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Chinas Einfluss in Lateinamerika
Aus Echo der Zeit vom 21.04.2021.
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Chinesische Investitionen Chinas langer Atem in Lateinamerika

China investiert weiter viel in Lateinamerika, auch wenn Peking vorsichtiger geworden ist. Ein Beispiel ist Argentinien.

Es ist das grösste chinesische Projekt in Argentinien: Zwei Staudämme mit Wasserkraftwerken am Rio Santa Cruz, dem Gletscherfluss in Patagonien. Die erste Turbine soll 2023 in Betrieb gehen – finanziert durch chinesische Banken mit knapp fünf Milliarden Dollar.

In einem Werbevideo für die Wasserkraftwerke spricht Projektleiter Eduardo Dalla von seiner erstmaligen Zusammenarbeit mit den Chinesinnen und Chinesen: «Das grösste Problem ist die Verständigung, die verschiedenen Sprachen – aber wir haben das gleiche Ziel. Das ist das Wichtigste.» China ist das entscheidende Stichwort in der Diskussion um Wasserkraftwerke. Denn die Volksrepublik ist Geldgeber, Bauherr und Antreiber.

Erneuerbare Energien

China habe momentan eine grosse Präsenz bei der Wasserkraft, vor allem in Brasilien, Peru und Argentinien, bestätigt Margaret Myers, Leiterin des China- und Lateinamerika-Programms der Non-Profit-Organisation Inter-American Dialogue. Damit verbunden sei ein beträchtlicher Einfluss auf die Stromerzeugung und -verteilung.

«Chinas Rolle bei den erneuerbaren Energien, insbesondere Solar und Wind, wird immer grösser», so Myers. Für Argentinien ist das ein zweischneidiges Schwert: Einerseits bekommt das Land Geld und Know-how aus China, um die teils marode Infrastruktur auszubauen. Andererseits fliesst nur ein geringer Teil des investierten Geldes in argentinische Firmen. Denn mit den Finanzierungsangeboten sichert sich China in erster Linie Aufträge für die eigenen Unternehmen.

Politik spielt immer mit

Das Muster der Handelsbeziehungen zwischen China und Lateinamerika entspricht den althergebrachten Beziehungen zwischen westlichen Industrieländern und der Region: Lateinamerika liefert Rohstoffe – vor allem Kupfer und Soja – und China Investitionen und Technik.

Mit dem intensiven Engagement verspreche sich China auch weitreichende politische Vorteile, betont Myers: «Das Land nutzt die Investitionen, um sich von den Ländern Stimmen in UNO-Gremien und Unterstützung für seine Ein-China-Politik zu sichern.» China habe aber auch eine andere Auffassung vom Gebrauch des Internets als die USA und Europa oder wie die Medien aussehen sollten.

Chinesischer Staat zurückhaltender

Ein Umdenken findet aber beim Thema Kredite statt: Erstmals seit 15 Jahren vergaben die beiden grossen chinesischen Entwicklungsbanken 2020 keine neuen Kredite in der Region. Wegen der Corona-Krise konzentrierten sich die staatlichen Kreditinstitute auf Projekte im eigenen Land.

Jahrelang hatte China vor allem linksgerichteten Regierungen riesige Kredite eingeräumt. Die Hälfte ging an das sozialistische Regime in Venezuela. Kredite von Regierung zu Regierung vergibt China nun kaum noch. Dafür sind die Direktinvestitionen chinesischer Unternehmen bedeutender geworden.

Wenn nur die Chinesen mitbieten...

«Einige dieser Projekte sollte es vielleicht besser nicht geben», stellt Myers fest. Höchst umstrittene Projekte am Amazonas zum Beispiel, die sowohl aus sozialer wie ökologischer Sicht niemand sonst anfasse. Doch die Chinesen böten als einzige mit.

«Länder Lateinamerikas nehmen China so als verlässlichen Partner wahr, der an die Region glaubt und einen Plan für die Zukunft hat», so Myers. Argentinien und China verhandeln zurzeit über ein neues Investitionspaket im Wert von 30 Milliarden Dollar. Es geht um 15 Infrastruktur- und Energieprojekte.

Einschätzung von China-Experte Sebastian Heilmann, Uni Trier

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China beurteile Lateinamerika heute insgesamt als eher riskanten Zielort für staatliche Kredite und Finanzierungsgarantien, sagt Sebastian Heilmann, Sinologe und Politikwissenschaftler an der Universität Trier. Damit werde weniger staatliches Geld fliessen. Private chinesische Investoren hingegen seien zumindest in einigen attraktiven Ländern weiterhin sehr aktiv.

Heilmann weist darauf hin, dass die staatliche Zurückhaltung Chinas bei auswärtigen Finanzierungen auch für Asien und Afrika gilt. Auch China habe nun gelernt, dass in Entwicklungsländern rasch Dutzende Milliarden Dollar verloren gehen könnten.

China wird laut Heilman aber weiterhin, und gerade in der Pandemie, für Lateinamerika eine sehr wichtige Adresse als Wirtschaftspartner bleiben. Ein verlässlicher Abnehmer für Rohstoffe und Lieferant für Technologie und Infrastruktur. «Für eine Kurskorrektur ist diese gegenseitige Beziehung schon zu tief und die Abhängigkeit Lateinamerikas schon zu gross», sagt der Sinologe.

Echo der Zeit, 21.04.2021, 18:00 Uhr

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Was der Westen sträflich vernachlässigt hat, war den armen Ländern zu helfen ohne sie über den Tisch zu ziehen. Das schnelle Geld und die Korruption halfen mit dass diese Länder sich nun China zuwenden müssen und so von den Chinesen ausgebeutet werden.
    Die Chinesen sind schlauer, aber nicht weniger ausbeuterisch.
  • Kommentar von Daniel Meier  (Danimeier)
    Ja die bösen Chinesen. Wie können sie es sich erlauben Staudämme und andere Infrastrukturprojekte in anderen Ländern zu realisieren. Wobei doch der Westen in den letzten Jahren gezeigt hat dass überall wo dieser mitmischt Wohlstand und Frieden mitgebracht hat.
  • Kommentar von Lukas Gubser  (Mastplast)
    Es gibt nur eine Gefahr die das Leben auf der Welt mehr negativ beeinflussen wird, wie der Klimawandel. Es ist das Machtstreben Chinas auf allen Kontinenten und Ländern auf dieser Kugel, wie ein neues Virus dass aber dieses mal auch mir Angst macht.