In Aldershot, westlich von London, trainiert das 1. Bataillon der Irish Guards im Häuserkampf.
-
Bild 1 von 3. Die Irish Guards trainieren in Aldershot einen Angriff durch den Wald auf eine Scheune ... Bildquelle: SRF / Saya Bausch.
-
Bild 2 von 3. ... wo sie anschliessend einen Nahkampfangriff in einem Indoordrohnen-Hindernisparcours üben. Bildquelle: SRF / Saya Bausch.
-
Bild 3 von 3. Dabei wird auch die Evakuierung eines getroffenen Soldaten trainiert. Bildquelle: SRF / Saya Bausch.
Hier setzen sie Technik und Erfahrungen ein, die sie in gemeinsamen Trainings mit ukrainischen Soldaten im Rahmen der «Operation Interflex» erprobt haben.
Seit Beginn des Ukrainekrieges kamen über 60'000 ukrainische Soldaten nach Grossbritannien und bekamen hier Nato-Kriegstaktik vermittelt. Im Gegenzug gaben sie den Briten ihre Erfahrungen mit neuer Kriegstechnologie weiter.
Letzten Juni schlossen das Vereinigte Königreich und die Ukraine ein Abkommen über den Austausch von Kriegstechnologie. Damit soll die Drohnenproduktion der Ukraine angekurbelt und die britische Verteidigungsindustrie mit der an der Ukrainefront entwickelten Spitzentechnologie verbunden werden.
Investition in Drohnentechnologie
Im Drohnenlabor, einem umfunktionierten Büro auf dem Gelände, experimentieren die Irish Guards an Drohnen und reparieren weitere unbemannte Flugsysteme. Privatpersonen oder Firmen spenden Komponenten und Software.
Hier werden unter anderem sogenannte First-Person-View-Drohnen mit 3D-Druckern produziert. Diese können mit Sprengstoff bestückt werden. Das besondere an den FPV-Drohnen: Die Piloten können die Umgebung mittels Videobrille aus der Perspektive der Drohne steuern.
«Die Inspiration für die Drohnen stammt ausschliesslich aus der Ukraine. Ohne die russische Invasion vor einigen Jahren hätte diese Art der Kriegsführung für uns keine so grosse Bedeutung erlangt», sagt Ben Irwin-Clark, Oberstleutnant und Kommandant des Irish-Guards-Bataillon I.
Die Irish Guards haben von den ukrainischen Soldaten gelernt, wie die Flugfähigkeiten trainiert werden können. An einem Simulator werden die Soldaten im Umgang mit den Drohnen geschult.
Das Ziel: Alle Soldaten sollten mit dem Einsatz der Drohnen vertraut und als Bediener oder Ausbilder qualifiziert sein, erklärt Ben Irwin-Clark. Die Dichte und Vielfalt an Drohnen wie in der Ukraine lasse sich nicht simulieren. «Die Front in der Ukraine ist der einzige Ort auf der Welt, an dem es so viele Drohnen in der Luft hat», sagt der Oberstleutnant. Die Alternative sei deshalb, von ukrainischen Frontsoldaten zu lernen.
Errungenschaften aus Zusammenarbeit
Nicht nur das Drohnenwissen haben die Irish Guards von den ukrainischen Verbündeten erlangt. «Meine wichtigste Erkenntnis aus der monatelangen Zusammenarbeit mit Ukrainern war, wie unglaublich stark sie sind – sowohl moralisch als auch in ihrer Robustheit als Individuen und als Gesellschaft», beschreibt Irwin-Clark.
Die Situation, in der sich die Ukraine befindet, ist für uns sehr inspirierend.
Die Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und der Ukraine sei eine wechselseitige. «Ich glaube, es liegt etwas im nationalen Charakter der Briten, dass wir Aussenseiter lieben und Tyrannen nicht mögen. Die Situation, in der sich die Ukraine befindet, ist für uns sehr inspirierend.»
Zudem hätten sie viel von den ukrainischen Verbündeten lernen können: Taktiken und Techniken hätten sich deutlich verbessert, weil sie so viel Zeit damit verbrachten, die Ukrainer auszubilden. «Es war etwas Wunderbares, geben zu können, aber es war auch etwas Wunderbares, empfangen zu können.»