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Legende: Audio Keine Aussicht auf Entspannung in Libyen abspielen. Laufzeit 03:41 Minuten.
Aus SRF 4 News aktuell vom 02.07.2019.
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Bürgerkrieg in Libyen «Die Türkei engagiert sich in einem Stellvertreterkrieg»

Der Konflikt in Libyen spitzt sich zu. Acht Jahre nach dem Sturz des Langzeitmachthabers Muammar al-Gaddafi herrscht Chaos. Mittendrin: Die Türkei. Am Sonntag waren sechs türkische Matrosen in Libyen festgehalten worden, am Montag kamen sie wieder frei. Journalist Thomas Seibert über die Interessen der Türkei im nordafrikanischen Land.

Thomas Seibert

Thomas Seibert

Freier Journalist

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Thomas Seibert ist seit 22 Jahren Korrespondent für den deutschen «Tagesspiegel» in Istanbul und berichtet auch für andere Medien, unter anderem für Radio SRF. Vor kurzem musste er Istanbul verlassen, weil ihm die Türkei keine Arbeitserlaubnis mehr ausstellen wollte. Etwas später erhielt er wieder eine Akkreditierung.

SRF News: Welche Interessen hat die Türkei in Libyen?

Thomas Seibert: Libyen war früher Teil des Osmanischen Reiches. Der Türkei geht es aktuell auch darum, sich in einem Konflikt zu engagieren, der zu einem Stellvertreterkrieg zwischen rivalisierenden Mächten im Nahen Osten geworden ist.

In Libyen läuft ein Kampf um die Macht zwischen Ministerpräsident Fayiz as-Sarradsch und dem General Chalifa Haftar. Die Türkei unterstützt Sarradsch. Weshalb?

Sie will in Libyen zusammen mit Katar ein Gegengewicht zu ihren regionalen Rivalen im Nahen Osten bilden. Der Rebellenkommandeur Haftar wird von Ägypten, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten untersützt. Diese Frontstellung findet man auch in anderen Regionen des Nahen Ostens. Und das spiegelt sich nun auch in Libyen wieder.

Fayiz as-Sarradsch
Legende: Libyens Regierungschef Fayiz as-Sarradsch hat die Türkei und Katar im Rücken. Reuters

Haftar hat seinen Kämpfern befohlen, alle türkischen Schiffe und Flugzeuge anzugreifen, die sich Libyen nähern. Was bedeutet das?

Das Nato-Mitglied Türkei könnte möglicherweise direkt in den Konflikt verwickelt werden. Im Moment liefert die Türkei Waffen, gepanzerte Fahrzeuge und Drohnen an Milizen, die für die libysche Regierung kämpfen. In Libyen leben aber auch viele türkische Staatsbürger. Die türkische Bau- und Schifffahrtsindustrie ist dort sehr stark.

Der Konflikt könnte leicht wieder eskalieren.

Die Türkei hat viele Interessen in Libyen. Haftar hat zuletzt auch den Befehl gegeben, alle türkischen Restaurants in seinem Machtbereich zu schliessen. Der Konflikt könnte also leicht wieder eskalieren. Die türkische Regierung hat klar gemacht, dass sie militärisch reagieren wird auf Haftar – und zwar sehr heftig.

Das klingt nach einer sehr sensiblen Situation. Gibt es Aussicht auf Entspannung?

Im Moment leider nicht. Alle Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen sind gescheitert und es gibt keine Aussicht auf neue Friedensgespräche. Allerdings ist die militärische Lage so, dass Haftar mit seinem Angriff auf die Hauptstadt Tripolis erstmal gescheitert ist. Möglicherweise ergibt sich aus diesem Scheitern eine Chance auf neue Gespräche. Aber im Moment sieht es relativ düster aus. Man muss davon ausgehen, dass der Konflikt eher schlimmer wird.

Das Gespräch führte Christina Scheidegger.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
    Überprüfen Sie mal im Geschichtsbuch, wer die Macht nach den Osmanen übernommen hat und wieviele dabei gestorben sind und heute noch sterben. Die waren/sind nicht viel besser als die Osmanen....
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  • Kommentar von Osman Erdogan  (Divide and Rule)
    Also das Trio (SA, EGY, VAE) bauen nach dem Sturz von Gaddafi einen General auf, unterstützen ihn mit allem inkl. Luftschläge gg. die legitime Regierung und erobern 3/4 des Landes, sichern sich die Ölfelder und die Unterstützung von Macron&Trump, starten eine Offensive um die Hauptstadt zu erobern und dabei die UNO anerkannte Regierung zu stürzen... Das ist ein 2ter Sissi, der sein Volk die nächsten 20-30jahre knechten wird, aber alle hinterfragen die Einmischung der Türkei. Einfach schräg...
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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Die Türkei hat gar nichts gelernt aus den Fehlern der Vergangenheit! Alle Völker in Nordafrika, arabische Halbinsel, Persien, Kaukasus, Osteuropa und auch Balkan haben gelitten unter der Herrschaft der Türken! Viele Millionen Menschen haben während der türkischen Herrschaft ihr Leben verloren! Globale Allianzen haben während des 19. und 20. Jahrhunderts mühsam für die Freiheit all dieser Völker kämpfen müssen und hatten zum Glück Erfolg! Die Kriegstreiberei der Türkei ist daher beunruhigend!
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    1. Antwort von m. mitulla  (m.mitulla)
      "... Alle Völker in Nordafrika, arabische Halbinsel, Persien, Kaukasus, Osteuropa und auch Balkan..." - und die spanische Halbinsel.
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