Zum Inhalt springen

Header

Audio
Corona-Kündigungsschutz in Italien verlängert
Aus Echo der Zeit vom 06.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:28 Minuten.
Inhalt

Corona-Kündigungsstopp In Italien tickt eine soziale Bombe

Rom verlängert den Kündigungsstopp, viele Unternehmer ziehen mit. Gewerkschaften fürchten trotzdem Massenentlassungen.

In Italien gelten wieder verschärfte Regeln bei der Bekämpfung der Pandemie. Die Lombardei oder das Piemont, sind erneut rote Zonen. Es gilt eine Ausgangssperre. Für die italienische Wirtschaft ein weiterer Schlag.

Um dessen Folgen abzufedern, hatte die italienische Regierung im Frühjahr einen Kündigungsstopp verhängt – was ein sehr weitreichender Eingriff des Staates in die Wirtschaft ist. Dieser Kündigungsstopp wurde jetzt verlängert.

Arbeitgeber ziehen mit

Dass die Gewerkschaften den Kündigungsstopp befürworten, ist wenig überraschend. Erstaunlicher ist, dass auch Arbeitgeber mitziehen. Donatella Prampolini ist Vize-Präsidentin von Confcommercio, einem der grössten Unternehmerverbände Italiens. Sie appelliert an die Verantwortung der Unternehmer in dieser schwierigen Lage.

Dass viele Firmenbesitzer den Kündigungsstopp unterstützen, liegt daran, dass vor allem der Staat die Kosten trägt. Er zahlt die Löhne jener Angestellten, die wegen der Corona-Pandemie nicht mehr arbeiten können. Konkret: der Staat hat Millionen von Arbeitnehmenden Kurzarbeitsentschädigungen ausbezahlt.

Passantin in Mailand
Legende: Die Bilder aus der Metropole Mailand, die in der «roten Zone» liegt, erinnern an den Lockdown vom Frühling. Reuters

Das aber war nicht das einzige Zugeständnis an die Arbeitgeber. Tania Scacchetti arbeitet für die grösste Gewerkschaft Italiens, die CGIL. Sie sagt, der Kündigungsstopp gelte keineswegs absolut: «Firmen, die aufgeben müssen, Konkurs gehen, können ihre Angestellten weiterhin entlassen.» Auch aus disziplinarischen Gründen seien Entlassungen möglich.

Die Gewerkschafterin nennt aber noch einen weiteren wichtigen Bereich, in dem der Kündigungsstopp nicht greift: Nur wer einen festen, unbefristeten Arbeitsvertrag hat, ist vor einer Kündigung geschützt.

Eine soziale Bombe könnte explodieren.
Autor: Tania ScacchettiGewerkschafterin

Dazu muss man wissen: In den letzten Jahren hat die grosse Mehrheit von jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern nur noch befristete Arbeitsverträge erhalten. Und wer im Tourismus tätig ist, hat in vielen Fällen lediglich einen kurzfristigen Saison-Vertrag. All diese Angestellten werden vom Kündigungsstopp nicht geschützt.

Obdachsloser schläft an Mauer.
Legende: Die Regierung in Rom hofft, viele Arbeitsplätze über die akute Phase der Krise zu retten. Was danach kommt, ist ungewiss. Keystone

Und trotzdem: Mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag war man vorerst auf der sicheren Seite. Was aber passiert ab nächstem März, wenn der Kündigungsstopp auslaufen soll? Rollt dann eine Kündigungswelle auf Italien zu? «Genau das befürchten wir. Es wird Entlassungen geben», sagt Prampolini vom Unternehmerverband Confcommercio.

Experten sagen, dass der Staat einen Kündigungsstopp verhängte und dafür millionenfach Kurzarbeitsgelder zahlt, habe viele Betriebe gerettet. «Doch wenn diese Massnahmen ab März des nächsten Jahres auslaufen, werden bis zu 270'000 italienische Betriebe aufgeben müssen», schätzt Prampolini.

Bella Italia droht harte Landung

Unter den Betrieben, denen die Schliessung droht, sind viele kleine: zum Beispiel Läden, Restaurants, Bars. Wenn jeder dieser Betriebe im Durchschnitt auch nur drei Mitarbeitende hat, dann könnten im nächsten Jahr bis zu einer Million Angestellte ihre Arbeit verlieren.

In einem Ladenschaufenster steht ein Skelett, daneben ein Schild mit der Aufschrift: Schämt euch, ihr tötet mehr von us als Covid.
Legende: Die kleinen Unternehmen Italiens sind sich der Gefahr bewusst. Der Inhaber eines Ladens in Neapel weist im Schaufenster darauf hin: «Schämt euch, ihr tötet mehr von uns als Covid.» Keystone

Dieses Szenario erschreckt auch die Gewerkschaften: «Eine soziale Bombe könnte explodieren», sagt Gewerkschafterin Scacchetti. Sie fordert deshalb, dass der Kündigungsstopp samt Kurzarbeitsgeld im nächsten März nicht für alle Branchen auslaufen dürfe. Jene Betriebe, die ohne das Coronavirus bald wieder rentierten, müsse man weiter schützen.

Nur: Dem italienischen Staat fehlen die Mittel, die harte Landung noch lange aufzuschieben.

Echo der Zeit vom 06.11.2020, 18 Uhr

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

32 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Aktuell sind keine Kommentare unter diesem Artikel mehr möglich.

  • Kommentar von Michael Baumgartner  (Helvetier)
    @ Pascal Padrutt (papa), Unser Bundesrat macht seine Arbeit sehr gut in meinen Augen. Je tiefer in die Wirtschaft und somit in die Leben vieler eingegriffen wird, desto schwieriger wird der Rückzug des Staates daraus.
  • Kommentar von Werner Gürr  (FrMu)
    Den Effekt der Coronamassnahmen kann man wie folgt charakterisieren: "Operation gelungen, Patient tot." Wer sich nicht fragt, ob die Zerstörung der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens nicht die Kollateralschäden, sondern der eigentliche Zweck der Übung sind, der muss naiv sein. Schliesslich sieht es so aus, als würde man sich vom Massnahmenwahnisnn erst abwenden, wenn wirklich alles total zerstört ist. Es lohnt sich hierzu das folgendes Dokument zu lesen: "Wie soll es weitergehen?".
    1. Antwort von Nick Schaefer  (Nick Schaefer)
      China hat hart reagiert.
      In kürzester Zeit war Virus weg.
      Jetzt läuft Wirtschaft wieder, fast überall keine Maskenpflicht.

      Wo Virus trotzdem auftritt, wird jeweils wieder massiv reagiert, 5 Mio Menschen in Quarantäne geschickt und alle (!) 5 Mio in vier Tagen durchgetestet. So in Kashgar vor 2 Wochen.

      Und schon ist der Spuk wieder vorbei.

      Bei uns wird hingegen herumgepfuscht, was jegliche Massnahmen über Monate hinauszögert, und der Wirtschaft tausendfach mehr schadet.
  • Kommentar von Susanne Lüscher  (Lol)
    Nicht nur Italien, dies trifft alle Länder, wo der Corona-Wahnsinn herrscht. Was hier im Namen von Covit-19 passiert, zeigt wieder einmal die Menschen sind nicht fähig aus der Geschichte zu lernen.