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Auch nach dem Brexit bleibt das Land tief gespalten
Aus Tagesschau vom 01.02.2020.
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Brexit in der Nacht vollzogen London zwischen Party und Frust

  • Hunderte Befürworter des britischen EU-Austritts feierten in der Nacht in London das Ende der Mitgliedschaft in der Europäischen Union.
  • Der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, bezeichnete in einer Rede vor jubelenden Anhängern die Loslösung von Brüssel als wiedergewonnene Freiheit des Landes.
  • Kurz zuvor betonte Premier Johnson in einer Video-Ansprache, dass der Brexit ein erstaunlicher Moment der Hoffnung für viele im Land sei.

Union-Jack-Fahnen, Sticker mit der Aufschrift «Happy Brexit Day» und Schmähgesänge auf die EU. In der Nacht feierten Hunderte Brexit-Anhänger vor dem Parlament in London den Austritt ihres Landes aus der EU, der mit einem Count-Down eingeläutet wurde. Um Mitternacht Brüsseler Zeit (23.00 Uhr Ortszeit) schliesslich vollzog das Vereinigte Königreich den Brexit.

Stimme einer 76-jährigen Brexit-Anhängerin

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  • Die 76-jährige Brenda Brooks ist froh über den Brexit: «Die EU will ein Superstaat werden», sagt die Seniorin aus Devon im Südwesten Englands. Sie habe bei der letzten Wahl Johnsons Konservative Partei gewählt.
  • Früher sei Europa wunderbar vielfältig gewesen, doch die EU verschwende zu viel Geld und wolle alles vereinheitlichen. «Wir wollen unsere Unabhängigkeit», betonte die Seniorin.

Zu der Austrittsparty vor dem Parlament, die von der Initiative «Leave means Leave» organisiert wurde, versammelten sich Hunderte Brexit-Anhänger.

Als einer der herausragenden Vertreter der Bewegung hielt der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, eine umjubelte Rede. Er feierte die mit dem EU-Austritt gewonnene Freiheit der Briten. Gleichzeitig forderte er seine Anhänger auf, dem britischen Premier künftig genau auf die Finger zu schauen - ob er alle Versprechungen auch einhalte, die er für die Zeit nach dem EU-Austritt angekündigt hat.

Das «volle Potenzial Grossbritanniens entfesseln»

Premier Boris Johnson selber wandte sich kurz vor Mitternacht in einer Internet-Ansprache an die Nation. Nach seinen Worten biete der Brexit nunmehr die Chance, das «volle Potenzial Grossbritanniens zu entfesseln».

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Johnsons Brexit-Ansprache an die Nation (engl.)
Aus News-Clip vom 01.02.2020.
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Gleichwohl räumte Johnson ein, dass der Weg dorthin holprig sein könnte. Er sprach auch von einer «neuen Ära der freundschaftlichen Zusammenarbeit» mit der Europäischen Union.

Es ist ein Moment der echten nationalen Erneuerung und des Wandels
Autor: Boris JohnsonBritischer Premier

Das Verlassen der EU sei für das Königreich kein Ende, sondern ein Anfang. Für viele Menschen sei dies ein erstaunlicher Moment der Hoffnung, ein Moment, von dem sie dachten, er würde niemals kommen, sagte Johnson. «Es ist ein Moment der echten nationalen Erneuerung und des Wandels», erklärte er weiter.

Aufgabe seiner Regierung sei es nun, das Land wieder zusammen- und voranzubringen, fügte Johnson hinzu. Die EU habe viele bewundernswerte Eigenschaften, in den vergangenen Jahrzehnten habe sie sich aber in eine Richtung entwickelt, die nicht mehr zu diesem Land passt.

Gespaltenes Land

An der Partymeile am Parliament Square versammelten sich unterdessen viele Brexiteers.

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Anti-Brexit-Stimmen in London (engl.)
Aus News-Clip vom 01.02.2020.
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Zwischendurch drohte die Stimmung zu kippen: Ein Protestzug von Brexit-Gegnern wurde von Austrittsbefürwortern mit wüsten Schmähungen empfangen. «Verräter» und «Verlierer» gehörten noch zu den harmloseren Begriffen, die ihnen entgegengeschleudert werden.

Brexit-Gegnerin aus Italien

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  • «Der Brexit ist ein Desaster», schimpft die gebürtige Italienerin Silvia Zamperini. Sie ist frustriert und wütend.
  • «Früher war Grossbritannien so ein offenes Land. Jetzt sind hier viele rassistisch, homophob und intolerant», sagt die 51-Jährige, die schon seit 26 Jahren in England lebt.
  • «Niemand zerrt mich aus der EU», steht auf einem Pappschild, das sie sich um den Hals gehängt hat.

Die Versammlung auf dem Platz vor dem Parlament spiegelt die Stimmung im Land.

Der Drang nach Unabhängigkeit in Schottland ist ungebrochen und auch im stark von EU-Mitteln abhängigen Wales regt sich zunehmend Widerstand. Schottland und Nordirland hatten ohnehin gegen den Brexit gestimmt.

Schlaglicht zur Stimmung im Land

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  • Grossbritannien ist noch immer zutiefst gespalten in der Brexit-Frage.
  • Beim Referendum im Sommer 2016 hatten sich die Briten mit knapper Mehrheit (52 Prozent) für die Trennung von der Europäischen Union ausgesprochen.
  • In den Landesteilen Schottland und Nordirland wollte eine Mehrheit lieber in der EU bleiben.
  • Und heute? Inzwischen würde es den Brexit bei einem neuen Votum wohl nicht mehr geben, meint der Umfrage-Guru John Curtice von der Universität Strathclyde in Glasgow. 53 Prozent würden dagegen stimmen.
  • Grund dafür sei aber nicht, dass Brexit-Befürworter ihre Meinung geändert hätten, sondern dass Nichtwähler von damals heute eher gegen als für den Brexit stimmen würden.

Farage: «Wir sind frei»

Bei der Austrittsparty nahe des Parlaments in London zeigte sich Brexit-Parteichef Farage jedenfalls bestens gelaunt. Er habe sein Ziel erreicht. Wichtig sei ihm dabei die zurückgewonnene Unabhängigkeit von Vorgaben und Regelungen aus Brüssel: «Wir sind wieder frei.»

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Umjubelt: Farage bei der Brexit-Party in London (engl.)
Aus News-Clip vom 01.02.2020.
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Für die 29 ehemaligen Abgeordneten der Brexit-Partei im EU-Parlament jedenfalls sei die Arbeit erledigt und die «Ernte eingefahren», betonte Ann Widdecombe als Vertreterin der Partei.

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81 Kommentare

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  • Kommentar von Fritz Meier  (FriMe)
    Für UK erwarte ich drei mögliche Hauptszenarien: a). UK wird auseinanderfallen; Teile davon werden aber wohl wieder der EU beitreten. b). UK wird mit USA/China/Indien/... unvorteilhafte Verträge abschliessen müssen und zur Bedeutungslosigkeit absinken und Spielball dieser Mächte. c). UK wird zunehmend nationalistisch/autoritär und kann so von den wirtschaftlichen Problemen wegem Brexit ablenken. Nur eines wird nicht mehr sein: zurück zu alter Grösse, als UK noch eine riesige Kolonialmacht war.
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  • Kommentar von Maria Müller  (Mmueller)
    Die Sendungen gestern im deutschen TV (bei denen die EU so demonstrativ "starkgeredet" wurde) erinnerten (zumindest im leisen Ansatz) fast schon in einer Art an die "Propagandasendungen" früher im DDR-Fernsehen. Sozusagen das Volk mit "Lobgesängen" bei Stange halten. Für die Deutschen ist es besonders bitter, es verabschiedet sich ein "gewichtiger Zahlerstaat" und somit wird es für sie sozusagen "noch einsamer". Und das hörte man auch aus den TV-Kommentaren deutlich raus.
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    1. Antwort von Toni Koller  (Tonik)
      Nach meinem Eindruck wurde hier die EU nicht "starkgeredet". Sondern dargestellt, als was sie ist. Nämlich eben ... stark! Trotz allen Nörglern, die da meinen, sie wüssten alles besser.
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Welche Sendungen in der DDR haben sie dann so gesehen?
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  • Kommentar von Margrit Berger  (mberger)
    Sieht bei so einem weittragenden Entscheid nicht nach Stabilität aus mit nur 51,89 % für den Austritt, zumal die Leute bewusst irregeführt wurden. Cameron wird schon oft bereut haben, was er mit der Befragung angerichtet hat. Ich denke, alle werden nun nach dem ganzen Hickhack die Wunden lecken, etwas Zeit vergehen lassen und je nachdem, neue Abkommen vorantreiben oder abwarten und schauen, wie sich das Ganze weiterentwickelt. Die Geschichte ist noch nicht gegessen.
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    1. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Sie schreiben: "Sieht bei so einem weittragenden Entscheid nicht nach Stabilität aus mit nur 51,89 % für den Austritt, zumal die Leute bewusst irregeführt wurden."
      Naja, wer sagt denn, dass die 48,11 % nicht "bewusst irregeführt" wurden??
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