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Nun reagiert auch Russland
Aus SRF 4 News aktuell vom 18.03.2020.
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Kampf gegen Coronavirus Russland macht dicht

Lange hat der Kreml gezögert, ernsthafte Massnahmen gegen das Coronavirus zu erlassen. Nun gehen Grenzen und Schulen zu.

«Insgesamt ist die Lage unter Kontrolle», sagt Wladimir Putin mit ernster Miene. Hinter ihm eine Russlandfahne, vor ihm an einem langen Tisch die ganze politische Elite: unter anderem die Minister, die Chefin der Zentralbank, der Bürgermeister von Moskau. Der Präsident signalisiert damit, dass das Coronavirus in Russland nun auch Chefsache ist.

Tagelang haben die russischen Behörden so getan, als fände die Epidemie nur im Ausland statt. Reisende aus betroffenen Ländern wurden am Flughafen kontrolliert, mussten in Quarantäne. Sonst herrschte weitgehend Normalbetrieb.

Dunkelziffer ist hoch

Grund für den bisher so entspannten Umgang: Stand Mittwochmittag gibt es erst 114 offiziell bestätigte Corona-Fälle. Tatsächlich dürfte die Zahl deutlich höher sein. Der Kreml jedenfalls erlässt nun doch weitreichende Massnahmen.

Ab Mittwoch werden sämtliche Grenzen für Ausländerinnen und Ausländer geschlossen, nur Diplomaten und einige wenige andere Gruppen dürfen noch einreisen. Ab Montag werden auch die Schulen landesweit geschlossen. Vor allem in der Hauptstadt Moskau stellen immer mehr Firmen auf Homeoffice um. Die Behörden haben zudem angeordnet, dass Besucher von Restaurants einen Mindestabstand einhalten sollen.

Menschen putzen U-Bahn.
Legende: Öffentliche Verkehrsmittel in Moskau werden desinfiziert. Reuters

Ausserhalb der Stadt sind bereits die Bauarbeiten für ein Notspital im Gang: 500 Betten sollen entstehen – die Hälfte davon mit Beatmungsgeräten. Das russische Gesundheitswesen dürfte rasch überfordert sein, wenn die Infektionszahlen stark ansteigen. Deswegen müsste auch in Russland oberstes Gebot sein, die Ausbreitung des Virus möglichst zu verlangsamen.

Ob die bisherigen Massnahmen dafür reichen? Es muss bezweifelt werden. In Moskau jedenfalls geht seit Dienstag das Gerücht um, die Stadt werde demnächst abgeriegelt und es gebe eine Ausgangssperre. Der Krisenstab hat solche Absichten bestritten. «Fake News» seien das, hiess es in einer offiziellen Mitteilung.

«Die Leute haben Angst»

Viele Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt allerdings machen sich langsam Sorgen. «Die Leute haben Angst», sagt eine Mitarbeiterin einer Apotheke am Lenin-Chaussee. «Kaum bekommen wir eine Ladung Desinfektionsmittel, ist die innert Stunden weg.» Masken gibts in der Apotheke nur noch «Marke Eigenbau»: Medizinische Wundgazen werden mit Gummibändern und Bostitch zum Seuchen-Schutz zusammengebastelt.

Ungewöhnliche Szenen auch in Supermärkten, in einer Filiale der Kette «Perekrjostok» im Zentrum der Hauptstadt: an den Kassen lange Schlangen. Die Menschen kaufen Mehl, Reis, Pasta – und vor allem «Gretschka», Buchweizen. Die «Gretschka» gilt den Russen als ultimative Not-Nahrung. Das Korn ist billig, gesund und hat viele Kalorien. «Wir kommen kaum nach mit Auffüllen», sagt eine Supermarkt-Verkäuferin.

Die Epidemie trifft Russland in einer politisch heiklen Phase. Präsident Putin hat im Januar eine umfassende Verfassungsreform angestossen. Inzwischen ist klar: Die Reform sieht auch vor, dass er sich faktisch an keine Amtszeitbeschränkung mehr halten muss. Das Parlament hat die Vorschläge bereits abgesegnet.

Letzte Hürde bleibt eine Volksabstimmung, die auf den 22. April angesetzt ist. Putin will vorerst an dem Termin festhalten, eine Verschiebung wird aber nicht ausgeschlossen. Die Gesundheit der Bürger, so der Präsident, gehe vor.

SRF 4 News, 18.03.2020, 06:45 Uhr

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Sebastian Mallmann  (mallmann)
    Ein weiteres Mal beweist der Autor das Talent, tendenziöse Berichte zu schreiben. Wie war das bei uns an den PK des Bundesrates, am 13. und 16.? Die ernste Miene von Frau Sommaruga, die Schweizer Fahnen im Hintergrund, die versammelte "Elite", und der Eindruck, dass das Virus gerade zur Chefsache erklärt wird. Alles Trivialitäten, aber im Falle Russlands muss das natürlich erwähnt werden.
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  • Kommentar von Peter Bosshard  (Milan48)
    3000 bis 8000 AdA‘s wurden aufgeboten, wie viele schlussendlich einrücken wird man sehen. Auf dem Flugplatz Dübendorf wurden nun auch die letzten beiden Flugzeughallen 1 und 2 dem Innovationspark übergeben. Aufgrund der rasanten Ansteckungszahlen sollte die Armee schnellstmöglich, zumindest in der Halle 2 mit dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur für Betten, isolierten Zellen (Container) etc. beginnen. Gleichzeitig ein mobiles Drive through System für Tests installieren!
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  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Russland hat die Grenze zu China schon am 30.01.2020 geschlossen - lange bevor eine Europäische Regierung überhaupt reagiert hat. Das gleiche gilt für die Mongolei. In Moskau ist trotz minimaler Einschränkung Business as usual. Die Russen verfolgen ein starkes Triagekonzept. Selbst Flugzeuge von Virus Ländern können nur im Terminal F in Schermetjewo landen. Auch wird ein neues Spital hochgezogen. Primär für Viruskranke. Es wird nicht wie in der Schweiz alles dem Unispital übergeben.
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    1. Antwort von Ev Roy  (evroy)
      Das nenne ich Massnahmen angesichts einer Pandemie.
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    2. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      Was die Unterkünfte anbelangt, so dürften wahrscheinlich bestimmte Hotels, die sonst leer stehen und nicht ausgelastet sind, sich besser eignen, als Hallen. Ich denke da liesse sich doch einiges bewerkstelligen. Massenunterkünfte sind nicht gerade geeignet bei solchen Pandemie-Risiken. Die Leute sind da nämlich "auf einem Haufen beisammen", was einer weiteren Verbreitung eher dienlich ist. Ziel ist jedoch die Eindämmung um die Ausbreitung in den Griff zu bekommen.
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