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Bilanz G7-Gipfel in Evian Speichellecken, um Trump an Bord zu halten

Der G7-Gipfel in Evian dürfte als Erfolg in die Geschichte dieser Spitzentreffen eingehen. Denn, alle waren da, niemand reiste vorzeitig ab oder tauchte gar nicht erst auf. Auch nicht der Präsident der USA. Donald Trump schien sogar die ganzen drei Tage über – für seine Verhältnisse – ganz guter Dinge zu sein.

Gastgeber Emmanuel Macron präsentierte sich in einer erfolgreichen Mischung aus dynamisch, entschlossen und verbindlich. Die langjährige Gipfelroutine kam ihm zupass. Unerfreuliche Bilder von Gewalt und Protesten gab es weithin nicht. Diese wurden – mit französischer Eleganz – nach Genf ausgelagert.

Ein Eklat blieb aus

Der Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern bemisst sich vor allem nach den Erwartungen. Bei früheren G7-Gipfeltreffen waren sie meistens weit überzogen. Diesmal buk man kleinere Brötchen, gibt sich bereits zufrieden, weil ein Eklat ausblieb.

Das Wichtigste war, die «Equipe G7» oder das «Team Westen» einigermassen beisammenzuhalten, trotz des schwierigen Mitspielers aus dem Weissen Haus. Das gelang leidlich. Damit geht wenigstens ein Signal an jenen Teil der übrigen Welt, in der Diktatoren den Ton angeben, dass sie den Westen und damit auch Demokratie, Freiheit und Menschenrechte besser noch nicht ganz abschreiben.

Kein Wort zur Vereinbarung USA – Iran

Der Preis, den die übrigen Sechs dafür bezahlten, Trump nicht nur bei Laune, sondern auch an Bord zu halten, war hoch. Kein offen kritisches Wort, als sie in Evian die Vereinbarung der USA mit dem Iran zu lesen bekamen. Obschon alle merkten, dass darin noch so gut wie nichts geklärt ist. Keine Rede von Klimawandel, Migration, Entwicklungshilfe. Weil alle wissen, dass das Trump in Rage brächte, wo man ihn doch wie ein rohes Ei behandeln muss. Man kann solches entwürdigend finden. Oder halt einfach zweckdienlich.

Vier Personen in Anzügen sitzen an einem Konferenztisch und lächeln.
Legende: Das Wichtigste war, die «Equipe G7» einigermassen beisammenzuhalten, trotz des schwierigsten Mitspielers aus dem Weissen Haus. Keystone/THIBAULT CAMUS

Bei den konkreten Gipfelbeschlüssen hielt wohltuende Nüchternheit Einzug. Es fehlte diesmal eine ellenlange Schlusserklärung, in der jedes Wort, jedes Komma zigfach abgewogen wurde. Mit dem Ergebnis, dass am Ende kaum noch griffige Beschlüsse übrigblieben.

Diesmal gab es lediglich eine Reihe von Einzelerklärungen zu allerlei Themen: zur Ukraine-Hilfe, wo aber den klaren Worten Taten folgen müssen. Dann gegen Menschenhandel und Schlepper, gegen Drogenkriminelle, für die Bekämpfung von Ebola oder für Entwicklungsfinanzierung. Lauter sinnvolle Dinge. Doch braucht es tatsächlich einen G7-Gipfel, um solche Kooperationen zu beschliessen?

Es geht um ein Mindestmass an Vertrauen

Es lässt sich aber auch anders argumentieren: In geopolitisch so schwierigen Zeiten wie gerade jetzt, in Zeiten, da selbst engste Alliierte das Heu nicht mehr auf derselben Bühne haben, braucht es Gipfel wie diesen in Evian erst recht. Nicht für grosse Würfe. Jedoch für ein Minimum an Zusammenhalt. Für ein Mindestmass an Vertrauen untereinander.

Fredy Gsteiger

Diplomatischer Korrespondent

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Fredy Gsteiger ist diplomatischer Korrespondent und stellvertretender Chefredaktor bei Radio SRF. Vor seiner Radiotätigkeit war er Auslandredaktor beim «St. Galler Tagblatt», Nahost-Redaktor und Paris-Korrespondent der «Zeit» sowie Chefredaktor der «Weltwoche».

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Echo der Zeit, 17.6.2026, 18:00 Uhr

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