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Chinas Ex-Premier Li Peng Der «Schlächter von Peking» ist tot

Sein Name ist untrennbar mit dem Tiananmen-Massaker vor 30 Jahren verbunden. Nun ist Li Peng verstorben.

Li Peng ist im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein politischer Aufstieg zeichnete sich schon früh ab. Er wurde als Halbwaise vom späteren Premierminister Zhou Enlai adoptiert – und galt als dessen Schützling. Sein Studium durfte er in Moskau absolvieren, die Kulturrevolution in den 1960er- und 70er-Jahre überstand er – auch dank der guten Beziehungen seiner Familie.

Legende: Video Aus dem Archiv: Tiananmen-Massaker bleibt in China tabu abspielen. Laufzeit 05:29 Minuten.
Aus News-Clip vom 31.05.2019.

In den 80er-Jahren wurde Li schliesslich Premierminister, später Vorsitzender des Nationalen Volkskongresses. Er stand für ein China mit einem rasanten wirtschaftlichen Wachstum, bei gleichzeitig starker politischer Kontrolle. Zu seinem Erbe gehört auch der Bau des umstrittenen Drei-Schluchten-Staudammes – ein Mega-Projekt, für das über eine Million Menschen umgesiedelt wurden.

Aufstieg ins Zentrum der Macht

Lis jahrzehntelange politische Karriere führte ihn bis ins Zentrum der Macht. Doch bei der chinesischen Bevölkerung war er nicht sonderlich beliebt. Denn: Während der Demokratiebewegung 1989 war er Premierminister – und gehörte zum Lager in der Partei, das sich für ein hartes Durchgreifen stark machte.

Massaker am Tiananmen-Platz

Massaker am Tiananmen-Platz

Hunderttausende demonstrierten 1989 während über sieben Wochen in ganz China gegen die kommunistische Regierung. In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni räumte die Armee den Platz des Himmlischen Friedens in Peking mit Gewalt. Laut Amnesty International starben an den beiden Tagen in Peking zwischen mehreren hundert und mehreren tausend Menschen.

Li war es, der über weite Teile Pekings das Kriegsrecht verhängte. Er gilt neben Deng Xiaoping denn auch als einer der Hauptverantwortlichen des Massakers – die genaue Opferzahl wurde nicht veröffentlicht. Schätzungen reichen von mehreren Hundert bis mehreren Tausend Toten.

Legende: Video Aus dem Archiv: Der Tagesbefehl des Generalstabs an die kämpfende Truppe in Peking abspielen. Laufzeit 01:57 Minuten.
Aus News-Clip vom 31.05.2019.

Selbst bezeichnete Li die blutige Niederschlagung der Tiananmen-Bewegung auch später noch als notwendig. Lob gibt es dafür heute auch von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Li habe mit seinen Massnahmen die Unruhen der Konterrevolutionäre gestoppt und für Stabilität gesorgt. In ihrer Mitteilung bezeichnet Xinhua Li als loyalen kommunistischen Kämpfer, der dem Volk von ganzem Herzen gedient habe.

In ihrem Nachruf schlägt die staatliche Nachrichtenagentur den Bogen zur heutigen Regierung: Hinter Präsident Xi Jinping müsse sich die Nation stellen. Kommt Lis Tod doch inmitten wochenlanger Massenproteste und Ausschreitungen in der Sonderverwaltungszone Hongkong. Politische Stabilität und Loyalität ist für die Partei jetzt wichtiger denn je.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel  (uvk)
    Jedes Einparteiensystem, das ein Land regiert, ist gefährlich. Es fehlt das Korrektiv einer anderen Partei, die Gewicht hat. Wenn ein Einparteiensystem entgleist - ob rechts- oder linksextrem - wird die Entwicklung fatal. Oft gibt es Abschlachtungen von Leuten, die - zu recht!! - zu opponieren versuchen. Damals mehr Linksextrem, jetzt mehr Rechtsextrem, das in Europa - trotz der Geschichte der 20/30/40-Jahre - wieder salonfähig wird - auch als probates Mittel, die EU und Europa zu zerstören.
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    1. Antwort von Paul Soltermann  (ps)
      Es ist falsch anzunehmen, dass die Partei in China ein Einheitsbrei von sturen Kommunisten sei. Leute mit den verschiedensten Einstellungen sitzen aber am gleichen Tisch und versuchen einen Kompromiss zu finden.
      Was ich selbst in meiner Gemeinde miterlebt habe: Die eindeutig faehigste und freundlichste Gemeindeleaderin ist inzwischen in die Bezirksregierung berufen worden und wird es noch weiter schaffen ... wenn sie sich keine Fehler erlaubt.
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    2. Antwort von M. Fretz  (MFretz)
      @Soltermann man kann ein totalitäres Regime verharmlosen.
      Macht hat wer sich fügt und wer untertan ist jenem in Beijing.wer gefährlich wird ist weg
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  • Kommentar von Alex Kramer  (Kaspar)
    "Zu seinem Erbe gehört auch der Bau des umstrittenen Drei-Schluchten-Staudammes – ein Mega-Projekt, für das über eine Million Menschen umgesiedelt wurden."
    Unvergessen auch die Rolle der Weltbank und der Westlichen Konzerne, welche die Ausrüstungen für das Kraftwerk geliefert haben.
    Es gibt schliesslich kein Drecksgeschäft, wo man nicht selber die Finger im Spiel (gehabt) hat....
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    1. Antwort von Harald Buchmann  (Harald_Buchmann)
      Der Dreischluchtenstaudamm ist ein sehr erfolgreiches Projekt: neben sauberem Wasserstrom wurden regelmässige Überschwemmungen im Unterlauf beendet und die ganzjährige Schifffahrt zur Millionenmetropole Chongqing ermöglicht. Man sollte sich vom Chinahass nicht blenden lassen.
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    2. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Was genau ist an dem drei Schluchten Dam ein Dreckgeschäft Herr Kramer? Für die umgesiedelten Bewohner wurden neue Habitats gebaut mit allem drum und dran. Umsiedlung für Staudämme waren auch in CH im Flachland nötig. Hätten sie lieber Atom- oder Kohlenkraftwerke gesehen für den riesigen Energiebedarfs Chinas?
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  • Kommentar von Jakob Tschudi  (Jake7)
    Die Überschrift des Artikels ist sehr tendenziös, beinahe schon skandalös. Warum greift man zu solchen Kampfbegriffen? Nie wird so berichtet, wenn "Schlächter" des Westens sterben. Zum Beispiel G. H. W. Bush, der "Schlächter" aus Texas (Irak-Krieg 1991 mit mehreren 100.000 Toten, also wesentlich mehr als Li Peng). In solchen Fällen wird der Staatsmann gewürdigt. Ein klarer Fall von doppelten Standards.
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    1. Antwort von Colin Schoch  (Ancient_Hero)
      Es ist nicht nur SRF, welches ihn so bezeichnet das ist einfach wie er im Westen gennant wird, viele westlichen Medien haben "Der Schlächter von Peking in der überschrift, so zim Beispiel auch die BBC.
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    2. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Viele der westlichen Medien lassen sich von beeinflussen Herr Schoch, denke von den selben Editoren. Ich stimme mit Herrn Tschudi’s Kommentar vollkommen überein der Titel ist daneben. Sonst sollte man auch alle anderen, schlimmeren Kriegstreiber als solches bezeichnen, noch schlimmer wenn‘s diese ausserhalb des eigenen Landes tun.
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