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«Blackbox» Palantir Warum die rasant wachsende KI-Firma als umstritten gilt

Ein Professor für IT-Sicherheitsrecht erklärt, warum die Datenfirma nicht nur in Fachkreisen kontrovers diskutiert wird.

Das macht Palantir: Palantir ist ein Tech-Unternehmen, das im Jahr 2003 gegründet wurde und auf die Auswertung grosser Datenmengen spezialisiert ist. Die Systeme der US-Firma nutzen nicht nur Private, sondern auch Regierungen, Militärs und Geheimdienste. Palantir liefert unter anderem Software zur Analyse von Militärinformationen. Dennis-Kenji Kipker, Professor für IT-Sicherheitsrecht und Research Director am Cyber Intelligence Institute in Frankfurt am Main, beschreibt die Kernkompetenz des Datenkonzerns wie folgt: «Palantir besitzt die Fähigkeit, grosse, heterogene Datenmassen aus unterschiedlichsten Quellen zu verbinden, zu analysieren und in handlungsrelevante Erkenntnisse zu übersetzen.»

So rasant wächst das KI-Unternehmen: Das Wachstum kommt vor allem aus dem US-Geschäft. Die Erlöse im Heimatmarkt waren im vergangenen Quartal mit 1.28 Milliarden Dollar gut doppelt so hoch wie ein Jahr zuvor. Das Geschäft mit Regierungsbehörden wuchs um 84 Prozent auf 687 Millionen Dollar. Software von Palantir wird unter anderem vom Ministerium für Innere Sicherheit und vom Pentagon eingesetzt. CEO und Mitgründer Alex Karp hat gesagt, dass die Nachfrage allein in den USA so gross sei, dass Palantir nicht mehr nachkomme.

Palantir ist eine Blackbox.
Autor: Dennis-Kenji Kipker Professor für IT-Sicherheitsrecht

Palantirs Versprechen an die Kundschaft: «Das Versprechen ist, dass Datensätze, die bei verschiedensten Behörden bislang in einzelnen Datenbanken gespeichert wurden, neu vereinheitlicht, zusammengeführt und analysiert werden können», sagt IT-Sicherheitsrechtler Kipker. Der Gedanke dahinter: die Erkennung von Mustern in Datensätzen, die früher ein einzelner Polizist oder Geheimdienstmitarbeiter eben nicht erkannt habe, so Kipker.

Warum Palantir für staatliche Behörden attraktiv ist: Palantir hat laut Kipker einen strukturellen Vorsprung, da das Unternehmen aus dem kalifornischen Silicon Valley schon sehr früh am Markt war. Gewisse Datenplattformen von Palantir seien mehr als zwanzig Jahre lang in enger Co-Creation mit Geheimdiensten und Ermittlungsbehörden entwickelt worden, «das ist ein Erfahrungs- und Datenschatz, den man da gewonnen hat, der durch Kapital allein nicht replizierbar ist und der sich durch die Konkurrenz nicht so leicht aufholen lässt», sagt Kipker.

Darum wird Palantir kritisiert: Palantir sei eine Blackbox, da es ein Closed-Source-System aus den USA sei, so Kipker. «Der Algorithmus ist Geschäftsgeheimnis. Zu Zwecken der Gefahrenabwehr ein Analysetool einzusetzen, das wir nicht verstehen, weil wir die technischen Hintergründe nicht kennen und auch die Ergebnisse, die generiert werden, nicht richtig nachvollziehen können, ist gefährlich.» Wenn Behörden hierzulande nun solche technischen Lösungen tief in ihre Systeme integrieren, mache man sich abhängig, so der Professor für IT-Sicherheitsrecht.

Stellungnahme von Palantir

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Ein Sprecher der Firma Palantir schreibt auf Anfrage von SRF: «Es ist wichtig zu beachten, dass die Kunden die Kontrolle über ihre Daten haben und diese besitzen, nicht Palantir. Palantir stellt lediglich Softwarelösungen bereit, die Kunden einsetzen, um ihre eigenen Daten zu verwalten und zu analysieren. In bestimmten Situationen können Kunden Palantir eingeschränkten Zugriff auf Daten für ausgewählte, vom Kunden festgelegte Zwecke gewähren, z. B. für die Wartung von Software. Seit der Einführung des U.S. CLOUD Act im Jahr 2018 hat Palantir noch nie eine entsprechende Anfrage erhalten. Sollte Palantir jemals eine solche Anfrage von einer US-Strafverfolgungsbehörde bezüglich Kundendaten bekommen, würden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um die Interessen unserer Kunden zu schützen.»

Deshalb gilt CEO Alex Karp als umstritten: Laut IT-Sicherheitsrechtler Kipker sei Palantir-Chef Karp einer dieser Firmengründer, die mit hoch umstrittenen Tech-CEOs zusammenarbeiteten. Man denke etwa an Peter Thiel oder Elon Musk. «Das sind alles Menschen, die nicht unbedingt ein demokratisches, sondern vielmehr ein sicherheitsbezogenes und sehr dominantes US-Verständnis teilen.» Selbst in den USA sei diese Gründerriege umstritten und würde deswegen auch von zivilgesellschaftlichen Organisationen, von Bürgerrechtlern, aber auch von Datenschutzanwälten kritisiert, so Kipker.

Ein Mann mit Brille und grauen Haaren sitzt vor dem Logo des Weltwirtschaftsforums.
Legende: Alex Karp nahm in diesem Jahr am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos teil (20.1.2026). Keystone / Gian Ehrenzeller

SRF 4 News, 5.5.2026, 17:15 Uhr ; 

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