Keir Starmer hat als Premierminister viel Zeit, royalen Pomp und politisches Kapital investiert, um eine besondere Beziehung zu Donald Trump aufzubauen. Im Moment ist diese vor allem eines: Besonders schlecht. Grossbritannien verhalte sich in diesem Krieg gerade sehr, sehr unkooperativ. Bedauerlicherweise sei Starmer nicht Winston Churchill, liess Donald Trump anfangs Woche frustriert verlauten.
Grossbritannien ist längst Teil dieses Kriegs.
Der Grund: Der britische Premierminister hat den USA die Unterstützung für den Angriff auf den Iran versagt. Und das nimmt ihm der dünnhäutige US-Präsident sehr übel. Eine transatlantische Schelte, die Oppositionschefin Kemi Badenoch gestern im Parlament umgehend politisch nutzte.
«Der Iran greift auch unsere Militär-Einrichtungen im Nahen Osten an. Grossbritannien ist längst Teil dieses Kriegs. Nur unser Premierminister hat das offenbar nicht verstanden und sitzt immer noch auf dem Zaun.»
Wir waren nicht an den anfänglichen Angriffen auf den Iran beteiligt und werden uns jetzt auch nicht an offensiven Aktionen beteiligen.
Er sitze nicht auf dem Zaun, doch es gebe keine völkerrechtliche Grundlage für diesen Angriffskrieg begründet der Premierminister seine Haltung: Er glaube nicht an Regimewechsel aus der Luft.
Und die Geschichte habe Grossbritannien gelehrt, dass es zweckmässig sei, aufgrund einer gültigen Rechtsgrundlage zu handeln.
Starmer will nicht in ein zweites Debakel hineingezogen werden
Dies ist wohl nicht jene Wortwahl, die dem US-Präsidenten Freude bereitet. Doch nicht allein Donald Trump strapaziert in diesen Tagen die «Special Relationship» zwischen Grossbritannien und den USA. Auch Starmer kalibriert sein Verhältnis zum Weissen Haus neu, mit dem nachvollziehbaren Wunsch nicht in ein zweites Irak-Kriegs-Debakel gezogen zu werden. «Wir schliessen uns diesen Angriffen nicht an, werden aber unsere defensiven Massnahmen in der Region fortsetzen. Wir waren nicht an den anfänglichen Angriffen auf den Iran beteiligt und werden uns jetzt auch nicht an offensiven Aktionen beteiligen.»
Doch Starmers Anti-Kriegs-Haltung erodiert mittlerweile täglich. Man ist dabei und doch nicht dabei. Er vollzieht die Kehrtwende nicht freiwillig. Seine Regierung kommt innen- und aussenpolitisch unter Druck. Grossbritannien betreibt auf der arabischen Halbinsel vier Militärbasen. Unter anderem in Bahrain, Katar und dem Oman. Es sind diese Länder, die London mittlerweile auffordern, zu zeigen, auf welcher Seite Grossbritannien steht.
Britischer Zerstörer fährt ins Mittelmeer
Der Druck zeigt Wirkung: Nächste Woche soll ein britischer Zerstörer im Mittelmeer eintreffen. Britische Kampfflugzeuge unterstützen die USA bereits beim Abschuss von iranischen Raketen. Dabei dem heimischen Publikum im lauten Durcheinander dieses Kriegs die feinsinnige Unterscheidung zwischen «defensiven» und «offensiven» Militäroperationen zu erklären, dürfte wohl selbst für einen rhetorisch versierten Premierminister eine Herausforderung sein.
Dass nackte Tatsachen gelegentlich hilfreicher sind als Wortakrobatik, kann man tatsächlich von Churchill lernen. Was Krieg wirklich bedeutet, brachte der damalige Premierminister am 13. Mai 1940 im britischen Unterhaus unmissverständlich auf dem Punkt: «Blut, Mühsal, Tränen und Schweiss.»