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Wirtschaftliche Vorherrschaft - geht Afrika dabei vergessen?
Aus Rendez-vous vom 25.03.2021.
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China und die USA in Afrika «Die jungen Afrikaner misstrauen den Chinesen»

Die beiden Grossmächte USA und China duellieren sich nicht nur um die wirtschaftliche Vorherrschaft, sondern liefern sich mehr denn je einen globalen Kampf um Werte. Zum Beispiel in Afrika. Die USA drohten diesen Kampf zu verlieren, warnt Tibor Nagy, der frühere US-Chefdiplomat für Afrika.

Tibor Nagy

Tibor Nagy

Ehemaliger US-Chefdiplomat für Afrika

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Tibor Nagy (*1949) war als stellvertretender Staatssekretär der USA oberster Diplomat für Afrika in der Trump-Regierung. Nagy ist in Ungarn geboren und floh mit seiner Familie noch als Kind in die USA. Seit den 1980er-Jahren ist er im diplomatischen Dienst, vor allem in Afrika – er diente als Botschafter in Guinea und Äthiopien. Seit Januar 2021 arbeitet er als selbständiger Berater und Universitätsdozent.

SRF News: «China tritt uns in den Hintern», so bezeichneten Sie unlängst das Duell der beiden Grossmächte in Afrika. Tibor Nagy, was meinen Sie damit?

Tibor Nagy: Die Chinesen haben in Afrika mehr Mittel zur Verfügung. Ihre Botschaften etwa sind viel, viel besser ausgestattet als die US-Botschaften. Aber auch wenn ein Land zum Beispiel einen Hafen bauen will, taucht die chinesische Seite auf und hat schon Finanzierung und Baufirma organisiert. Unsere Firmen erhalten weniger Unterstützung und müssen Regeln betreffend Korruption und Umwelt einhalten. Es ist kein fairer Wettbewerb.

Geht es im Wettbewerb zwischen den USA und China in Afrika denn primär um die Wirtschaft oder um Werte?

Es geht um beides. Die chinesische Weltanschauung ist anders als unsere. China denkt in grösseren Zeitdimensionen als die Amerikaner. Darum ist dieser globale Machtwettbewerb gefährlicher als der Kalte Krieg mit der Sowjetunion.

Indem man afrikanische Länder als «shithole countries» betitelt, wie dies Ihr damaliger Chef, Ex-Präsident Donald Trump, offenbar tat, gewinnt man diesen Wettbewerb aber nicht…

Ich hatte – diplomatisch gesagt – unglaubliche Herausforderungen, nachdem dieser Begriff die Runde gemacht hatte. Schauen Sie sich doch die Taten Amerikas an, nicht die Worte!

Die jungen Afrikaner mögen die Vereinigten Staaten und den Westen.

In Afrika sieht man aber vor allem, was die Chinesen gebaut haben, nicht die USA.

Ich sage dazu immer: «Sie haben ein schönes chinesische Stadion, aber es wäre leer, hätten die USA nicht Millionen Menschen vor HIV gerettet.» In Uganda zum Beispiel bezahlen wir 500 Millionen Dollar pro Jahr an das Gesundheitssystem. Die Chinesen bauen die Strassen und die Eisenbahn – und werden dafür bezahlt.

Das tönt nach frustrierenden Jahren als Chefdiplomat der USA für Afrika.

Nicht nur. Denn die gute Nachricht ist: Die jungen Afrikaner mögen die Vereinigten Staaten und den Westen – wegen unserer Kultur, wegen der offenen Gesellschaft. China pflegt die alten Eliten Afrikas. Doch die Jungen misstrauen den Chinesen. Ein 20-jähriger Ugander und eine 20-jährige Amerikanerin – da gibt es keinen Unterschied. Sie haben genau die gleichen Träume, die gleiche Motivation. Das müssen wir ausnutzen.

Wie denn? China hat in vier Jahren 50'000 Stipendien an junge Afrikaner vergeben.

Das stimmt. Die USA brauchen dringend ein Austauschprogramm für Studierende. Dann müssen wir unsere «Prosper Africa»-Initiative vorantreiben, die US-Investitionen in Afrika fördern soll...

… und Präsident Joe Biden sollte mehr US-Diplomaten nach Afrika schicken, wie Sie schon angetönt haben.

Die Biden-Administration muss in Afrika präsent sein. Ich habe viele Reisen nach Afrika unternommen, aber ein stellvertretender Minister ist nicht sehr beeindruckend. Der Präsident, der Vizepräsident und der Aussenminister müssen nach Afrika reisen. Das ist sehr, sehr wichtig.

Das Gespräch führte Samuel Burri.

Rendez-vous,25.3..2021, 12.30 Uhr

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Robert Altwegg  (trebor)
    An Maria Müller (die Antwortfunktion ist defekt):
    Falsch, die SP hat ein Positionspapier zur Strategie gegenüber China. Herr Molina kritisiert laufend China in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen.
    Von der wortgewaltigen SVP hören wir dagegen nichts. Die Partei von Milliardär Christoph Blocher predigte uns jahrelang, wie wichtig Freiheit und Demokratie sei. Keine Kritik der Partei aber gegenüber Chinas Unrechtsregime! R.Köppel: Man muss gegenüber China eine „wohlwollende Neutralität“ pflegen.
  • Kommentar von Andy Gasser  (agasser)
    Nicht nur die jugen Afrikaner misstrauen China. Immer mehr Menschen erkennen was für ein Regime in China an der Macht ist. Es wird an der Zeit dass auch die EU und die Schweiz aufwachen, und gegenüber China klare Positionen beziehen.
  • Kommentar von Charles Grossrieder  (View)
    Die Amis sehen Afrika aus den selben Augen, wie ihre Afrika stämmige Bevölkerung.
    Während die US an die Dreissig meist neue Militärbasen hinstellte in den letzten Jahren, baut China eine neue Infrastruktur, Spitäler usw; bringen tausende nach China zum studieren und Berufe zu lernen und Ausbilder nach Afrika. China gibt was, will auch was zurück; der Westen hat immer nur genommen aber und stellt die Chinesen als das Übel hin.
    Was die US sagt ist Gottes Segen für jene Blinden die’s Glauben.
    1. Antwort von Walter Foletti  (Giuseppe Mazola)
      Bitte folgendes beachten:
      - auch China hat Militärbasen in Afrika
      - China baut Strassen und Schienennetze
      - meist sind es Chinesische „Sträflinge“ die dies alles bauen und dann
      bleiben.
      - das alles dient für den Transport der Bodenschätze
      - China Baut Seehäfen um Bodenschätze nach China zu transportieren
      - das afrikanische Volk aber hungert!
      - was die Chinesen betreiben ist Neokolonialismus sondergleichen
      - den afrikanischen Staaten geht es schlechter als je zuvor