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COP27 in Sharm El-Sheik Klimakonferenz: Was von der zweiten Woche zu erwarten ist

Die zweite Woche der 27. Klimakonferenz in Sharm El-Sheik steht an. Nach den technischen Verhandlungen in der letzten Woche wird es nun politischer.

Ministerinnen und Minister reisen an, am Mittwoch auch Umweltministerin Simonetta Sommaruga aus der Schweiz. Ein wichtiges Ziel aus Sicht der Schweiz ist es, das 1.5 Grad-Ziel am Leben zu erhalten. Die Chancen dafür stehen zu Halbzeit allerdings nicht sehr gut.

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Archiv: Bilanz nach einer Woche Klimakonferenz in Sharm El-Sheik
aus Nachrichten vom 12.11.2022.
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Konkret wird derzeit über ein Arbeitsprogramm verhandelt, dass die weltweite Reduktion des Treibhausgas-Ausstosses vorantreiben soll. Insbesondere Schwellenländer wie Indien und Brasilien, aber auch Saudi-Arabien, haben sich in der ersten Woche dagegen gewehrt, in die Pflicht genommen zu werden. Der Leiter der Schweizer Delegation bei den Klimaverhandlungen, Franz Perrez, ist denn auch enttäuscht: «Die zweite Woche wird entsprechend schwierig und ein Scheitern der Konferenz ist durchaus möglich. Vor uns liegen also entsprechend sehr intensive Tage», meint er.

Ein Scheitern der Konferenz ist durchaus möglich.
Franz Perrez, Leiter der Schweizer Delegation

Ein weiteres, wichtiges Thema ist die Finanzierung von Verlusten und Schäden, die der Klimawandel verursacht – jüngste Beispiele dafür sind die Flutkatastrophen in Pakistan und Nigeria. Entwicklungsländer haben das Thema nach jahrelangem Lobbying erstmals auf die Agenda einer Klimakonferenz setzen können. Die Positionen liegen aber weit auseinander. Die Schweiz wehrt sich, wie viele Industrieländer, gegen die Eröffnung eines neuen Fonds, aus dem die Schäden bezahlt werden könnten. Sie will viel mehr die bestehenden Strukturen der UNO stärken.

Entwicklungsländer hingegen drängen auf rasche Massnahmen. Die Wahrscheinlichkeit, dass in diesem Punkt keine Einigkeit erreicht wird, was insbesondere im globalen Süden für Frust sorgen wird, steigt mit jedem Tag.

Augenmerk auf Schlusserklärung

Anders als in vergangenen Klimakonferenzen werden hier in Sharm El-Sheik weder ein Abkommen noch wichtige Klima-Regeln verabschiedet. Das Augenmerk wird folglich auf der Schlusserklärung liegen: je ambitionierter diese ausfällt, desto stärker das Signal an die Staatengemeinschaft, aber auch an Städte und private Unternehmen. Letztes Jahr in Glasgow rangen die Delegationen am Schluss stundenlang um die Formulierung, ob die Länder den Gebrauch von Kohle nur herunterfahren («phase down») oder ganz auslaufen («phase out») lassen sollten.

Dieses Jahr ist sehr gut möglich, dass ähnliche Diskussionen um Begrifflichkeiten die Konferenz in die Länge ziehen und am Schluss ein eher mageres Resultat produzieren können. Klima-Delegationsleiter Franz Perrez aus der Schweiz will die Hoffnung allerdings noch nicht ganz aufgeben: «Ich mache mir Sorge, dass wir hier beginnen, uns auf den Pfad in Richtung Verlust des 1.5 Grad-Ziels zu begeben. Es bleibt uns noch eine Woche Zeit, um dies zu verhindern.»

SRF 4 News, 14.11.2022, 08:30 Uhr

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65 Kommentare

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  • Kommentar von SRF (SRF)
    Guten Abend liebe Community, vielen Dank für die angeregte Debatte - für heute schliessen wir die Kommentarspalte und wünschen Ihnen weiterhin einen schönen Abend. Liebe Grüsse, SRF News
  • Kommentar von Beat Reuteler  (br)
    Insbesondere sollten wir von so einer Konferenz nicht zu viel erwarten. Womöglich muss es diese zwar von Zeit zu Zeit geben, aber es ist nicht das Schlussdokument was zählt. Was zählt ist der Fakt dass diese Delegationen es wichtig genug fanden zu diesem Thema zusammenzukommen. Hier wird sowieso das Zeichen gesetzt, dass alle mitmachen müssen in diesem gemeinsamen weltweiten Kampf. Aber am Ende werden die kleinen Dinge einzelner die zu Millionen in den Ländern gemacht werden die Wirkung zeigen.
  • Kommentar von Alex Volkart  (Lex18)
    Für Schuldzuweisungen ist es zu spät. Wenn jetzt nicht jede einzelne Person (Regierung, Bevölkerung, Wirtschaft, usw.) sich deutlich schneller bewegt bei diesem Thema ist ausser heisser Luft nichts gewesen. Es ist nicht so dass nichts getan wurde, aber es geschah nicht in der Geschwindigkeit wie es sollte. Wir haben einige Jahre nicht viel getan, diese müssen jetzt deutlich schneller nachgeholt werden.jetzt tut es umso mehr weh, aber nur weil bisher zu wenig getan wurde.
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Das kapitalistische, neoliberale Wirtschaftssystem, zu dessen Sklaven die Schweiz gehört, ist unvereinbar mit einer einträglichen Organisation der Ressourcen der Welt. Solange dieses System bestehen bleibt, ist es mir wurscht, was mit dem Klima geschieht. Was die Politiker an ihren Konferenzen verhandeln ist Schönfärberei, gut um deren Ego zu streicheln und zu sonst gar nichts.
    1. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Danke Herr Gürr, nur ein Systemchange Richtung Sozialistischer Demokratie kann die notwendige grüne Transformation sozial verträglich, ohne Bürgerkriege umsetzen. Das hat nichts mit Ideologie sondern viel mit Realismus zu tun. Die letzte Chance der Menschheit. So einfach, so klar.
    2. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      @Gerber

      1. Was genau verstehen Sie unter einer "Sozialistischen Demokratie" ?

      2. WO KONKRET (in welchem Land) wurde so etwas real verwirklicht?
    3. Antwort von Werner Gerber  (1Berliner)
      Liebe Frau Müller , danke, dass Sie nachfragen. Nein, verwirklicht wurde das noch nicht, nicht mal versucht, die beiden KKracken: Kommunismus & Kapitalismus wussten es zu verhindern. Ich habe es an anderer Stelle schon mal versucht zu schildern. Frau Jordi nannte es eine Träumerei, aber ich halte es mit Träumern wie ML King oder Ghandi oder andere. Sonst sind wir verloren, fürchte ich.
    4. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      Lieber Herr Gerber:

      Es gibt auf der Welt ca. 190 Länder. Und wenn das von Ihnen vorgeschlagene (äusserst vage) System noch in KEINEM EINZIGEN je erfolgreich umgesetzt wurde, dann ist es eben eine sehr unrealistische Vorstellung.
      (Und auf gewisse Art und Weise auch eine "extreme" Vorstellung.)
    5. Antwort von Maria Müller  (Mmueller)
      PS @Gerber:

      Es sind nicht einmal zwingend Kommunismus und Kapitalismus, die das verhindert haben: Sondern schlicht und einfach: "Menschenmassen".

      (Ein System, das die Leute nicht mittragen, funktioniert nicht. Nirgends.)