Zum Inhalt springen

Header

Audio
China will möglichst wenig uigurische Kinder
Aus SRF 4 News aktuell vom 08.07.2020.
abspielen. Laufzeit 06:23 Minuten.
Inhalt

China will Uiguren dezimieren «Uigurinnen müssen vierteljährlich zur Spiralen-Kontrolle»

Zur systematischen Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren und Kasachen übt China auch massiven Zwang auf Frauen aus. Zwangssterilisationen, Zwangsverhütung und Abtreibungen seien die Mittel, berichtet der Anthropologe Adrian Zenz. In einer neuen Studie verweist er auch auf einschlägige Regierungsdokumente. Recherchen der Nachrichtenagentur AP kommen zu ähnlichen Resultaten.

Adrian Zenz

Adrian Zenz

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Adrian Zenz ist ein deutscher Anthropologe und Sinologe. Als einer der ersten Forscher legte er Belege vor, dass China Hunderttausende Uiguren in Umerziehungslager zwingt.

SRF News: Sie sprechen vom «demografischen Genozid» an den Uiguren. Wie kommen sie zu diesem Resultat?

Adrian Zenz: Ich stellte bereits im letzten Jahr erstmals fest, dass die Geburtenraten in der Region Xinjiang unnatürlich stark zurückgegangen waren. Ich bin in der Folge auf eine systematische Kampagne der Regierung in Peking gestossen, Geburten zu verhindern. Und zwar durch den massenhaften Einsatz von Spiralen, Strafen für zu viele Kinder sowie durch eine Sterilisierungs-Kampagne in mindestens zwei Uiguren-Regionen.

Die chinesische Regierung bestreitet das. Wie halten Sie dagegen?

Der chinesischen Regierung bleibt nicht anderes übrig, als das Ganze zu leugnen. Das kann sie nur auf pauschale Art und Weise. Denn meine Forschung stützt sich auf die eigenen Dokumente der Regierung. Der Begriff «Geburtenverhinderung» ist dabei wohl treffender als «Geburtenkontrolle».

Der Begriff «Geburtenverhinderung» ist dabei wohl treffender als «Geburtenkontrolle».
Autor: Adrian Zenz

Wie geht die chinesische Regierung vor?

Das System basiert auf mehreren Pfeilern: Einerseits wird die Verletzung der Regierungsanweisungen drakonisch mit Internierung in Lagern oder Gefängnissen geahndet. Zudem sind die Geldstrafen stark gestiegen. Wer nicht innert dreier Tage zahlt, kommt ins Lager. Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt, dass mindestens 80 Prozent der Minderheiten-Frauen Verhütungsmassnahmen wie Spiralen einsetzen oder sich sterilisieren lassen müssen. Es werden also massenweise Spiralen eingesetzt.

Ich habe zudem konkrete Nachweise, dass in zwei Regierungskreisen in uigurischen Minderheiten-Regionen innerhalb des letzten Jahres zwischen 14 und 34 Prozent aller gebärfähigen Frauen schlagartig zwangssterilisiert werden sollten. Das ist vielleicht die erschreckendste Erkenntnis.

Ich habe konkrete Nachweise, dass 2019 in zwei Regierungskreisen zwischen 14 und 34 Prozent aller gebärfähigen Frauen schlagartig zwangssterilisiert werden sollten.
Autor: Adrian Zenz

Wie hat Peking das System organisiert?

Auf lokaler Ebene wird dafür der ganze Regierungsapparat eingesetzt. Polizei und Familienplanungsbehörden spielen zusammen. Die Minderheiten werden engmaschig überwacht. Es gibt regelmässige Familienbesuche. Han-chinesische Kader wohnen, essen und schlafen zum Teil mit den uigurischen Familien.

Mit enormen Mitteln zu Geburtenkontrolle will Peking dafür sorgen, dass die am schnellsten wachsende Region Xinjiang in ein paar Jahren zu den langsamsten gehört.
Legende: Mit enormen Mitteln zu Geburtenkontrolle will Peking dafür sorgen, dass die am schnellsten wachsende Region Xinjiang in ein paar Jahren zu den langsamsten gehört. Keystone

Frauen werden mindestens einmal pro Monat besucht. Es gibt Schwangerschaftstests. Vierteljährlich werden die Frauen darauf kontrolliert, ob die Spiralen noch eingesetzt sind. Die neuesten Anweisungen von 2018 besagen, dass alle Frauen, die keine ganz klare Kontraindikation haben, «schnellstens» eine Spirale einsetzen müssen.

Frauen werden mindestens einmal pro Monat besucht. Es gibt Schwangerschaftstests. Vierteljährlich werden die Frauen darauf kontrolliert, ob die Spiralen noch eingesetzt sind.
Autor: Adrian Zenz

Warum wird die Minderheit der Uiguren als Bedrohung angesehen?

Die Regierung in Peking hat entschieden, dass dieses Volk in jeder Hinsicht unterjocht werden muss. Es ist eine langfristige Strategie der Assimilierung. Gleichzeitig ist es eine Kampagne der rassistischen Kolonisation. Die Daten belegen, dass zwei Millionen Han-Chinesen zwischen 2015 und 2018 in die Region gelockt wurden.

Mit den neuesten Erkenntnissen wird auch eines der fünf Kriterien der UNO-Völkermordkonvention erfüllt, nämlich die Verhinderung von Geburten. Damit stellt sich jetzt die Frage, ob sich der kulturelle Genozid zunehmend in Richtung eines demografischen Genozids entwickelt.

Das Gespräch führte Marlen Oehler.

Zwangssterilisiert oder ins Arbeitslager gesteckt
Aus Tagesschau am Vorabend vom 29.06.2020.

SRF 4 News, 08.07.2020, 07:00 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Push-Mitteilungen aktivieren

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

76 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Ich weiss nicht wie hoch die Geburtenrate bei den Uiguren ist und auch sonst weiss ich zuwenig über das Volk um mir ein Bild machen zu können. Aber ist es nicht so, das China der ganzen Bevölkerung - nicht nur den Uiguren - die Geburtenrate drückt. Ohne China frei zu sprechen, wäre es wünschenswert, wenn man sich weltqweit zur Uerberbevölkerung etwas mehr Gedanken machen würde.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Stephan Pfister  (Stephanpfister)
    Kann sich die Schweiz leisten, Uiguren als Geflüchtete anzuerkennen? Nein, das Reich der Mitte würde sich das merken uns sanktionieren!
    Mit dieser Erkenntnis habe ich Angst vor zukünftigen Entwicklungen. Denn die Schweizer Humanität ist schon bei den Menschen aus dem Tibet auf dem Prüfstand.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Andre Mahr  (Andre M.)
      @Hr. Pfister: also lieber vor China kuschen und 'Kotau' machen??? Niemals!! Menschenrechte haben doch Priorität! Wenn sich daran China stossen sollte, dass die Schweiz / Europa Uiguren und Tibetern hilft, dann bitteschön zu recht!
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
    "Die Regierung in Peking hat entschieden, dass dieses Volk in jeder Hinsicht unterjocht werden muss. Es ist eine langfristige Strategie der Assimilierung". Bin auch für eine weltweite , gerechte, gemeinsam koordinierte Geburtenkontrolle. Für das was sich das Reich der Mitte da ausgeheckt hat, gibt es nur folgend Konsequenz: 1. Rauswurf aus der UNO, WTO, WHO. 2. Abbruch aller Geschäftsbeziehungen durch sämtliche Demokratien. Bedingung für Aufhebung: Zutritt zu den Uiguren-KZ, freier Journalismus.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Daniel Meier  (Danimeier)
      Herr Häberli: haben Sie das Gleiche auch bei den Foltergefangenen der USA gefordert oder springen Sie nur auf den medialen Anti-China Zug auf?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Bendicht Häberli  (bendicht.haeberli)
      @Meier: Dies wird von allen Staaten gefordert lieber Herr Meier. Gegen die verwerfliche Tötung von George Floyd gingen weltweit Millionen auf die Straße. Sind den Uiguren, Kasachen, Tibeter, Hongkonger weniger wert!!?? Niemand protestiert gegen den "demografischen Genozid an den Uiguren" (heute in SRF News erschienen). Und - in HK wurden bereits hunderte von Menschen verhaftet (gemäss Berichten SRF).
      Ablehnen den Kommentar ablehnen