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Bundestagswahl 2021 Die drei Kandidierenden im Steckbrief

Am 26. September wählt Deutschland den Bundestag. Die Spitzenkandidierenden Annalena Baerbock, Olaf Scholz und Armin Laschet im Kurz-Porträt.

Armin Laschet, 60, Christlich Demokratische Union Deutschland CDU

Armin Laschet, 60, Christlich Demokratische Union Deutschland CDU
Legende: Armin Laschet, 60, Christlich Demokratische Union Deutschland CDU Armin Laschet wurde 1961 in Aachen geboren. Der Katholik studierte Rechts- und Staatswissenschaften und arbeitete später als Journalist. Seit 1979 ist Laschet Mitglied der CDU. 2005 wird Laschet Integrationsminister in Nordrhein-Westfalen. Am 16. Januar 2021 wurde er zum Parteivorsitzenden der CDU gewählt. Keystone

Dafür macht er sich stark: Armin Laschet gilt als treuer Merkel-Mann und als Vertreter der Mitte der CDU. Laschet möchte dem Auseinanderdriften in der Gesellschaft entgegenwirken. Aggressionen müssten abgebaut und der Zusammenhalt gestärkt werden. Zudem grenzt er sich klar gegen rechts ab. «Wer mit der AfD kooperiert, koaliert, irgendwie zusammenarbeitet, wird auf den Widerstand des CDU-Parteivorsitzenden treffen», so Laschet. Auch zur Werteunion betont Laschet die Abgrenzung. Sollte der Chef der Werteunion, Max Otte, gewisse Linien überschreiten, könne er nicht in der Partei bleiben.

Wie stehen seine Chancen: Der 60-Jährige ist aktuell Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und bringt viel exekutive Erfahrung mit. Beobachter beschreiben ihn als jemanden, der Brücken in verschiedene Lager bauen und durchaus unterschiedliche Facetten bedienen kann. Anfang des Jahres 2021 sprach alles für eine erneute Kanzlerschaft der CDU, die Union lag in Umfragen bei 35 Prozent. Seitdem sind die Umfragewerte von CDU und CSU im Sinkflug, im Mai 2021 lagen die Grünen kurzzeitig gleichauf, im August 2021 überholte die SPD die Union. Laschet gilt als «Stehaufmännchen». Nicht erst seit seinem Machtkampf mit Markus Söder weiss man, wie viel Rückschläge er aushalten kann. Und auch, dass er viele Male gewonnen hat.

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Aus dem Archiv: Interview mit Armin Laschet
Aus 10 vor 10 vom 08.07.2021.
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Daran kann er scheitern: Dass Laschets Sympathiewerte so stark abgesackt sind, hat sicherlich auch mit seinem Verhalten bei der Flutkatastrophe im Juli 2021 zu tun. Während Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Ort über die verheerenden Folgen sprach, lachte Laschet im Hintergrund sichtlich gut gelaunt. Weiter wird Laschet vorgeworfen, den Klimawandel nicht ernst zu nehmen. Zudem habe Laschet im Wahlkampf auf seine Nettigkeit gesetzt, sagt Politikwissenschaftler Jürgen Falter im Deutschlandfunk. Man vermisse Führung, klare Stellungnahmen und klare Programmpunkte. Auch in der Corona-Pandemie hat Laschet für Schlagzeilen gesorgt, weil er mal lockern wollte, und dann wieder zu Vorsicht gemahnt hat. Kritiker nennen das wankelmütig.

Annalena Baerbock, 40, Bündnis 90/Die Grünen

Legende: Baerbock stammt aus Hannover und studierte Völkerrecht. Sie arbeitete als Referentin für die grüne Bundestagsfraktion und als Büroleiterin einer Europaabgeordneten. Zwischen 2009 und 2013 übernahm sie den Landesvorsitz der Grünen in Brandenburg. 2018 wählte die Partei sie zur Co-Vorsitzenden der Bundespartei. Keystone

Dafür macht sie sich stark: Baerbock möchte gemäss eigenen Aussagen ein «Angebot für die Breite der Gesellschaft» bieten. Als Bundesvorsitzende der Grünen hat sie das Wahlprogramm «Deutschland. Alles drin» stark geprägt. Tatsächlich umfassen die Pläne vieles und reichen von mehr Klimaschutz, Investitionen für Bildung und Infrastruktur bis hin zu sozialem Ausgleich. Baerbock will etwa die Klimaziele Deutschlands erhöhen und den Verkehr ab 2030 emissionsfrei machen. Durch eine überarbeitete Steuerpolitik sollen Wenigverdienende und der Mittelstand entlastet werden.

Wie stehen ihre Chancen: Der zwischenzeitliche Höhenflug der Grünen ist erstmal vorbei und damit sind auch Baerbocks Chancen auf das Kanzleramt geschwunden. Im Mai lagen die Grünen mit der Union kurzzeitig gleichauf, im August 2021 liegen sowohl SPD als auch CDU/CSU vor den Grünen. Die Chancen der Partei auf das Kanzleramt werden auch dadurch geschmälert, dass die Grünen im Saarland nicht wählbar sein werden. Der Landesverband hatte es nicht geschafft, eine rechtliche unangreifbare Kandidatenliste aufzustellen. Der Ausschluss wird die Grünen etwa 0.2 Prozent des bundesweiten Zweitstimmenanteils kosten.

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Aus dem Archiv: Kanzlerkandidatin Baerbock im Tief
Aus Tagesschau vom 15.07.2021.
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Daran kann sie scheitern: Die ersten Wochen als Kanzlerkandidatin der Grünen waren für Annalena Baerbock harzig. Sie musste im Mai einräumen, dass sie über Jahre vergessen hatte, Weihnachtsgeld ihrer Partei beim Bundestag als Nebeneinkünfte anzumelden. Ihren Lebenslauf musste sie mehrmals leicht korrigieren. Baerbock hatte auf ihrer Website bis vor kurzem unter anderem angegeben, sie sei Mitglied des UN-Flüchtlingshilfswerkes UNHCR, obwohl diese Organisation gar keine Einzelpersonen aufnimmt. Tatsächlich unterstützt sie die Arbeit des UNHCR finanziell. Hinzu kamen eine unglückliche Benzinpreis-Debatte, Attacken der politischen Konkurrenz – und eine Lobbykampagne.

Olaf Scholz, 63, Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD

Olaf Scholz, 63, Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD
Legende: Olaf Scholz, 63, Sozialdemokratische Partei Deutschlands SPD Olaf Scholz wurde 1958 in Osnabrück geboren. Er absolvierte 1985 das Studium für Rechtswissenschaften in Hamburg. Seit 1975 ist er Mitglied der SPD, 2007 bis 2009 war er Bundesminister für Arbeit und Soziales. Seit 2018 ist der verheiratete Politiker Bundesminister der Finanzen und Vizekanzler unter Angela Merkel. Keystone

Dafür macht er sich stark: Scholz setzt sich für einen Mindestlohn, eine gerechtere Besteuerung und stärkeren Klimaschutz ein. Mit der Erhöhung des aktuellen Mindestlohns von 9.60 Euro auf 12 Euro pro Stunde will er zehn Millionen Menschen mit geringem Einkommen in Deutschland unterstützen. Auch bei der Steuergerechtigkeit will er voranschreiten, in dem Unternehmen einen einheitlichen Mindeststeuersatz von mindestens 15 Prozent zahlen müssen und diese Einnahmen fair verteilt werden – mit Erfolg. Denn dafür hat sich auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Juli dieses Jahres ausgesprochen. Bei der Umwelt- und Klimapolitik will er bis 2050 ein klimaneutrales Deutschland erreichen.

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Aus dem Archiv: Olaf Scholz will Kanzler werden
Aus Tagesschau vom 15.08.2021.
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Das spricht für ihn: Ruhig, sachlich und unaufgeregt. Diese Attribute werden dem SPD-Bundesminister zugeschrieben und lassen ihn in gewissen Augen gar langweilig wirken. Doch das ist nicht zu seinem Nachteil, denn Scholz gilt als bewährter Politiker, der seinen Job macht. Zudem profitiert Scholz von den Fehltritten seiner Konkurrenz während des Wahlkampfs. Armin Laschet fiel durch unpassendes Grinsen im Katastrophengebiet negativ auf. Annalena Baerbock soll ihren Lebenslauf geschönt haben. Beide müssen sich zudem gegen Plagiatsvorwürfe in ihren Büchern wehren. Scholz hat laut Politologe Gero Neubauer den Vorteil, dass keine personalisierte Fehlerdiskussion auf ihn abzielt.

Daran kann er scheitern: Zwar geniesst Scholz Beliebtheit unter den Wählerinnen und Wählern, wie die neusten Umfragen zeigen, aber bei den Bundestagswahlen entscheidet sich die Bevölkerung für eine der Parteien. Noch im Juli lag die SPD in den Umfragewerten an dritter Stelle hinter den Grünen und CDU/CSU. Inzwischen hat sie aufgeholt, aber die Sozialdemokraten sind noch immer weit weg von ihrer früheren Stärke. Experten attestieren der Partei Entfremdung bei der Wählerschaft. Für Olaf Scholz ist entscheidend, wie sich seine Partei an der Bundestagswahl schlägt.

So schneiden die Parteien zurzeit ab:

Tagesschau, 29.08.2021, 19:30 Uhr;

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Roger Stahn  (jazz)
    Egal für welche der drei Parteien und Spitzenkandidierenden sich die Bevölkerung entscheidet, ein Weiter so, ist so oder so vorprogrammiert. In wichtigen Politikfelder unterscheiden sich diese Parteien kaum voneinander. Bundeswehr-Auslandseinsätze und ein kräftiges Ja zur Nato wird es weiterhin geben, dies obwohl ihre 20 jährige Aussenpolitik gerade vor zwei Wochen in Afghanistan kläglich gescheitert ist, wird es mit dem Bundeswehrmandat in Mali und dem EU-Mandat in Mozambique so weiter gehen...
  • Kommentar von Walter Foletti  (Giuseppe Mazola)
    Das ist bestimmt ein schwerer Entscheid.
    Gemäss den Debatten verdient keine/r das Prädikat Bundeskanzler.
    Markus Söder, der sich leider (unter Druck?) aus dem Rennen genommen hat, hätte am ehesten das Format dazu.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Warum Söder? Was hat der bisher Herausragendes geleistet?
    2. Antwort von Christian Baumann  (Christian Baumann)
      Bitte nicht den Söder.
      Bittttteeeeeee nicht!