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China und Südkorea in Tokio Was Japan mit dem Gipfeltreffen bezweckt

Japan verlässt sich nicht auf die USA, um die eigenen Interessen in der Nordkoreafrage zu sichern. Das hat Gründe.

Darum geht es: Erstmals seit fast drei Jahren haben sich in Tokio China, Japan und Südkorea zu einem Dreiergipfel getroffen. Das grosse Thema war Nordkorea und die atomare Abrüstung. Dabei wurde Einigkeit demonstriert: Japans Premierminister Shinzo Abe nahm Chinas Amtskollegen Li Keqiang und den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in demonstrativ an die Hand.

Die Absicht dahinter: Abe fährt einen harten Nordkorea-Kurs. Er sagte bei dem Treffen, er hoffe, dass Nordkorea sein Atomwaffenprogramm vollständig aufgebe – und zwar so, dass dies nicht mehr rückgängig gemacht werden könne. Es sei wichtig, dass man dies von aussen überprüfen könne. Und man müsse von Nordkorea verlangen, dass es nun konkrete Schritte unternehme.

Shinzo Abe will verhindern, dass Japan in der Nordkoreafrage aufs Abstellgleis gerät.
Autor: Martin AldrovandiSRF-Korrespondent

«Abe kann sich mit dem heutigen Treffen in einer Führungsrolle präsentieren», sagt SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi. «Er will verhindern, dass Japan in der Nordkorea-Frage aufs Abstellgleis gerät, jetzt, da Kim mit Südkorea und den USA verhandelt – und mit China sowieso.» Derzeit hält sich US-Aussenminister Mike Pompeo in Nordkorea auf, um das geplante Treffen zwischen Kim und US-Präsident Donald Trump vorzubereiten. Abe befürchtet, dass Japans Sicherheitsinteressen dabei ungenügend berücksichtigt werden.

Er will, dass Nordkorea nicht nur die Langstreckenraketen aufgibt, sondern auch jene mit kürzerer Reichweite, weil Japan geografisch näher bei Nordkorea liegt. «Und Japan will auch endlich das Problem der nach Nordkorea entführten Japaner lösen», erklärt der Korrespondent. Trump habe zwar gesagt, er würde das bei Kim zur Sprache bringen. «Aber für die USA stehen diese Themen nicht unbedingt zuoberst auf der Agenda.»

Das geschah davor: Kim war gestern in China. Der Besuch bei Präsident Xi Jinping wurde bis zum Schluss geheimgehalten. Aldrovandi erklärt den Zweck dieses Treffens einen Tag vor dem heutigen Gipfel: «China zeigt damit vor allem den beiden anderen Gipfelteilnehmern Japan und Südkorea, aber auch den USA, dass es weiterhin den Takt angibt.» Dies vor allem jetzt, da Kim näher an Südkorea und an die USA rücke. Für China sei es wichtig, zu zeigen, dass die Beziehungen zu seinem Verbündeten Nordkorea nach wie vor eng sind, und dass es mitrede, wenn etwas entschieden werde, so Aldrovandi.

China zeigt den anderen Gipfelteilnehmern damit, dass es weiterhin den Takt angibt.
Autor: Martin AldrovandiSRF-Korrespondent

Es war bereits das zweite Treffen zwischen Xi und Kim innerhalb von zwei Monaten. Sie sahen sich vor dem Treffen mit Moon an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea von Ende April, und nun erneut vor dem Gipfel in Tokio.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Steff Stemmer (Steff)
    Die USA sägen seit längerer Zeit an ihrem Ast auf dem sie sitzen. Der Zampanoo aus dem Weissen Haus hat nun die Motorsäge zu Hilfe genommen. Ich habe das Gefühl, dass die aktuelle Regierung in den USA bald niergends mehr ernst genommen wird. Ob der Schaden mit einer anderen Regierung behoben werden kann, bezweifle ich. Die Schulden und die Unglaubwürdigkeit sind zu hoch. Wenn China noch die Staatsanleihen der USA in den Markt wirft, könnte das dass absolute Fiasko bedeuten für die USA!
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