ich habe nichts darüber gefunden. Haben Sie eine Quellenangabe? Prognosen zu diesem Thema waren mehrheitlich FALSCH ! Die Schweiz hat sich vor einem Monat noch lächerlich gemacht, indem man in verschiedenen Medien titelte " Was kann Europa von der CH lernen ?" Naja, wie man sieht, eigentlich nichts !
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    2. Antwort von Georg Spengler  (Streamline500)
      Naja Herr Henchler da gibt’s einiges aber was ihr halt nicht könnt ist mit Kritik umzugehen darum lehrnt ihr auch nichts dazu, euer Vorteil ist o815 Produkte zum Billigpreis darum läufts noch bei Euch. Die gute Qualität von früher war einmal leider.
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    3. Antwort von Roger Gründler  (Roger G.)
      @Frank Hechler Die Quellen finden Sie oben...googeln hilft! Aber ich will mal nicht so sein...NYTimes "Thanks to Sanktion.... Artikel von vor 4 Tagen von I. Ponomarev. UND natürlich haben Sie recht...eine Prognose ist im Moment sehr schwierig zu tätigen...das betrifft aber alle Staaten. Warten wir es ab und hoffen wir das Beste für alle Staaten! Und bleiben Sie gesund (auch wenn Sie wahrscheinlich meinen Post wieder ablehnen werden).
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    4. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @Gründler, nach PricewaterhouseCoopers wird Russland Deutschland 2030 als die stärkste Wirtschaft Europas ablösen und die Führerschaft nicht mehr abgeben.
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