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Diverse Brände in Australien ausser Kontrolle
Aus Echo der Zeit vom 30.12.2019.
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Buschbrände in Australien «Ein Funke reicht, und die Natur explodiert buchstäblich»

Es ist heiss und trocken, der Wind entfacht die Buschbrände in Australien wieder und wieder. Unterdessen bedrohen sie auch Melbourne. SRF-Mitarbeiter Urs Wälterlin stellt fest, dass langsam ein Umdenken einsetzt bei den Australiern – auch wenn die Klimaskeptiker weiter ihre Propaganda verbreiten.

Urs Wälterlin

Urs Wälterlin

SRF-Mitarbeiter in Australien

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Der gebürtige Basler Urs Wälterlin, Link öffnet in einem neuen Fenster lebt seit 1992 in der Nähe der australischen Hauptstadt Canberra. Er berichtet von dort für SRF über Australien, Neuseeland und Ozeanien.

SRF News: Warum bekommen die Feuerwehren die Situation nicht in den Griff?

Urs Wälterlin: Es gibt mehrere Gründe dafür. Zum einen übersteigt die Zahl der Brände zunehmend die Kapazitäten der Feuerwehren vor Ort. Es gibt schlichtweg zu wenige Einsatzkräfte. Und die, die es gibt, sind teils seit Wochen und gar Monaten im Dauereinsatz. Viele sind am Rande der Erschöpfung.

Ich glaube, dass diese Brände in der Bevölkerung allmählich zum Bewusstsein führen, dass an dieser Sache mit dem Klimawandel doch etwas dran ist.

Man darf nicht vergessen, dass es sich bei den meisten dieser Feuerwehrleute um freiwillige, berufstätige Menschen handelt. Zum anderen ist die Intensität der Brände zu nennen. So etwas habe man in Australien noch nie erlebt, sagen immer mehr Leute vor Ort.

Karte der bedrohten Gebiete
Legende: Entspannung ist auch in den nächsten Tagen nicht in Sicht. In der Region von Victoria herrschten zuletzt Temperaturen von über 40 Grad. Unterdessen sind fünf Bundesstaaten von den Feuern betroffen. SRF

Buschbrände kommen in Australien während der Sommermonate ja regelmässig vor. Ist die aktuelle Lage dennoch aussergewöhnlich?

Feuer gehören in Australien tatsächlich zum natürlichen Lauf der Dinge. Einige Pflanzen können sich gar nur vermehren, wenn ihre Samenkapseln vorher durch Hitze – also durch Feuer – aufgesprengt werden. Diese Sommersaison ist aber anders. Jahre reduzierter Niederschläge haben dazu geführt, dass die Natur wesentlich stärker ausgetrocknet ist als zu früheren Zeiten. Alles ist trocken wie Zunder. Es braucht nur einen Funken, und die Natur explodiert buchstäblich.

Was lösen die Brände politisch aus, steigt der Druck auf die Regierung?

Ich glaube, dass diese Brände in der Bevölkerung allmählich zum Bewusstsein führen, dass an dieser Sache mit dem Klimawandel doch etwas dran ist. Man darf nicht vergessen, dass in der Regierung und in weiten Teilen der Medien die Klimaskeptiker weiter dominieren. Immer noch streiten diese Leute ab, dass die Brände irgendetwas mit der Erderwärmung zu tun haben. Die Wissenschaftler können nichts weiter tun, als zu sagen, dass der Zusammenhang zwischen den Bränden und der Erderwärmung klar erwiesen ist.

Video
Region Gippsland in Victoria besonders betroffen
Aus News-Clip vom 30.12.2019.
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Wie relevant ist die Klimabewegung in Australien?

Bis vor kurzem war sie eine Randbewegung. In kaum einem anderen Land ist die Klimapolitik so polarisierend wie in Australien. Dazu kommt, dass der Grossteil der Australierinnen und Australier politisch nicht sonderlich interessiert oder zumindest naiv ist. Man glaubt, was in der Zeitung steht – auch dem Boulevard, der am meisten gelesen wird.

Inwiefern die Menschen angesichts der Brände der Propaganda der Klimaskeptiker glauben, wird sich zeigen. Jetzt, wo das Feuer quasi im Vorgarten wütet.

Und dort steht nun einmal, dass der menschengemachte Klimawandel schlicht eine Lüge sei. Zudem hat die Kohleindustrie grossen Einfluss auf die politische Debatte. Mit der Industrie sind natürlich auch viele Arbeitsplätze verbunden. Inwiefern die Menschen nun angesichts der Brände dieser Propaganda glauben, wird sich zeigen. Jetzt, wo das Feuer quasi im Vorgarten wütet.

An Silvester soll in Sydney trotz der Brände ein Feuerwerk stattfinden. Wie kommt das an?

Es ist ein gigantisches Spektakel geplant, das in die ganze Welt übertragen wird. Eine Milliarde Menschen werden es live verfolgen. Aber es gibt doch eine laute Opposition. Eine von über 270'000 Leuten unterzeichnete Petition forderte, das Feuerwerk abzusagen. Es sei eine Frage des Respekts vor den Geschädigten der Brände. Die Petition blieb aber erfolglos, die Stadtverwaltung der Hauptstadt des Bundesstaates New South Wales hatte sich darüber hinweggesetzt. Das Feuerwerk bringt schlicht zu viel Geld ein.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Video
Wildtiere und Menschen fliehen vor den Flammen
Aus SRF News vom 29.12.2019.
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25 Kommentare

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  • Kommentar von D. Zeller  (jaro)
    „Man glaubt, was in den Zeitungen steht,“ lese ich im obigen Bericht. Zudem unterstellt Urs Wälterlin den Australiern Naivität.
    Ist es bei uns in der Schweiz anders. Auch hier glauben wahrscheinlich die meisten Leute, was in den Zeitungen steht. Dies nützen die Medien gnadenlos aus. Nur wird hier genau das Gegenteil geglaubt als dies in Australien der Fall ist. Die Medien haben heute ähnliche Macht, wie im Mittelalter die Kirche. Das Medienmonopol wird aber auch eines Tages fallen.
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  • Kommentar von Arthur Lienhard  (lieni)
    Wer weiss das ?
    Selber habe ich mal 2 Monate in Sydney gearbeitet. Ueberall sehr gut und sehr intensiv brennende Eukalyptus-Bäume. Wir haben es selber ausprobiert. Löschen praktisch unmöglich.
    Gibt es keine anderen Baumarten, welche in Australien wachsen und gedeien ? Wenn ja, warum kenne ich die nicht, resp. warum wird diese Problematik nirgendswo erwähnt ?
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    1. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Die Pflanzen die an einem Ort sind, sind dort weil sie einen Vorteil haben gegenüber anderen Pflanzen, sonst würden sie ersetzt werden. Ausser der Mensch 'hilft' nach, da kann die lokale Flora/Fauna schon mal aufgerüttelt werden z.B. durch Invasion fremder Arten.
      Wichtiger wäre sicherzustellen dass die Desertifikation nicht weiter vorangeht, der Wald sich erholt und das Vegetationsgebiet nicht schrumpft.
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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    Warum ruft man das Ausland nicht zu Hilfe zum Löschen der Brände? Unverständlich. Die armen Einsatzkräfte sind am Ende mit ihrer Kraft. Es ist ein Flammeninferno was da in Australien abgeht. Die Grösse von Belgien bereits verschluckt und es wird immer mehr. Wildtiere verlieren ihr Leben auf grausame Art. Die wenigsten können fliehen. Tut im Herzen weh, jeden Tag diese schlimmen Nachrichten zu hören und keine Besserung in Sicht.
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