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Grossbritannien: Corona-Impfung oder Job weg!
Aus Rendez-vous vom 17.06.2021.
abspielen. Laufzeit 03:42 Minuten.
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Corona in Grossbritannien Impfpflicht: Britisches Pflegeheim-Personal reagiert heftig

Impfen oder Kündigung: Der Abgang Tausender Pflegefachleute wäre kaum verkraftbar, sagt Korrespondent Patrik Wülser.

Mit der Delta-Variante spitzt sich die Corona-Situation in Grossbritannien wieder zu. Vor diesem Hintergrund setzt die britische Regierung nun auch auf eine Impfpflicht für das Personal von Alters- und Pflegeheimen. Wer sich nicht innert 16 Tagen impfe, müsse gehen, erklärte Gesundheitsminister Matt Hancock.

Frühe Fehler töteten Zehntausende

Dass Hancock gerade das Heimpersonal in die Pflicht nehmen will, hängt mit Trauma aus den Anfängen der Pandemie zusammen, wie Grossbritannien-Korrespondent Patrik Wülser erinnert: Damals wurden tausende von alten Menschen ungetestet aus Spitälern in Altersheime verschoben, andere würden sagen «abgeschoben».

Dort wirkte sich die Pandemie verheerend aus. Zwischen 30'000 und 40'000 Menschen starben allein in den Heimen. Jetzt zeigt eine Umfrage, dass ausgerechnet in diesen Pflegeheimen bis zu 20 Prozent des Personals die Impfung ablehnen.

Matt Hancock.
Legende: Grossbritanniens Gesundheitgsminister Matt Hancock: Wer mit Patientinnen und Patienten arbeitet, darf andere nicht gefährden. Keystone

Widerstand über Impfgegnerschaft hinaus

Beim Pflegepersonal löste dieser Entscheid heftige Reaktionen aus. Und zwar nicht nur bei fundamentalen Impfgegnerinnen und -gegnern, wie Wülser sagt: Es meldeten sich auch viele Pflegende, die nicht grundsätzlich gegen Impfungen sind, aber einen solchen Zwang als unverhältnismässigen Eingriff in ihre persönliche Freiheit und ihre Integrität empfinden.

Es gibt auch Juristinnen und Juristen, die überzeugt sind, dass eine Klage wegen Verletzung der Menschenrechte erfolgreich sein könnte. Bezeichnend sei, dass die nationalen Regierungen in Schottland, Wales und Nordirland vorerst auf die Umsetzung der Massnahme verzichteten, so Wülser.

Die Regierungen in Schottland, Wales und Nordirland verzichten vorerst auf die Umsetzung der Massnahme.
Autor: Patrik WülserSRF-Grossbritannien-Korrespondent

Wie in den meisten Ländern ist das Pflegepersonal auch in Grossbritannien nach über 400 Tagen Krise und Ausnahmezustand erschöpft und ausgelaugt. Es herrscht Personalmangel. Ein Gewerkschaftsvertreter sagte gestern, dass mit einem Impfzwang bis zu 15'000 Leute ihren Job an den Nagel hängen könnten.

Folgerichtig, aber nicht realistisch

Solch einen Exodus kann sich das Gesundheitssystem nicht leisten. Als Möglichkeit hat Gesundheitsminister Hancock sogar genannt, die Impfpflicht aufs ganze Gesundheitspersonal, also auch in Spitälern oder Arztpraxen, auszuweiten. Damit würde seine Verordnung letztlich 1,5 Millionen Angestellte aus dem staatlichen Gesundheitswesen betreffen.

Rein wissenschaftlich und technisch sei die Argumentation von Regierung und Gesundheitsministerium nachvollziehbar, sagt Wülser. Aber praktisch, ethisch und rechtlich bewege sich die britische Regierung wohl eher auf dünnem Eis.

Rendez-vous, 17.06.2021, 12:30 Uhr;

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34 Kommentare

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  • Kommentar von Benedikt Gugolz  (Benedikt Gugolz)
    Verändern wir doch einmal versuchsweise die Bedingungen dieser Pandemie.
    Angenommen Covid würde vor Allem Kinder und am schlimmsten Säuglinge betreffen.
    Was meinen sie wie würde dann die Freiheit und Unversehrtheit des Pflegepersonals beurteilt?
    1. Antwort von René Svhönauer  (RSch)
      Wette, hätte, Fahrradkette...Andere Situation, ander Massnahmen.
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    WAS wäre die Welt der Menschen ohne Pflegepersonal weltweit und was würde geschehen, wenn das Pfegepersonal effektiv und weltweit streiken würde??
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Wer in einem Gesundheitsberuf arbeitet und sich nicht impfen lässt, beweist fachliche Inkompetenz sowie Rücksichtslosigkeit gegenüber den Patienten - und hat aus diesen Gründen nichts in der Branche verloren. Wenn sich Verweigerer nicht rasch ersetzen lassen, müssen sie täglich getestet werden und volle Schutzmontur tragen - auf noch nicht absehbare Dauer. Ihren vernünftigen Kollegen, die solch teure Vorsorgemassnahmen nicht verschulden, könnte das gesparte Geld als Bonus ausgezahlt werden.
    1. Antwort von Johan Tobel  (naturfründ)
      Ich kenne viele Personen, die in Pflegeberufen arbeiten und sich nicht impfen lassen. Der Grund ist, dass es im Pflegebereich viel fachlich kompetentes Personal gibt, die sich nicht alles mögliche in den Körper spritzen lassen. Man kann es nur immer wieder sagen, dass die mRna Impfung zu wenig erforscht ist, was die Langzeitwirkung betrifft.
    2. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Herr Tobel ich arbeite auch im Medizinischen Bereich und ich kann Ihnen bestätigen, dass das Pflegepersonal leider zum Teil skeptisch ist. Aber nicht aus Kompetenz Sonden auf Grund von Halbwissen und dem Gefühl sich nicht ordentlich informieren zu müssen. Pflegepersonal sind keine Ärzte und keine Epidemiologen. Sie kennen sich mit Pflege aus und arbeiten auf Anweisung des Aztes .Keine Ahnung warum manche den Eindruck haben Krankenpfleger seien Impfexperten
    3. Antwort von Ludwig Zeier  (Louis)
      @Claudia Beutler u. Sebastian Demlgruber
      Auch Ärzte und Epidemiologen haben nicht wirklich eine Ahnung von den komplexen Abläufen im menschlichen Körper. Das hat Niemand. Jeder Mensch hat das Recht die Verantwortung über seinen Körper, über seine Seele und über seinen Geist wahrzunehmen.
      Etwas, was vielleicht den Menschen in Pflegeberufen mehr bewusst ist.