Was hat die US-Regierung beschlossen? Die USA vollziehen unter Präsident Donald Trump eine Kehrtwende in der Klimapolitik. Seit 2009 galt, dass Treibhausgase wie CO₂ die öffentliche Gesundheit gefährden. Auf dieser Grundlage gab es in den USA zahlreiche Klimaschutzvorschriften, etwa wie viel CO₂ ein Auto, ein Lastwagen oder eine Fabrik ausstossen darf. Laut Präsident Trump hätten diese Vorschriften der US-Wirtschaft geschadet, weshalb er nun den Grundsatz von 2009 streicht und damit verschiedenen Klimaschutzregeln die Grundlage nimmt. Einzelne US-Bundesstaaten und auch Umweltverbände wollen diese Entscheidung jedoch nicht hinnehmen, sie drohen mit Klagen. Die US-Klimapolitik dürfte also ein Fall für die Gerichte werden.
Wie reagiert die Wissenschaft? Der Klimaforscher Reto Knutti von der ETH Zürich sagt im Interview mit SRF, dass dieser Entscheid der US-Regierung nicht überraschend komme. Es sei die neueste Entwicklung einer ganzen Serie: So wollten die USA aus dem Pariser Klimaabkommen oder dem UNO-Klimarat austreten. Jetzt wolle Trump auch innerhalb der USA das Gesetz zur Regulierung von CO₂ kippen. Wissenschaftlich habe dieser Schritt aber keine Basis, so Knutti weiter. Die Fakten des Klimawandels seien schon lange klar und verstanden. Auch der Einfluss des Menschen auf das Klima sei klar. Dieser Schritt sei ein gezielter Schlag gegen die Fakten und gegen die Wissenschaft, weil man keine kritischen anderen Meinungen dulde.
Warum werden aus Fakten Meinungen? «Donald Trump macht das, was ich schon länger als Verkehrung ins Gegenteil bezeichne», sagt Sylvia Sasse von der Universität Zürich. Sie befasst sich unter anderem mit Propaganda und Desinformation. «Das ist nicht neu.» Es gehe darum, dass Fakten plötzlich nur noch als Meinungen wahrgenommen werden. So würden wissenschaftliche Erkenntnisse nicht mehr als solche gelten, sondern als Meinung. Dann könne man sagen, dass man diese Meinung jetzt nicht mehr teile, also müsse man sie auch nicht mehr beachten.
Man kann sich erst einmal mit dem identifizieren, was er sagt.
Weshalb hat der US-Präsident damit Erfolg? «Weil er was Positives sagt. Er sagt: ‹Ich will entbürokratisieren, ich will deregulieren, ich will die Meinungsfreiheit wiederherstellen.› Wenn man sich dann nicht genau anschaut, was er da tut, nämlich das Gegenteil von dem, was er sagt, kann man sich erst einmal mit dem identifizieren, was er sagt», erklärt Sylvia Sasse weiter das Phänomen von der Verkehrung ins Gegenteil. «Das ist ganz typisch für die Rhetorik von Trump. Aber auch von Putin, es ist typisch für die Rhetorik von Populisten, aber auch von Autokraten.»
Wie kann man darauf reagieren? Es sei wichtig, dass man solche Aussagen auf eine Ebene rücke, auf der man selbst Erfahrungen machen könne. Wenn etwa Russland behaupte, in Europa werde kein Tschaikowsky mehr gespielt, könne man das selbst überprüfen, so Sasse weiter. Gerade im privaten Umfeld, im Gespräch mit Freunden, kann man aber solche Aussagen und Thesen nicht so schnell überprüfen, das sei ein Problem: «Ich versuche dann immer, dieses Verfahren zu benennen. Verkehrung ins Gegenteil ist ein klassisches Verfahren.» Sylvia Sasse empfiehlt dazu auch, George Orwells «1984» zu lesen. «Dort ist Verkehrung ins Gegenteil das typische Verfahren dieses totalitären Staates.»